Dienstag, 18. November 2014

Rezension: Die Magie der tausend Welten 1. Die Begabte (Trudi Canavan)

Penhaligon
Hardcover, 672 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3105-8
19,99 €


eBook, 15,99 €
ISBN: 978-3-641-12329-1


Ein kurzer Einblick

Das magische Artefakt Pergama - einst ein Mensch, von einem mächtigen Zauberer in ein Buch verwandelt - birgt das Wissen von Jahrtausenden zwischen den Seiten. Pergama könnte die Rettung für Tyens Welt bedeuten, wenn die Akademie fremdartige Ideen nicht direkt mit ketzerischem Gedankengut gleichsetzen würde.

Rielle ist es verboten Magie zu wirken. Es ist Diebstahl an den Engeln. Nur den männlichen Priestern ist es gestattet Magie zu wirken. Eines Tages wird Rielle hereingelegt, dazu gezwungen Magie zu benutzen. Sie muss sich zwischen Liebe, Familie und Priestern entscheiden - wie wird ihre Wahl ausgehen? Ein glückliches Leben steht dem Dasein als Befleckte gegenüber.

Bewertung

Tyen
Tyen ist junger Magier und Archäologe an der Akademie. Die Magie ist eine streng geschützte Ressource in der industriell geprägten Stadt. Nur an der Akademie ist es ihm erlaubt magische Kraft zu wirken - und selbst dort wird die Verwendung zum Spaß missbilligt. Auswärts des Akademiegeländes wird die Magie zum Betreiben der Maschinen von Druckereien, Schienenschlitten und anderen technischen Wunderwerken der Moderne genutzt. Leider ist Magie endlich. Tyens Welt geht die Magie aus.
Auf einer archäologischen Ausgrabung entdeckt Tyen ein magisches Buch: Pergama. Einst ein Mensch verwandelte ein mächtiger Zauberer sie in das Artefakt, damit Pergama Wissen in sich aufsaugen solle. Sie enthüllt Tyen ein Geheimnis, das Tyens Welt die Magieerzeugung beibringen könnte. Die Akademie betrachtet Tyens Entdeckung jedoch als ketzerische Lüge und brandmarkt ihn letztendlich als Verräter. Eroberung, Ausbeutung anderer Länder und Fortschritt um jeden Preis: Das ist die Ansicht der Akademie, wie Magie dem Land zuzuführen ist.

Rielle
Rielles Welt hebt sich drastisch von der Tyens ab. Industrie wird hier vergebens gesucht. Handwerk, Kunst und körperliche Ertüchtigung lassen die Stadt erblühen. Das Sehen von Magie gilt als Makel. Die Verwendung von Magie gilt als Diebstahl von den Engeln. Das Wirken von Magie ist nur den männlichen Priestern gestattet. Rielle lehnt sich für die Liebe gegen die Gesellschaft auf und wird durch die Nutzung von Magie zur Ausgestoßenen.

Charaktere
Bedingt durch die weltlichen Begebenheiten sind Tyens und Rielles Charaktere grundverschieden. Ihre Entwicklung hingegen läuft parallel und damit sehr vorhersehbar ab. Tyen ist ein Student der Magie, der gegen die Nichtakzeptanz unerwünschten Wissens ankämpft und zum Gebrandmarkten wird. Rielle ist magiebegabt und kämpft gegen das strenge Frauenbild und das hierarchische Ansehen der Familien an und wird letztendlich durch tragische Entscheidungen zur Befleckten.
Tyen und Rielle sind anfangs naive Charaktere, die ihren Oberen vertrauen und nichts hinterfragen, bis sie hinter die Kulissen blicken und die Mängel der Gesellschaft entdecken. Nach und nach entwickeln sie sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten, die ihr Schicksal annehmen und in ein Abenteuer aufbrechen, das ihre Leben verändern wird. Ich hätte mir von Trudi Canavan etwas mehr Fantasie und Differenziertheit in ihren Figuren gewünscht, damit diese einzigartig werden. Weltliche Verschiedenheiten gestalten keine ungleichen Figuren.
Trotz all der Kritik an den Charakteren sind diese authentisch ausgearbeitet. Ihr Naturell wird erfreulich umfassend entworfen und fließt glaubwürdig in die Handlung ein. Allein das Groß der Nebenfiguren bleibt zumeist seltsam blass. Die Autorin konzentriert sich voll und ganz auf die beiden Hauptcharaktere.

Welten
Anfangs empfand ich die klassischen Weltbilder in Kultur und Gesellschaft als zu altbekannt und langweilig und wünschte mir mehr Kreativität seitens der Ausführung. Tyens Welt der Industrie und Rohstoffprobleme und Rielles Welt der Frauenrollen bot wenig Experimentelles. In den Kontext der Handlung und des übergeordneten Suchens nach dem Ursprung der Magie eingeordnet, funktionieren die vollkommen entgegengesetzten Welten hervorragend. Mehr Nuancen und Abweichungen in puncto Fantasiewelt wären dennoch wünschenswert gewesen. Es muss ja kein neuartiges Weltbild erschaffen werden, punktuelle Ideen würden Altbekanntes auffrischen und den Roman auf ein komplett neues Level heben. Trudi Canavan bleibt sich selbst treu und setzt auf Authentizität, Abenteuer und reibungslosen Lesespaß, statt Experimente einzugehen.
Um dem Roman gerechtfertigt zu kritisieren, muss ich die Südländer in Tyens Welt erwähnen. Ihre Kultur scheint sich von der Tyens abzuheben, wird jedoch kaum ausgearbeitet. Sehr schade, hier liegt meines Empfindens nach verborgenes Potential!

Fazit

Zu klassisch, zu gängig, zu altbekannt liest sich »Die Begabte«, als das überraschende Welten und Abenteuer konzipiert werden können. Zu sanft, zu gewohnt liest sich der Roman, als das ein unvergessener Lesespaß erschaffen wird. Vielleicht mag sich dies in den beiden Folgebänden verbessern. Ich hoffe das Beste! Nichtsdestotrotz bietet Trudi Canavans »Die Magie der Tausend Welten!« eine unterhaltsame, gut ausgearbeitete Handlung und hervorragend dargestellte Kulturprobleme. Der Roman ist für jeden Fan unabdingbar empfehlenswert.

3,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen