Sonntag, 23. November 2014

Rezension: Aquarius (Thomas Finn)

Piper
Klappenbroschur, 416 Seiten
ISBN: 978-3-492-70337-6
16,99 €

Ein kurzer Einblick

Jens Ahrens, seines Zeichens Berufstaucher, fühlt sich seit seiner Kindheit zum Meer hingezogen. Doch als er bei einem Bergungseinsatz in der Nordsee auf eine Seemine trifft, wird er durch die Explosion in einen Strudel von Mordfällen, geheimnisvollen Mächten und wissenschaftlichen Größenwahn gezogen. An der nordfriesischen Küste muss er schließlich bald mit der Polizistin Meike Ehlers um sein Überleben kämpfen…

Bewertung

Sie sind so schön wie das Meer selbst und manchmal auch genauso tödlich. Wer kennt sie nicht, die Geschichten und Märchen um Sirenen und Meerjungfrauen. Die Mythen um diese geheimnisvollen Wesen hat sich Thomas Finn zu Eigen gemacht und bereits beim ersten Satz – „Hauptbrandmeister Dreyer folgte dem Ruf der Sirenen.“ (S. 9) – musste ich schmunzeln ob des Versprechens auf einen Thriller mit diesen. Thomas Finn ist dabei aber nicht bodenlos im Phantastischen versunken, sondern hat seine Geschichte dank der Ausführungen in die Ortsgeschichte – wie die Rungholt-Legende – und seinem kleinen versteckten Hinweis auf George R.R. Martin geschickt im Hier und Jetzt verankert. Dass er seine Figuren dabei nicht nur an fiktive Orte wie das Fischerdorf Egirholm führt, sondern auch reale Ortschaften wie Schleswig oder Fahretoft ansteuert, finde ich sehr gut, denn so kann man ohne Probleme den Fahrweg der Geschichte nachvollziehen.
Ich kann mir vorstellen, dass diese historischen Exkursionen nicht jedermanns Sache sind und einige Leser es vielleicht langweilig finden, aber ich fand sie großartig und genau richtig dosiert.
Dieser Thriller macht aber auch einiges her, weil die Charaktere, allen voran der Protagonist Jens Ahrens, aber auch Meike Ehlers nicht nur sehr sympathisch, sondern auch in meinen Augen authentisch rüberkommen. Sie nehmen buchstäblich kein Blatt vorn Mund und werden hervorragend durch die interessanten Nebenfiguren ergänzt, wie die Bürgermeisterin von Egirholm Xanthe Petersen oder Dr. Bornleit. Thomas Finns Schreibstil tut dabei sein Übriges; ich empfand seine Erzählweise obwohl direkt und regelrecht schonungslos als sehr angenehm und konnte geradezu über die Seiten fliegen. Es hat einfach alles gepasst.
Dazu kommt, dass die Handlung an sich überaus spannend ist. Da alle Begebenheiten miteinander zusammenhängen und erst am Schluss das große Rätsel gelöst wird, muss die Story gut durchdacht worden sein. Auf mich wirkt sie aber an keiner Stellewie gewollt“, sondern die Wendungen hatten für mich eine Leichtigkeit, die ich sehr erfrischend fand.
Der Prolog ist zum Schluss nochmal ein kleines Sahnehäubchen, in dem der Leser nach Japan entführt wird und u.a. mit den Ama, den japanischen Apnoetaucherrinnen, bekannt gemacht wird.

Fazit

„Aquarius“ ist mein erstes Buch von Thomas Finn und ich muss sagen, es hat mir außerordentlich gut gefallen. Dieses Märchen für Erwachsene glänzt mit einer lebendigen und düsteren Atmosphäre und verflechtet gekonnt mystische Wesen und real-authentische Personen mit einer actionreichen Handlung.

5 von 5 Punkten


Wir danken Piper für das bereitgestellte Rezensionsexemplar. 

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