Freitag, 19. Dezember 2014

Rezension: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Ted Chiang)

Golkonda
Klappenbroschur, 182 Seiten
ISBN: 978-3-942396-12-7
14,90 €

eBook, 9,99 €
ISBN: 978-3-942396-35-6

Ein kurzer Einblick

Ein Universum der Geschichten: Der Turmbau zu Babel dient nur einem Zweck - das Himmelsgewölbe zu durchbrechen. Eine fremde Spezies besucht die Erde - deren Weltverstehen einem anderen System entsprungen ist. Gottes Wunder erschaffen menschliches Leid. Zeitreiseabenteuer oder Selbstfindung? Eine Untersuchung am lebenden Gehirn - eine Operation an sich und durch sich.

Bewertung

Ich möchte eigentlich gar keine Worte über die Kurzgeschichtensammlung verlieren, denn jedes Wort hält euch, liebe Leser, vom Schmökern derselbigen ab. Raumschiffe, Warp-Antrieb oder Alien-Invasionen sucht man vergeblich in diesem vortrefflich literarischen Werk der feinen Weltenwürfe und philosophischen Gedanken zur Frage: »Was wäre wenn?« Die Storysammlung »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« wurde mit dem Kurd Laßwitz Preis als bestes ausländisches Werk des Jahres 2012 ausgezeichnet. Die fünf im Folgenden genannten Storys liegen erstmals als deutsche Veröffentlichung vor und wurden mit mindestens einem renommierten Preis geehrt.


  • Der Turmbau zu Babel (1990), Nebula Award
  • Geschichte deines Lebens (1998), Nebula Award, Sturgeon und Seiun Award
  • Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (2001), Hugo Award, Nebula, Locus und Seiun Award
  • Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (2007), Hugo, Nebula und Seiun Award
  • Ausatmung (2008), Hugo, Locus Award und BSFA Award


Was wäre, wenn eine Gesellschaft dem Himmelsgewölbe entgegenstrebt, um ebendieses zu durchbrechen? Was wäre, wenn eine Spezies die Erde besucht, deren Weltinterpretation teleologisch funktioniert? Was wäre, wenn trotz und durch göttliche Wunder unermessliches Leid entsteht? Was wäre, wenn Zeitreisen nicht immer das eigene, egoistische Glück bevormunden? Was wäre, wenn Leben auf Luft und nicht auf Wasser basieren würde?

Fünf Fragen, fünf Geschichten - Interesse geweckt? Hoffentlich, denn mehr will ich gar nicht über Ted Chiangs Gedankenkonstrukte und phantastische Entwicklungen verraten. Ungewohnte Ideen, famose Schöpfungen, atypische Szenarien siedeln sich in der Science-Fiction an, überraschen aber mit neuen Ansätzen. »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« ist ein geglücktes, originelles Experiment. Ted Chiang fordert den Leser nicht heraus, überlässt ihm selbst der Story zu folgen, sich einzufinden und das ungeahnte Abenteuer zu auszukosten. Und das ist eine wahre Schatzkiste unermesslicher leserischer Freude.

Fazit

Ted Chiang entwirft großartige Welten und verbindet sie mit philosophischen Fragen, die aus dem Hintergrund gnadenlos nach vorne drängen und noch lange im Kopf herumschwirren. Dabei sind die Geschichten kaum fordernd, leicht verständlich, und prächtig unterhaltend geschrieben. Eine eindeutige Leseempfehlung!

5 von 5 Punkten

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