Donnerstag, 4. Dezember 2014

Rezension: Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman (Diane Setterfield)

Blessing
Hardcover, 400 Seiten
ISBN: 978-3-89667-525-5
19,99 €

eBook, 15,99 €
ISBN: 978-3-641-13790-8


Ein kurzer Einblick

Mit einer Steinschleuder tötete William Bellman eine Krähe, um vor seinen Freunden anzugeben. Der Anfang eines Fluches? Oder der Beginn des Erfolges eines Wunderkindes? In der Wollspinnerei seines Onkels legt William eine steile Karriere hin. Schon bald übernimmt er das Unternehmen und macht daraus ein Erfolgsunternehmen. Doch das Glück wärt nicht ewiglich. Todesfälle überschatten sein Leben. Eine dunkle Gestalt bietet ihm einen Pakt an, um Existenz und Glück zu retten.

Bewertung

Blei anfassen, Gold in der Hand halten. Eine Geschäftsidee in die Tat umsetzen, ein Wirtschaftsimperium regieren. Einmal Lotto spielen, den Jackpot knacken. Ein Wunderknabe des Erfolgs sein. Wer hat sich das nicht gewünscht? William Bellman besitzt genau das richtige Gespür, um Unternehmen auszubauen und Asche zu scheffeln.
England im 19. Jahrhundert: William Bellman arbeitet in der Fabrik seines Onkels, heiratet, bekommt Kinder, gründet eine neue Firma. Für Geldgeber und Investoren ist er ein Gott. Für seine Familie ist William eine herbe Enttäuschung. Der zwanghafte Ehrgeiz stets die Produktion zu verbessern, von Monat zu Monat mehr Geld in die Kassen einzutreiben und Konkurrenten auszustechen, nimmt ihn zur Gänze in Anspruch. Gemütlich mit Frau und Kindern im Winter am Feuer zu sitzen, das hält er nicht aus. Pläne müssen ausgearbeitet, Ideen in die Tat umgesetzt werden. In jeder Minute, an Feiertagen. Selbst im Schlaf kreisen seine Gedanken um Probleme. William Bellman ist ein Workaholic, der sein Leben dem Erfolg opfert und Freunde und Familie vergisst.

Ein Mensch, der derart in den Vordergrund einer Handlung gesetzt wird, muss ordentlich konzipiert sein. Gedanken und Gefühle müssen bis ins Detail stimmig sein, um den Charakter auszugestalten und Taten die richtige Gewichtung zu geben. Akribisch geht Diane Setterfield das Problem an - tatsächlich gelingt ihr das fast Unmögliche: Sie erschafft einen unsympathischen Charakter, der einem ans Herz wächst und bestens Leben eingehaucht wurde. Es ist eine wahre Freude William Bellman bei Nichtigkeiten zu begleiten, langweilige Vorgänge zu beobachten und gespannt darauf zu warten, wohin William dies bringen wird. Von jedem Hergang macht William sich ein Bild, legt selbst Hand an, macht sich die Hände schmutzig. Wie sonst soll er erkennen, was seine Angestellten benötigen, um die bestmögliche Arbeit abzuliefern? 100 Prozent Erfolg funktioniert nur dann, wenn kein Staubkorb in die Zahnräder der Produktionsabteilungen gerät.

Erfolg ohne Misserfolge? Ja! William Bellman plagt ein gänzlich anderes ... Problem. Als Kind schoss er mit einer Steinschleuder eine Krähe vom Baum. Tot schlug sie auf dem Boden auf. Der Auslöser eines Fluches? Eine Verwünschung eines jahrtausendealten Volkes? In kurzen Kapiteln wird den Krähen eine Hintergrundgeschichte verliehen, die als dräuendes Unheil über allem schwebt. Krähen sind es, die William Bellman das Fürchten lehren, seinen Verstand rauben? Während William zum erfolgreichen Geschäftsmann tendiert und ein Kaufhaus für Trauerwaren in London eröffnet, sterben Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung. Unter dem Druck des Erfolges, der Trauer um geliebte Menschen, die er versucht in Arbeit zu ertränken, erscheint ihm Mr. Black - eine nebulöse Gestalt bis zum Ende, eine Interpretation, die jeder Leser selbst treffen muss.

Fazit

Diane Setterfield erzählt virtuos eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in England im 19. Jahrhundert. Sie mischt Mystery- und Krimi-Elemente darunter und verzaubert mit einer detailliert, packenden Story des Aufstiegs und Falls des Wollspinners William Bellman. Psychosen, Wahnvorstellungen und Ängste sind hervorragend ausgearbeitet und überzeugen auf voller Länge!

5 von 5 Punkten

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