Freitag, 12. Dezember 2014

Rezension: Monrepos oder Die Kälte der Macht (Manfred Zach)

Rowohlt
Taschenbuch, 560 Seiten
ISBN: 978-3-49922-179-8
9,90 €


Ein kurzer Einblick 

Bernhard Gundelach, Jurist und (noch) kein CDU-Mitglied, gelingt es mit Anfang 20 einen Job in der baden-württembergischen Staatskanzlei zu erlangen. Von nun an geht es für ihn bergauf. Er erhält immer höhere Posten und wird mit Ministerpräsident Breisinger stets vertrauter. Schnell erkennt er jedoch auch die Schattenseiten des Regierens und muss sich so bald zwischen Breisinger und seinem aufstrebenden Nachfolger Specht entscheiden. Und auch anderweitig zeigen sich schnell die unschönen Seiten des politischen Geschäfts…

Bewertung

Manfred Zach war selbst Regierungssprecher unter dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth und ist somit ein Kenner der Landespolitik. In „Monrepos“ lässt er sein Alter-Ego Bernhard Gundelach auftreten und die Etappen des Lebens erfahren, die wohl auch Manfred Zach gegangen ist. Die unverkennbaren Gemeinsamkeiten zwischen beiden Personen deuten auf den Umgang Zachs mit der Realität. Obwohl es sich bei „Monrepos“ um einen Roman handelt, hat sich Zach nur wenig Mühe gegeben, die realen Personen und Geschehnisse, die diesem Roman zu Grunde liegen, zu verdecken. Der Handlungsort entspricht exakt der Realität, die Geschehnisse im Grunde auch und die Personen sind ohne weiteres daran zu erkennen, dass ihre Namen nur unwesentlich verändert wurden.
Für den Leser ist diese Tatsache jedoch eher anspornend, da er schnell mit etwas Mühe die realen Personen hinter den Figuren erkennen kann. Darüber hinaus demonstriert der sehr realitätsnahe Roman solch einen intensiven Einblick in einen landespolitischen Regierungsapparat und die Politik auf Landesebene, wie ihn wohl kein wissenschaftliches Buch gewähren kann. Trotzdem muss man sich bemühen, vor lauter Personen und Verstrickungen insbesondere am Anfang nicht den Überblick zu verlieren.
Durch die Hauptfigur Bernhard Gundelach erfährt der Leser, wie der personelle Aufstieg im politischen Apparat funktionieren kann. Gundelach arbeitet sich nach und nach hoch, besticht zunächst durch seinen Fleiß und Einsatz und lernt später, dass es entscheidend ist, wichtige Kontakte zu besitzen. Als er eine gewisse Stellung erreicht hat, hat er die Macht, Ansprüche zu erheben und seine Position zu halten.
Neben diesen persönlichen Aufstiegsmöglichkeiten erfährt der Leser auch einiges über die Abläufe im politischen Prozess. So kann man durch Bernhard Gundelachs Tätigkeiten nicht nur die Routineabläufe kennenlernen, sondern erfährt auch, wie mit Krisen und Problemen umgegangen wird. Zudem wird eindringlich aufgezeigt, welche Aspekte entscheidend sind, um eine gewisse Bekanntheit zu erlangen und sie zu halten. Weiterhin wird immer wieder deutlich, welchen Stellenwert persönliche Beziehungen haben und zugleich wie sich die intensive Arbeit in der Politik auf persönliche Verbindungen negativ auswirken kann.
„Monrepos“ bietet somit insgesamt einen sehr guten und praxisnahen Einblick darin, wie politische Prozesse und Denken funktioniert. Der Leser erfährt, wie man Aufstiege forcieren und wodurch Abstiege eingeleitet werden können. Dadurch, dass man Bernhard Gundelachs Berufsleben über viele Jahre mit verfolgt, kann der Leser zwischen den Zeilen so viele Dinge erfahren, die gar nicht immer nur mit Gundelachs Person zusammenhängen. Der Leser erfährt in unterschiedlichster Ausgestaltung die positiven und negativen Seiten der Arbeit im Regierungsapparat. Die vielen verschiedenen Geschehnisse bieten dabei immer wieder etwas neues, auf dessen Ausgang man gespannt sein kann. Allerdings hat der Roman insbesondere in den Phasen, in denen Bernhard Gundelach praktisch nur Routinegeschäfte zu erledigen hat, durchaus auch Längen.

Fazit

„Monrepos“ gewährt einen realistischen Einblick in die Abläufe des Regierungsgeschäfts auf Landesebene. Man erlebt über viele Jahre Auf- und Abstiege, die Rolle externer Einflüsse und die Bedeutung persönlicher Beziehungen. Für diejenigen, die an der praktischen Umsetzung von Politik interessiert sind, gewährt der Roman somit einen eindrucksvollen Einblick in positives und negatives.

4 von 5 Punkten

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