Mittwoch, 28. Januar 2015

Filmkritik: Erbarmen



Jussi Adler-Olsens Auftakt zu seiner Thrillerreihe über das Sonderdezernat Q wurde 2013 verfilmt und war ab Ende Januar 2014 in den deutschen Kinos zu sehen. In den Hauptrollen sind Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck, Fares Fares als Assad und Sonja Richter als Merete Lynggaard zu sehen.
Diese war 2002 nach einer Fährfahrt spurlos verschwunden und hinterließ ihren behinderten Bruder Uffe. Fünf Jahre später beginnt die Geschichte um Mørck, der nach längerer Verletzungspause seinen Dienst wieder antreten will, von seinem Vorgesetzten aber als Leiter des Sonderdezernats Q in den Keller verbannt wird, um dort ungelöste Fälle nochmals durchzugehen und zu archivieren. Zusammen mit seinem neuen Assistenten Assad ignoriert er jedoch die Befehle von oben und beginnt, auf eigene Faust neu zu ermitteln…

Siebenundneunzig Minuten sollte dieser Film kurz sein. Nicht einmal zwei Stunden für eine recht komplexe Handlung. Mich machte das sehr skeptisch und ich fragte mich, ob dieser Film dadurch überhaupt sehenswert sein würde.
Adler-Olsens „Erbarmen“ besticht sowohl durch die starken Charaktere, als auch durch die fesselnde Story. Im Gegensatz zum Buch ist die Handlung des Films jedoch deutlich gestrafft. Man bekommt schon mit, dass Carl Mørck bei seinen Kollegen nicht wirklich beliebt ist und das er und Assad erst miteinander warm werden müssen. Doch es wird hier der Fokus ganz klar auf die Aufklärung des Falls gelegt. Eine tiefgründige Charaktereinführung oder gar eine Charakterentwicklung habe ich gänzlich vermisst. Gerade hier hätte man mit ein wenig mehr Sendezeit und in Hinblick auf die kommenden Filme mehr rausholen und eine bessere Vorarbeit leisten können.
Was den Film aber dennoch nicht untergehen lässt, sind die drei sehr guten Hauptdarsteller. Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck und Fares Fares als Assad spielen auf den ersten Blick vielleicht unaufgeregt. Doch es sind die Details, die die beiden so großartig darstellen. Und obwohl ich mir Carl Mørck doch recht anders vorgestellt hatte, waren sowohl er, als auch die übrigen Schauspieler sehr gut gewählt. Besonders Sonja Richter als Merete Lynggaard hat sich buchstäblich die Seele aus dem Leib gespielt und bei der Szene mit der Zange und dem Zahn lief es mir kalt den Rücken herunter.
Leider wurden viele kleine Sachen zur Buchvorlage geändert. Dass Daniel Hale statt bei einem Autounfall beim Angeln umkommt, kann man verkraften, aber dass z. B. Mørcks merkwürdiger aber liebenswerter Mitbewohner Morton komplett weggelassen wurde finde ich genauso schade wie das Ende, in dem der Zuschauer lediglich sieht, wie Uffe in das Krankenzimmer seiner Schwester geführt wird und nicht, was sich beide gemäß der Vorlage nach den fünf Jahren Trennung zu sagen haben.
Ebenso wurde die Freundschaft, die Treffen und die Gespräche von Mørck und seinem Kollegen Hardy auf ein Minimum beschränkt. Gerade in Hinblick auf die weitere Geschichte hätte dies ebenfalls mehr Potential gehabt.

Fazit

Dieser Krimiauftakt um Carl Mørck und Assad lässt leider fast vollkommen das Zwischenmenschliche und einige in Hinblick auf die weitere Geschichte wichtige Personen und Details vermissen. Doch dank der starken Schauspieler und auch der strukturierten Erzählweise ist es dennoch ein sehenswerter Film von siebenundneunzig Minuten voller schöner Bilder und mitreißender Spannung.

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