Dienstag, 27. Januar 2015

Rezension: Drei Meister (Stefan Zweig)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-596-12278-3
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Der erste Band der Reihe „Die Baumeister der Welt“ umfasst drei einzelne Essays über Honoré de Balzac, Charles Dickens und Fjodor Dostojewski, die 1920 gemeinsam erschienen, wobei die Werke über Balzac und Dickens bereits einige Jahre zuvor einzeln veröffentlicht worden waren. Stefan Zweig versucht mit diesem Band, die für ihn drei einzigen wirklichen Romanschriftsteller des 19. Jahrhunderts als Typen darzustellen, die alle ihre eigene Sphäre haben: Balzac die Welt der Gesellschaft, Dickens die der Familie und Dostojewski die des Einen und des Alls, und diese miteinander zu vergleichen.

Bewertung

Der Band besteht aus drei einzelnen Essays zu den drei Schriftstellern, wobei Dostojewski noch anders als die zwei anderen einige Unterkapitel hat und wesentlich länger ist, und einem Nachwort des Herausgebers Knut Beck. In einem kurzen Vorwort versucht Stefan Zweig zu erläutern, warum seine Wahl auf Balzac, Dickens und Dostojewski als Untersuchungsgegenstand gefallen ist, was er mit seiner oben erwähnten Annahme, bloß diese drei seien wahre Romanschriftsteller im vergangenen 19. Jahrhundert geworden, begründet. So ist ein 
„Romanschriftsteller im letzten, im höchsten Sinne (…) nur das enzyklopädische Genie, der universale Künstler, der – hier wird Breite des Werkes und Fülle der Figuren zum Argument – einen ganzen Kosmos baut, der eine eigene Welt mit eigenen Typen, eigenen Gravitationsgesetzen und einem eigenen Sternenhimmel neben die irdische stellt.“ (S. 9)
Bei der Darstellung der Schriftsteller geht er dann weniger biographisch als literaturwissenschaftlich vor und betont selbst, dass seine Aufsätze nicht zum Einstieg gedacht seien. Bei Dostojewski geht er auch ein wenig auf dessen Lebenslauf ein, bei den anderen beiden jedoch kaum. Im Zentrum der Essays steht das Werk der drei Schriftsteller, mit dem man sich allerdings ein wenig auskennen sollte, da es sonst schwer fällt, Zweigs Analysen zu folgen. So habe ich auch den Teil über Balzac zum Teil nur überflogen, da ich mich bisher mit ihm und seinen Schriften noch gar nicht beschäftigt habe. Der Teil über Dickens hatte für mich einige neue Ansätze, sein Werk zu interpretieren, dabei, mit denen ich nicht immer einverstanden war bzw. so hatte ich seine Bücher selbst nicht interpretiert. Die Lektüre des Essays über Dostojewski lohnte sich dann wirklich, Zweig taucht sehr tief in dessen Werk ein, einigen Gedankengängen konnte ich auch nicht immer folgen, da ich mich dafür zu wenig mit Dostojewski auskenne, aber man merkte, dass hier ein Dostojewskikenner schreibt. Der angekündigte Vergleich kam mir persönlich viel zu kurz, für mich standen die Aufsätze eher für sich allein, was ihrer Qualität jedoch keinen Abbruch tat.
Der Band verfügt, wie oben erwähnt, über ein Nachwort, das vor allem die Arbeit am Dostojewskiteil darstellt, die sich über mehrere Jahre (vor allem während des Ersten Weltkriegs) hinzog und immer wieder unterbrochen wurde. Es hilft, die Essays vor dem Hintergrund ihrer Abfassungszeit zu sehen, hätte aber doch noch einiges mehr darstellen können, wie etwa die Rezeption des Werkes und die Verbindung zu den anderen beiden Teilen der Baumeister der Welt.

Fazit

Balzac-, Dickens- und Dostojewskiliebhabern kann ich diesen Band wirklich wärmstens empfehlen, auch wenn ich die Treffsicherheit der Analysen von Stefan Zweig zum Werk dieser drei Schriftsteller nicht immer beurteilen kann. Für mich war die Lektüre ein wenig verfrüht, ich hatte eher nach einem Einstieg in das Werk der drei Autoren gesucht und werde es mir auf jeden Fall noch einmal in ein paar Jahren vornehmen, wenn ich besser über diese informiert bin.

3,5 von 5 Punkten

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