Dienstag, 25. November 2014

Filmkritik: Sinn und Sinnlichkeit (2008)


Jane Austens erster veröffentlichter Roman „Verstand und Gefühl“, der meist als Film „Sinn und Sinnlichkeit“ in Anlehnung an den englischen Titel „Sense and Sensibility“ heißt, wurde wie auch ihre anderen Werke bereits mehrmals verfilmt. 2008 entstand eine dreiteilige BBC-Miniserie mit Hattie Morahan als Elinor und Charity Wakefield als Marianne in den Hauptrollen, auf die sich diese Besprechung bezieht. Die Verfilmung erzählt die Geschichte der ungleichen Schwestern Elinor und Marianne, die nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Margaret ihr altes Landgut verlassen und in ein kleines Cottage ziehen müssen. Elinor fällt dies besonders schwer, hat sie sich doch gerade in Edward, den Bruder ihrer Schwägerin, verliebt. Marianne wiederum gewöhnt sich umso schneller an ihre neue Umgebung, als der sympathische Willoughby in ihr Leben tritt. Doch beiden Schwestern stehen noch viele Hindernisse im Weg, bis sie beide endlich ihr Glück finden können…

Wie auch bei allen anderen BBC-Verfilmungen, die ich kenne, üblich, hält sich auch diese sehr nah an ihre Buchvorlage, was bei einer Länge von drei Stunden schließlich auch leichter zu bewerkstelligen ist als bei einem anderthalbstündigen Spielfilm. Einige Änderungen wurden aber doch vorgenommen, so werden etwa ein paar Szenen, die im Buch nur erwähnt werden und der Leser nicht miterlebt, gezeigt. So setzt die Serie direkt damit ein, dass eine Frau von einem Mann verführt wird, wobei man nicht sehen kann, um wen es sich handelt. Wer das Buch kennt, kann sich aber einen Reim darauf machen. Außerdem erlebt man mit, wie Willoughby Marianne sein Zuhause zeigt, wo es zu einem Kuss zwischen beiden kommt, der im Buch nicht vorkommt. Ebenso kann man sehen, wie Edwards Familie davon erfährt, dass er bereits heimlich verlobt ist, was im Buch auch nur erwähnt wird. Diese Änderungen haben aber wiederum ihre Basis im Buch, so dass sie keineswegs stören. Es wurden aber auch etwas größere Änderungen an ein paar Personen und ihrem Auftreten oder den Örtlichkeiten vorgenommen. Das Cottage der Familie liegt plötzlich am Meer, was immerhin auch schönere Landschaftsaufnahmen zuließ. Edward und Margaret wirken etwas aufgeweckter als im Buch, wobei vor allem Margaret eine viel wichtigere Rolle als im Roman einnimmt und wesentlich mehr auftaucht, was ich als stimmige Änderung empfand, da es den Zusammenhalt der Familie stärker betont und die Geschichte nicht nur auf das Verhältnis zwischen den beiden älteren Schwestern reduziert. Die größte Änderung betrifft allerdings Willoughby, der im Film am Ende deutlich negativer als im Roman wirkt. Er hat seine Affäre sogar geschwängert, wird beinahe in einem Duell von deren Ziehvater Colonel Brandon getötet und die Schwestern akzeptieren seine Entschuldigung nicht. Hier wird die gesamte Geschichte um seine Person mehr unserer Zeit angepasst, im Buch wird vieles nur sehr schwammig erwähnt und generell so etwas wie Affären nicht genannt. Übertrieben fand ich die Änderung aber nicht, sie passt durchaus zur Serie und bleibt im realistischen Bereich.
Gegen die Änderungen gegenüber der Buchvorlage habe ich kaum etwas auszusetzen und auch sonst kann ich diese Verfilmung von Jane Austens Klassiker nur loben. Die gewählten Örtlichkeiten passen sehr gut zu den im Roman erwähnten Gebäuden und Parks und wie erwähnt ließ die Änderung, das Cottage ans Meer zu verlegen, noch beeindruckendere Landschaftsaufnahmen zu. Ebenso überzeugen die Schauspieler auf ganzer Linie, sei es nun Hattie Morahan als die disziplinierte Elinor, Charity Wakefield als die gefühlvolle Marianne, Dan Stevens als Edward, David Morrissey als Colonel Brandon oder Dominic Cooper als Willoughby. Alle spielen ihre Rolle sehr überzeugend und auch die Nebendarsteller bringen ihre Figuren wirklich zum Leben. Zusätzlich werden die wesentlichen Aspekte des Romans sehr gut im Film herausgearbeitet - insbesondere die Beziehung zwischen den sehr verschiedenen Schwestern -, der zudem wesentlich gefühlvoller als das Buch ist, wenn auch etwa im Buch besser deutlich wird, wie sehr Marianne leidet.

Fazit

Für mich bisher die beste Verfilmung von Jane Austens Werk „Verstand und Gefühl“, mit der auch der bekannte Film mit Emma Thompson und Kate Winslet in den Hauptrollen aus dem Jahr 1995 nicht mithalten kann. Der Zuschauer wird für drei Stunden in die Welt von Elinor und Marianne entführt, was auch dem Buch kaum besser gelingt. Ich kann einfach nichts kritisieren und euch nur empfehlen: seht euch diese Miniserie an! Viel besser kann man ein Buch von Jane Austen nicht filmisch darstellen!

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