Donnerstag, 13. November 2014

Rezension: Marmorkuss (Jennifer Benkau)

Script 5
Hardcover, 432 Seiten
ISBN: 978-3-8390-0166-0
18,95€


Ein kurzer Einblick

„Märchen schreibt die Zeit“... und manchmal überdauert ein Märchen auch die Zeit. Jarno sucht das perfekte Bild für einen Foto-Wettbewerb, um den begehrten Ausbildungsplatz in einem Fotostudio zu bekommen. Das perfekte Bild findet er zwar nicht, aber eine geheimnisvolle Marmorstatue, die sein Leben verändert.

Bewertung

„Marmorkuss“ ist ein modernes Mädchen, was einem von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen vermag. Am Anfang des Romans gibt es zwei Handlungsstränge, in denen man den Hauptprotagonisten Klara und Jarno folgt. So hat der Leser die Möglichkeit, die beiden Hauptfiguren erst einmal unabhängig voneinander kennenzulernen und auch die verschiedenen Welten, in den sich die beiden bewegen, besser zu verstehen. Beide Handlungsstränge sind gut an die Zeit angepasst, in denen sie spielen. So merkt man zum Beispiel auch über die Sprache, beziehungsweise den sprachlichen Ausdruck, die Eigenheiten der jeweiligen Epoche. Zudem bekommt man interessante Hintergrundinformationen über die Jahrzehnte geliefert und kann daher gut den Gedanken und Vorgehensweisen der Protagonisten folgen.
Klara und Jarno sind zwei wunderbare Hauptprotagonisten, die von der Autorin sehr facettenreich dargestellt wurden. Klaras Freiheitsdrang fand ich beeindruckend und ihre Denkweise für das Jahrhundert, in dem sie lebt, sehr fortschrittlich. Jarno dagegen ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, dessen großer Traum es ist, Fotograf zu werden. Leider ist dies in seiner Realität nicht so einfach und daher greift er auch zu unkonventionellen Mitteln, um diesem Traum ein Stück näher zu kommen. Am Anfang kam mir das komisch vor, aber je mehr man sich in die Geschichte und seine Charaktere einliest umso besser versteht man das Handeln von Jarno.
Die dritte Hauptprotagonistin ist Elise, die böse Zauberin, die zu jedem guten Märchen gehört. Sie ist nicht ganz so präsent, wie man am Anfang denken mag, aber ihr Schatten schwebt über der ganzen Geschichte, so dass sie doch mehr Raum einnimmt und auf den Leser präsenter wirkt, als sie es eigentlich ist.
Die Geschichte an sich ist sehr spannend geschrieben und gleicht einem modernen Märchen. Schon der erste Satz, „Es war einmal...“, deutet darauf hin. Zwar holt einen der zweite Satz wieder in die triste Gegenwart, aber den Grundstein hat die Autorin damit gelegt. Der Schreibstil des Romans ist witzig und frech, an vielen Textstellen muss man schmunzeln und am Ende muss man aufpassen, sich vor Spannung nicht die Fingernägel abzukauen. Auch das Buchcover passt gut zum Rest der Geschichte und wirkt nicht übertrieben kitschig.

Fazit

Jennifer Benkau hat mit diesem Roman ein modernes Märchen geschrieben, was beide Geschlechtergruppen ansprechen dürfte. Ohne viel Kitsch erzählt sie eine märchenhafte Geschichte, der aber auch nicht der nötige Realitätssinn fehlt.

4,5 von 5 Punkten

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