Montag, 29. Dezember 2014

Rezension: Nacht über Reykjavík (Arnaldur Indriðason)

Bastei Lübbe
Hardcover, 382 Seiten
ISBN: 978-3-431-03907-8
22,00 €

Ein kurzer Einblick

Im zweiten Teil seiner neuen Krimireihe lässt Arnaldur Indriðason wieder den eigenwilligen Erlendur die Hauptrolle übernehmen, den wir bereits als Kommissar aus seiner alten Krimireihe kennen. Diesmal fängt dieser aber erst bei der Verkehrspolizei an und lernt die dunklen Seiten von Reykjavík kennen. Als schließlich ein Obdachloser am Stadtrand in einem Tümpel von drei Jungs ertrunken aufgefunden wird und am gleichen Wochenende eine junge Frau verschwindet, verlaufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei im Sande. Erlendur lassen diese beiden Fälle jedoch nicht los und so beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln…

Bewertung

Ich lese mittlerweile seit vielen Jahren die Krimis vom isländischen Autor Arnaldur Indriðason, deren Hauptfigur Erlendur mir wirklich sehr ans Herz gewachsen ist. Nach dem Ende der elfbändigen Reihe um den Kommissar Erlendur war ich umso froher, als mit „Duell“ und nun mit „Nacht über Reykjavík“ die früheren Jahre von Erlendurs Polizeitätigkeit nun auch behandelt werden. Kam er in „Duell“ nur ganz am Ende vor, so steht er jetzt wieder im Zentrum des Buches. Der Leser begleitet ihn bei seiner Tätigkeit bei der Verkehrspolizei, die meist nachts statt findet und von betrunkenen Autofahrern, Einbrüchen, häuslicher Gewalt und Drogenhandel geprägt ist. In seiner freien Zeit widmet er sich dann zusätzlich der eigenständigen Ermittlung im oben erwähnten Tötungs- und Vermisstenfall. Man erfährt mehr über die Anfänge seiner Ermittlungstätigkeit, wie er sich mit der Zeit immer besser damit zurechtfindet, aber auch sein Privatleben spielt wie in den früheren Büchern auch eine wichtige Rolle. Seine spätere Frau lernt er hier erst kennen, so dass der Leser ebenso einen Einblick in die Anfänge ihrer Beziehung erhält, über die man in den früheren Büchern bloß durch einige vereinzelte Hinweise informiert wurde.
Ansonsten hat auch dieser Band wieder all das, was für Indriðasons Romane typisch ist. Er ist durchzogen von einer tiefen Melancholie, von der auch seine früheren Werke leben. Viele Charaktere stehen eher am Rand der Gesellschaft, kommen nicht mit ihrem Leben klar, das oftmals von einer Tragödie aus ihrer Vergangenheit überschattet wird. Die Ermittlungsarbeit besteht vor allem aus vielen Zeugenbefragungen und Tatortbesichtigungen, so dass man als Leser die ganze Zeit mitknobeln kann. Dabei geht Erlendur noch etwas zögerlicher als in späteren Jahren vor. Man merkt ihm an, dass er erst mit der Ermittlungsarbeit beginnt. So baut sich die Spannung im Buch auch langsamer als in anderen Werken auf, doch sie steigert sich stetig, so dass ich etwa ab der Hälfte das Buch wieder einmal kaum aus der Hand legen konnte. Zusätzlich erfährt man wiederum einiges über die Entwicklung von einzelnen Gebieten in Reykjavík, dessen Wachsen man ein wenig nachvollziehen kann. All dies trägt zu einem gelungenen Gesamtergebnis bei, das auch an die früheren Erlendurromane heranreicht, insbesondere da auch dieses Buch wieder die indriðasontypische schwere, bedrückende, melancholische Stimmung erzeugt, die unter die Haut geht und lange nach dem Lesen noch nachwirkt.

Fazit

Eine überaus gelungene Fortführung vom ersten Teil der neuen Krimireihe, die den Leser zum Beginn von Erlendurs Ermittlungsarbeit führt und die Anfänge der Beziehung zu seiner späteren Frau beleuchtet. Neben zwei spannenden Fällen, die gekonnt miteinander verknüpft werden und zum Miträtseln einladen, kann dieser Roman wieder durch seine schwere Melancholie punkten, der man sich als Leser schlichtweg nicht entziehen kann. Ich warte jetzt schon gespannt auf den nächsten Teil!

4 von 5 Punkten

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