Dienstag, 11. November 2014

Rezension: Der Junge mit dem Herz aus Holz (John Boyne)

Fischer KJB
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-596-81094-9
7,99 €

Ein kurzer Einblick

Der achtjährige Noah Barleywater läuft eines Morgens heimlich von zu Hause weg, um Abenteuer zu erleben, doch man merkt schnell, eigentlich rennt er vor etwas davon, mit dem er sich nicht auseinandersetzen will. Auf seinem Weg durch den Wald kommt er an mehreren Dörfern vorbei, bis er schließlich in einem Dorf einen seltsamen Baum sieht, hinter dem ein sehr schiefes Häuschen steht, das eine große Anziehungskraft auf ihn ausübt. Es entpuppt sich als Laden eines sehr netten, aber auch eigenartigen Spielzeugmachers, der Noah viel aus seinem Leben zu berichten hat. Er nimmt Noah mit in seine Vergangenheit voll mit Abenteuern, Wundern, aber auch gebrochenen Versprechen, so dass auch Noah sich langsam mit seinen Problemen auseinanderzusetzen beginnt…

Bewertung

Zur Zeit ist der irische Schriftsteller John Boyne einer meiner Lieblingsautoren, so dass ich mir nach und nach immer mehr seiner Bücher vornehme, diesmal das Kinder-/Jugendbuch „Der Junge mit dem Herz aus Holz“, wobei es wohl richtigerweise „Der Junge mit dem Herzen aus Holz“ hätte heißen sollen. Wie dem auch sei, diesem Werk merkt man seine Richtung „Kinder-/Jugendbuch“ deutlich mehr an als seinen anderen Romanen, die auch eher für Kinder und Jugendliche geschrieben wurden, sich aber auch für Erwachsene durchaus eigneten. Dieses Buch ist allerdings das erste, das für meine Begriffe zu kindlich war und mich daher auch weniger als seine anderen begeisterte. Es ist immer noch ein gutes Buch, spannend bis zur letzten Seite, da man erst nach und nach erfährt, warum Noah von zu Hause weggelaufen ist, und auch die Lebensgeschichte des Spielzeugmachers einige Überraschungen liefern kann. Diese ist sehr rührend und einfühlsam erzählt, voll mit Lebensweisheiten und sie zeigt, wie der Ablauf des Lebens voll von Abzweigungen, gebrochenen Versprechen, Reue und Schuld sein kann, was dem noch jungen Leben von Noah gegenüber gestellt wird, der es selbst noch in der Hand hat, einige Fehler eben nicht zu begehen. Dieser Aspekt machte das Buch zwar wirklich lesenswert, doch es konnte mich insgesamt nicht so sehr überzeugen wie andere Werke von Boyne, über die ich noch Monate später intensiv nachdachte und die ich sicherlich in ein paar Jahren noch einmal lesen werde.
Dass es mir nicht so sehr zusagte, mag auch an den Märchenelementen liegen, die sich durch den gesamten Roman ziehen. Dem Autor gelingt zwar eine sehr gute Mischung aus märchenhaften Aspekten und unser realen Welt, was mich ein wenig an Bücher wie Harry Potter erinnerte, und verknüpft die Handlung noch mit einer sehr bekannten Geschichte, die ich lieber nicht verraten möchte, doch ich bin generell kein Fan von Märchen, zumindest seitdem ich kein Kind mehr bin, und konnte mit den sprechenden Tieren, seltsamen Objekten im Spielzeugladen und vielem mehr nicht so viel anfangen. Für diejenigen, die solche Aspekte in Büchern mögen, dürfte „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ genau das richtige sein. Mir war es zu kindlich, denn diesmal konnte mich Boyne mit der kindlichen Sicht auf die Geschichte, die aus Noahs Sicht erzählt wird, nicht komplett erreichen, was ihm in Werken wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“ oder „So fern wie nah“ schon herausragend gelungen ist.

Fazit

Wer sich an Märchenelementen nicht stört, kann mit diesem Buch gar nichts falsch machen. Es erzählt eine rührende Geschichte über das Erwachsen werden, wartet mit vielen Lebensweisheiten auf und stellt gekonnt ein beinahe vergangenes Leben voll mit Abenteuern, aber auch Reue und Schuldgefühlen einem jungen, gerade erst begonnenen Leben gegenüber, was den Leser intensiv über die Vergänglichkeit des Lebens und die Konsequenzen von einmal getroffenen Entscheidungen nachdenken lässt. Für mich war es eins der schwächeren Bücher des Autors, lesenswert ist es aber dennoch.

3,5 von 5 Punkten

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