Mittwoch, 12. November 2014

Filmkritik: Stolz und Vorurteil (2005)


Jane Austens bekanntestes Werk wurde schon einige Male verfilmt, so auch 2005 als zweistündiger Kinofilm mit Keira Knightley als Elizabeth Bennet und Matthew Macfadyen als Mr. Darcy in den Hauptrollen, worauf sich diese Filmkritik bezieht. Der Film behandelt die Geschichte der Liebe zwischen Elizabeth Bennet, die mit vier weiteren Schwestern in gehobenen Verhältnissen aufwächst, und Mr. Darcy, der überaus wohlhabend ist und zusammen mit seinem Freund Mr. Bingley für kurze Zeit in die Nähe der Familie zieht. Obwohl zumindest Mr. Darcy sehr schnell Gefühle für Elizabeth entwickelt, stehen sein Stolz und ihre Vorurteile seiner Person gegenüber ihrer Liebe lange Zeit im Wege. Mit der Zeit lernt Elizabeth ihn jedoch von einer ganz anderen Seite kennen, bis ihre Familie plötzlich von einem Skandal heimgesucht wird, der ihr gutes Ansehen komplett erschüttern könnte…

Die Verfilmung hält sich in den wesentlichen Punkten nah an die Buchvorlage von Jane Austen, doch aufgrund der begrenzten Zeit von zwei Stunden, in die die rund 400 Seiten des Buches gepresst werden mussten, wurden viele Zusammenhänge sehr verkürzt geschildert und sich auf die Darstellung der wesentlichen Bestandteile der Handlung konzentriert. Dass im Buch zum Teil Wochen oder sogar Monate zwischen verschiedenen Ereignissen vergehen, wird im Film etwa nicht deutlich. Außerdem wurde auf einige Randfiguren verzichtet, wie etwa die zweite Schwester von Mr. Bingley oder Charlottes Familie beim Besuch in Rosings, die jedoch für die eigentliche Handlung auch nicht von großer Bedeutung sind. Ansonsten wurden hauptsächlich wichtige Gespräche des Buches an anderen Orten als im Roman geführt. Das Gespräch zwischen Elizabeth und ihrer Freundin Charlotte, nachdem diese den Heiratsantrag von Mr. Collins, einem Cousin Elizabeths, angenommen hat, wird nach draußen verlegt. Elizabeth sitzt dabei auf einer Schaukel, die ebenso dazu genutzt wird, zu verdeutlichen, wie die Zeit vergeht, was ich als passendes filmisches Element empfunden habe. Außerdem findet der erste Heiratsantrag von Mr. Darcy im strömenden Regen statt, was ihn wesentlich dramatischer als im Buch erscheinen lässt. Auch das Ende wurde ein wenig geändert und an zum Teil andere Örtlichkeiten verschoben. Insgesamt kann man aber wenig gegen die Änderungen im Vergleich zur Buchvorlage sagen, da diese wichtige Aspekte des Buches nicht entscheidend änderten und sich generell in Grenzen hielten, außer die erwähnten obligatorischen Kürzungen. Es wurden auch sehr viele Dialoge zum Teil eins zu eins zum Buch übernommen, was noch einmal die große Bedeutung, die der Film seiner Buchvorlage zumisst, verdeutlichen.
Der Film kann also weitestgehend die Atmosphäre des Buches einfangen, wenn auch die Ironie, die im Buch steckt, deutlicher herausgestellt wurde als sein gesellschaftskritischer Aspekt, der ein wenig in den Hintergrund tritt. Ihm gelingt es des Weiteren, den Zuschauer mehr als das Buch zu berühren, das wie üblich für seine Abfassungszeit nicht auf körperliche Annäherungen zwischen Verliebten eingeht, so dass der Film wesentlich gefühlvoller ist als der Roman, was ich als passende und angenehme Veränderung empfunden habe. Ansonsten kann ich auch wenig an dieser Verfilmung aussetzen, die Schauspieler überzeugen insgesamt alle in ihren jeweiligen Rollen, wenn ich mir auch nie Keira Knightley als eine passende Elizabeth vorstellen konnte. Überzeugend spielt sie ihre Rolle aber dennoch. Auch die Kulissen und real existierenden Gebäuden, die als Landsitze genutzt wurden, waren gut gewählt, auch wenn mir persönlich aber das Haus der Bennets und vor allem sein Hof doch als weniger wohlhabend erschien, als sie laut des Buches sein sollen.

Fazit

Man kann generell wenig an dieser Verfilmung aussetzen, die wesentlichen Elemente des Buches wurden dargestellt, die Schauspieler machen ihre Sache sehr ordentlich und auch die gewählten Örtlichkeiten, in denen der Film spielt, passen sehr gut zur damaligen Zeit. Man merkt mir aber auch eine fehlende Begeisterung für diese Verfilmung an, denn obwohl man sehr wenig kritisieren kann, reißt sie den Zuschauer auch nicht vom Hocker. Sie ist eine grundsolide Darstellung von Austens berühmtesten Werk, die berührt und unterhält, mehr aber auch nicht. Wer gern auch eine längere Verfilmung zu „Stolz und Vorurteil“ sehen möchte, dem würde ich viel eher die sechsteilige Miniserie der BBC aus dem Jahr 1995 mit Colin Firth und Jennifer Ehle in den Hauptrollen empfehlen, die mich wirklich begeistert und auch viel passendere Schauspieler für die Rollen von Elizabeth und Mr. Darcy gefunden hat. Hätte ich diese noch vorliegen, hätte ich sie auch für euch besprochen, aber so muss dieser kleine Hinweis ausreichen. Doch auch die hier besprochene Verfilmung kann man sich ohne Bedenken ansehen.

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