Dienstag, 2. Dezember 2014

Filmkritik: Zwei an einem Tag


Der Bestseller „Zwei an einem Tag“ von David Nicholls aus dem Jahr 2009 wurde 2011 von der dänischen Regisseurin Lone Scherfig verfilmt, wofür Nicholls das Drehbuch lieferte. Die Hauptrollen übernahmen Anne Hathaway und Jim Sturgess, die die beiden Uniabsolventen Emma und Dexter verkörpern, die sich am Abend ihrer Abschlussfeier in Edinburgh näher kennen lernen und die Nacht (es ist der 15. Juli 1988) miteinander verbringen, ohne jedoch miteinander zu schlafen. In der Folge erleben wir jedes Jahr einen Tag in ihrem Leben (immer der 15. Juli) mit, wie sie Freunde und langsam erwachsen werden, sich durchs Leben kämpfen müssen, sich auch mal aus den Augen verlieren, aber nie den anderen richtig vergessen können, bis sie nach vielen Jahren endlich bereit zu sein scheinen, mehr als bloß Freunde zu sein…

Es ist bereits einige Zeit her, dass ich den Roman gelesen habe, doch ich versuche trotzdem, ihn so gut es geht mit dem Film zu vergleichen. Die Verfilmung hält sich generell recht nah an die Buchvorlage, einige größere Unterschiede gibt es aber dann doch. So fängt der Film nicht wie das Buch im Jahr 1988 an, sondern viel später bei einem wichtigen Wendepunkt in Emmas und Dexters Leben, der allerdings nicht zu Ende geführt wird, was mehr Spannung in den Film bringt. Auch das Ende wurde ein wenig im Vergleich zum Roman geändert, es spielt im Jahr 2011, nicht wie im Buch im Jahr 2007, wurde also in die Zeit verlegt, als der Film gedreht wurde, wie auch sonst einige Ereignisse zu anderen Zeiten als im Buch statt finden und auch einzelne Jahre übersprungen werden, vor allem gegen Ende des Films, was aber für eher geringe Bedeutung für die Handlung des Films ist. Ansonsten kommt Dexters Tochter ein wenig häufiger in der Verfilmung vor, was aber wiederum keine wirklichen Auswirkungen auf die eigentliche Handlung hat, und Dexters Freundin am Ende des Romans kommt im Film nicht vor, was ich für eine stimmige Änderung im Vergleich zur Buchvorlage halte.
Der Film hält sich genau an die Erzählweise des Buches, es werden wirklich bloß die Ereignisse am 15. Juli eines jeden Jahres gezeigt, wobei die Daten sehr kreativ in den Film eingebaut werden, eins erscheint etwa auf einem Laptop, an dem Emma gerade arbeitet, oder ein anderes auf einem Spiegel, als beide gerade Zähne putzen. Durch diese Erzählweise hetzt der Film aber auch zu sehr durch die einzelnen Jahre, für die sich im Buch mehr Zeit gelassen wird, und wirkt abgehakter als das Buch. Nur episodenhaft erscheint er aber wiederum auch nicht, es gelingt schon, eine zusammenhängende Entwicklung der Hauptcharaktere darzustellen, obwohl wir sie nur an einem Tag im Jahr begleiten. Schwächer im Vergleich zum Roman gelingt der Verfilmung jedoch die Darstellung der Gefühlswelt und der Probleme der beiden. Das Buch macht es gerade aus, dass es neben der rührenden, aber auch realistischen Liebesgeschichte zweier sehr lebensnah wirkenden Figuren, die niemals ins Kitschige abdriftet, die Gedanken und Sorgen von gerade Erwachsenwerdenden überzeugend einfängt wie die üblichen Probleme bei der Jobsuche und die große Unsicherheit nach der Uni, was man nun mit seinem Leben anfangen soll. Dies wird im Film eher nur angerissen und nicht so gekonnt dargestellt wie im Buch. Auch gelingt es nicht, die Liebesgeschichte so realistisch wie im Roman zu entwickeln, sie wirkt simpler und auch ein wenig kitschiger, aber immer noch besser als in typischen Liebeskomödien. Ein wenig liegt dies auch an den beiden Hauptdarstellern, die zwar beide gut spielen, man nimmt ihnen ihre Rolle durchaus ab, doch beide sind für mich keine ideale Besetzung für Emma und Dexter und als Paar überzeugen sie auch nur bedingt. Dem Film gelingt es aber immerhin, die letzten Jahre gefühlvoller und rührender als im Buch darzustellen, was in diesem Fall vor allem an Sturgess’ überzeugender Darbietung liegt.

Fazit

Eine insgesamt überzeugende Verfilmung von David Nicholls’ Bestseller, die zwar (wie meist üblich für Literaturverfilmungen) die Tiefe seiner Buchvorlage nicht erreicht und ab und zu doch ein wenig in typische Elemente von Liebeskomödien abdriftet, aber doch im Wesentlichen die Geschichte des Romans gut darstellt, auch eigene filmische Akzente setzt und von seinen beiden reizenden Hauptdarstellern lebt, die jedoch nicht komplett zu ihren Rollen passen und als überzeugendes Paar nicht immer funktionieren. Man macht also überhaupt nichts falsch, wenn man es sich bei diesem Film gemütlich auf dem Sofa macht, besser wäre nur die lohnenswerte Lektüre des doch wirklich besseren Buches.

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