Montag, 12. Januar 2015

Gastrezension: Ein Geschenk von Bob (James Bowen)

Bastei-Lübbe
Taschenbuch, 180 Seiten
ISBN: 978-3-404-60846-1
8,99

Ein kurzer Einblick

Ein wahrhaftiges Wintermärchen: James hasst Weihnachten wie Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens A Christmas Carol (Eine Weihnachtsgeschichte) und vergleicht sich auch mehrmals mit ihm. Die Gründe hierfür stammen aus seiner unsteten Kindheit. Hinzu kommt der besonders harte Winter im Jahre 2010, der ihm finanziell stark zusetzt. Doch Minitiger Bob hilft auf seine Weise, die Feiertage zu retten. Dank ihm lernt James den Geist von Weihnachten kennen und das Fest lieben.

Bewertung

Der Beginn der Geschichte zeigt, wie weit der Autor es dank des Erfolges seiner Bücher mittlerweile geschafft hat. Er nimmt es aber nicht als selbstverständlich wahr und glaubt fast jeden Tag, er müsse träumen. Eindrucksvoll finde ich, dass ihm der plötzliche Ruhm nicht zu Kopf gestiegen ist und er Obdachlosen- und Tierschutzorganisationen Geld spendet, um die zu unterstützen, die einst ihm halfen. Als eine Begegnung auf dem Heimweg ihn dann an seine eigene Vergangenheit erinnert, nimmt er uns mit auf den – im wahrsten Sinne des Wortes – harten Weg durch das eisige London von 2010.
James schildert eindringlich, wie hart es besonders im Winter für Straßenmusiker und -zeitungsverkäufer ist. Nicht nur die Kälte setzt den Mittellosen zu, auch die selber geschaffene Hast der Menschen um sie herum, immer auf der Jagd nach dem Weihnachtsgeschenk für die Liebsten. James Sicht der Dinge öffnet dem Leser regelrecht die Augen: Wie sehr stehen wir tagtäglich unter Stress, gerade in der Adventszeit, um allen, die uns wichtig sind, Weihnachtsgeschenke zu besorgen? Und meist ist das Beste noch immer nicht genug. Wir, die wir eigentlich alles haben zum Leben, wollen immer noch mehr. James hingegen kämpft um das nackte Überleben. Er braucht Geld für warmes Wasser und Strom, damit er und sein treuer Begleiter Bob über die Festtage nicht in seiner Wohnung erfrieren. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie schwierig es ist, in gerade dieser Zeit genug zu verdienen, um über die Runden zu kommen. Das Wetter erschwert die Situation noch zusätzlich und man bangt mit ihm, wenn er abends heim fährt und nicht genug zusammen hat, um alle Schulden begleichen zu können. In schlichtem Stil und einfacher Wortwahl hat er, fand ich, sehr eindrucksvoll erzählt, wie er sich trotz eisigen Wetters auf die Straße wagt und die Hoffnung nicht aufgibt, doch noch das nötige Geld zu verdienen. Und immer ist Bob an seiner Seite, was ihm schließlich auch das Fest rettet und James' Einstellung zu Weihnachten grundlegend ändert.

Damit wollte ich euch zeigen, wie man arbeiten muss, um den Armen zu helfen und das zu erfüllen, was unser Herr Jesus selbst gesagt hat: Geben macht glücklicher als Nehmen.“ (Seite 112, nach der Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 35.)

Fazit

Eine wirklich schöne Weihnachtsgeschichte, die den wahren Geist des Festes vermittelt und zum Nachdenken anregt. Katzenliebhaber kommen aber auch hier nicht zu kurz; es gibt viele Einblicke in Bobs Persönlichkeit, die den roten Kater noch charmanter zeichnen als die Vorgängerbücher.

5 von 5 Punkten


Diese Rezension verfasste Luinrina für Legimus.

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