Mittwoch, 19. November 2014

Rezension: Von Autoren, Büchern und Piraten (Detlef Bluhm)

Artemis & Winkler
Gebundene Ausgabe, 270 Seiten
ISBN: 978-3538072855
Vergriffen, gebraucht bestellbar

Ein kurzer Einblick

Detlef Bluhm, der selbst jahrelang im Buchhandel und in Verlagen tätig war und seit 1992 Geschäftsführer im Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. ist, erzählt in diesem knappen Band die ungefähr 3000jährige Geschichte des Buches über Totenbücher auf Papyrus, Werke auf Pergament, die Entwicklung des Kodexes, die großen Bibliotheken der Antike, das Sichern vieler antiker Werke durch Abschreiben in mittelalterlichen Klöstern, die beginnende Verwendung des Papiers in Europa, die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg bis hin zur allmählichen Entwicklung des Urheberrechts im Laufe der Moderne und der aktuellen Digitalisierung, die die Buchbranche vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Bewertung

Der Autor geht in seinem Werk chronologisch vor. Er beginnt mit den in der Antike auftretenden, für die Entwicklung des Buches relevanten Begebenheiten wie etwa frühe Buchformen, der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Überlieferung, die Papyrus- und Pergamentherstellung, große Bibliotheken wie die Bibliothek von Alexandria und die Entwicklung des Kodexes, um dann vom Zerfall der Buchkultur im Zuge des Zerfalls der antiken Welt zu berichten, die schließlich im Mittelalter zunächst nur in den Klöstern weiterlebte, in denen unzählige Mönche bedeutende antike Werke durch Abschreiben vor dem Verschwinden retteten. Es folgten die ersten Universitäten, die den Bedarf an Texten rapide ansteigen ließen, was in der Folge zur nach und nach europaweiten Verwendung des billigeren Papiers führte. Gutenbergs Jahrtausenderfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wird ebenso breiter Raum gegeben, um dann auf den Einfluss einzugehen, den diese Erfindung auf die Reformation hatte. Daraufhin werden die Entwicklungen in der Neuzeit dargestellt, wie sich der Buchhandel bis heute ausgestaltete, sich das Leseverhalten der Bevölkerung wandelte, der Beruf des Schriftstellers entwickelte, der schließlich von seinen Büchern leben konnte, und wie in diesem Zuge immer stärker um das Recht des Autoren an seinem geistigen Eigentum gekämpft wurde. Auch die den Buchhandel betreffenden Entwicklungen im Dritten Reich, dann nach dem Krieg, in der DDR und 1968 werden kurz dargestellt, um dann noch die aktuellen Entwicklungen in der Buchbranche im Zeichen der Digitalisierung zu schildern. Zum Schluss folgt noch ein Kapitel, das sich mit dem Plagiat in der Literatur beschäftigt, bevor im letzten Kapitel noch ein Ausblick auf mögliche Entwicklungen in der Buchbranche in den kommenden Jahren gegeben wird.
Obwohl im Buch ca. 3000 Jahre abgedeckt werden, fokussiert sich der Autor sehr auf die Moderne. Die Entwicklungen vor der Renaissance nehmen nicht einmal ein Drittel des Buches ein. So wird vieles nur kurz angerissen, wie etwa auch die Begebenheiten während des Nationalsozialismus oder in der DDR, so dass nach meinem Geschmack einiges zu kurz kam, worüber ich gern noch mehr erfahren hätte. Allerdings gibt der Autor am Ende auch weiterführende Literaturtipps, mit denen man sich noch mehr in diese Thematik einlesen kann. Ansonsten kann ich nicht wirklich irgendetwas an diesem Sachbuch kritisieren. Die für das Buch wichtigen Entwicklungsschritte werden angemessen und verständlich erläutert, auch auf das Material wird eingegangen, wie etwa die Herstellung von Papyrus, Pergament und Papier, und auch die verschiedenen Druckmöglichkeiten werden dargestellt. Ein anderer Schwerpunkt wird auf die Ausgestaltung des Buchhandels bis heute gelegt, man erhält interessante Einblicke in die über die Jahrhunderte üblichen Vertriebsmöglichkeiten, ebenso zur Geschichte und Konkurrenz der gegenwärtig größten deutschen Buchmessen, der Leipziger und der Frankfurter Buchmesse, und wie sich die Alphabetisierung in der Bevölkerung und damit ihr Leseverhalten entwickelte. Ein dritter Schwerpunkt wird auf das Thema Urheberrecht gelegt, worum bereits in der Antike gestritten wurde und das erst im Laufe der Moderne auch gesetzlich festgesetzt wurde, bis dahin waren Autoren immer wieder Nachdrucken, Plagiaten und Fälschungen ausgesetzt. Zum Inhalt der Bücher gibt der Autor jedoch kaum Einblicke, bei Interesse an der Geschichte der Literatur sollte man dieses Buch also nicht lesen. Dafür werden die Darstellungen sehr häufig durch Abbildungen unterstützt, die sich einerseits im fließenden Text befinden, andererseits aber auch farbig in der Mitte des Buches, und die die Aussagen des Textes noch einmal bildlich unterstreichen. Außerdem wird im Laufe der Moderne ein starker Fokus auf die Entwicklungen in Deutschland gelegt, wie sich der Buchhandel in anderen Staaten gestaltete, findet kaum Erwähnung. Dafür empfand ich aber besonders die Darstellung der gegenwärtigen Situation des Buches und des Buchhandels in Zeiten der Digitalisierung als besonders aufschlussreich, obwohl ich zu Anfang das Buch eigentlich hatte lesen wollen, um mehr über die Geschichte des Buches zu erfahren.

Fazit

Eine gelungene knappe Darstellung der Geschichte des Buches von seinen Anfängen in der Antike bis zu gegenwärtigen Entwicklungen, die das Medium Buch, wie wir es kennen, erstmals in seiner langen Geschichte in seiner Existenz bedrohen. Es eignet sich vor allem als Einstieg ins Thema, da viele Entwicklungen nur angerissen werden, überzeugt aber sonst mit seinen verständlich geschriebenen und aufschlussreichen Ausführungen auf ganzer Linie.

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen