Donnerstag, 27. November 2014

Rezension: Deep Sea – Eine Reise zum Grund des Ozeans (James Nestor)

Malik (Piper)
Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-89029-766-8
22,99 €

Ein kurzer Einblick

Im September 2011 wird James Nestor vom Outside Magazine nach Kalamata in Griechenland geschickt, um von der Weltmeisterschaft im Apnoetauchen zu berichten. Hatte er anfangs keine Ahnung von dem Sport, beginnt für ihn ab diesem Moment eine spannende und faszinierende Reise bis in die Tiefsee. In den nächsten zwei Jahren schwimmt er mit Haien und Walen, geht auf Tauchfahrt in einem winzigen U-Boot, besucht Wissenschaftler in der Aquarius und Nautilus und lernt selbst das Freitauchen.

Bewertung

James Nestor hat sein Buch sehr interessant gegliedert: Angefangen mit einer Einleitung auf Höhe „0“, also der Meeresoberfläche, geht es von „-20“, „-100“ usw. bis in die unglaublichen Tiefen von „-8750“ hinab. Am Ende geht es in einem rasanten Aufstieg mit jeweils kurzen Zusammenfassungen wieder zurück an die Oberfläche. Dabei hat er in jedem Kapitel sowohl seine persönlichen Erfahrungen der jeweiligen Tiefe, als auch passend dazu höchst interessante Zusatzthemen untergebracht. So geht er zum Beispiel auf die Weltmeisterschaftsregeln und die einzelnen Disziplinen (AIDA International) sehr konkret im Kapitel „-100“ ein. Wie bereits erwähnt, erlernt er auch selbst das Freitauchen; dazu hat er sich professionelle Hilfe im Performance Freediving International in Tampa, Florida gesucht.
James Nestor hat eine unverblümte Schreibweise, die auch durch die vielfachen ironischen Einschübe einfach Spaß macht. Beim Lesen habe ich oft eine Leichtigkeit verspürt, als wenn ich selbst im Wasser neben ihm schwimmen würde. Dadurch war ich hautnah dabei, wenn er seine Atemübungen gemacht hat (und diese gleich selbst auch probiert habe) und er versucht, den Druckausgleich zu meistern, welches er bei „-3000“ ausführlich schildert. Besonders faszinierend für mich waren neben den eigentlichen von ihm erlebten Ereignissen auch seine geschichtlichen und wissenschaftlichen Ausführungen. Hat man von den fluoreszierenden GloFish vielleicht schon einmal etwas gehört, war es mir neu, dass sich auch Menschen anhand des Erdmagnetfeldes orientieren können.
Als ich die Leseprobe zu „Deep Sea“ in die Finger bekam, war mir schnell klar, dieses Buch musste ich einfach lesen! Denn es hatte mich an die unglaubliche Taucherfahrung erinnert, die ich ebenfalls in Griechenland machen durfte. Schnell wird jedoch klar, dass das Freitauchen auch sehr gefährlich sein kann. Der Autor war zum Beispiel dabei, als am 06.06.2012 der Weltrekordversuch des Österreichers Herbert Nitsch in der Disziplin No Limit auf 244 m gründlich schiefging und dieser in Folge einer schweren Dekompressionskrankheit mehrere Schlaganfälle erlitt und sich mittels einer aufwendigen Reha ins Leben zurückkämpfen musste. Im Epilog des Buches beschreibt Nestor, wie er „fünf Tage vor dem Abgabetermin“ (S. 284) von einem Freund erfährt, dass bei einem Wettkampf auf den Bahamas der erst 32-jährige Nicholas Mevoli auf der Jagd nach einem neuen Rekord tödlich verunglückt ist.
In seiner offenen Art macht Nestor dem Leser schnell klar, dass Freitauchen wunderschön und im Sinne des Natur- und Tierschutzes auch sehr nützlich ist. Doch wenn man es benützt, um nur Rekorde zu brechen und ohne Sinn und Verstand immer tiefer zu tauchen, braucht man sich nicht wundern, wenn man das Tageslicht im schlimmsten Falle nicht mehr wiedersieht.
Hinsichtlich des Tierschutzes gibt Nestor beeindruckende Beispiele. Jährlich werden Tausende Haie getötet; aus menschlicher Angst heraus, um „Hai-Produkte“ verkaufen zu können oder einfach durch die Sportfischerei. Auf der französischen Insel Réunion im Indischen Ozean gab es seit 2010 durch Bullenhaie vermehrt Angriffe, die tödlich endeten und viele mit schlimmen Verletzungen. Nestor schloss sich einer Gruppe freischwimmender Forscher an, die auf der Insel ein Hai-Massaker verhindern wollten und es geschafft haben aufzuzeigen, dass die Haie aufgrund einer Müllhalde im Hafen der Stadt Saint-Gilles angelockt werden und aufgrund der dortigen Nahrungssuche von den Schwimmern gestört worden sind. Nestor klagt dabei aber nicht direkt an, sondern lässt die Fakten für sich sprechen.


Fazit

„Deep Sea“ ist für jeden empfehlenswert, der sich ansatzweise fürs Tauchen und die Geschichte der Erforschung der Tiefsee und seiner Bewohner interessiert. Zusammen mit James Nestor taucht man regelrecht hinab und gelangt am Ende wieder unbeschadet zur Oberfläche…
Allen, die das Freitauchen auch einmal probieren möchten, sei zum Schluss aber noch die goldenen Regeln dieses Sports ans Herz gelegt: Taucht niemals alleine. Und seid mit euch und eurer Umgebung im Reinen.

5 von 5 Punkten


Wir danken Malik (Piper) für das bereitgestellte Rezensionsexemplar. 

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