Freitag, 10. Oktober 2014

Rezension: Irisches Tagebuch (Heinrich Böll)

dtv
Taschenbuch, 144 Seiten
ISBN: 978-3-423-00001-7
5,90 €


Ein kurzer Einblick

Heinrich Böll dokumentiert in diesen Tagebuch ähnlichen Aufzeichnungen eine Reise nach Irland. Zugleich dankt er damit der Landschaft und den Menschen, die auf dieser Insel, der Böll sich wahlverwandtschaftlich verbunden fühlte, zu Hause sind. Er beschreibt Irland und seine Verhältnisse so liebenswert, dass man diese Aufzeichnungen als Hommage an ein Land, das Böll selbst vielfach bereiste, verstehen kann.

Bewertung

Obwohl Heinrich Bölls Aufzeichnungen über Irland bereits in den 1960er Jahren erschienen sind, haben sie doch nur begrenzt an Aktualität verloren. Natürlich reist heutzutage niemand mehr mit der Fähre auf die „grüne Insel“ und muss verzweifelt nach geöffneten Bankschaltern suchen, doch die böllschen Beschreibungen der Mentalität der Iren und der irischen Verhältnisse haben heutzutage immer noch Bestand. Liest man Bölls „Irisches Tagebuch“ im Vorfeld eines Irland-Aufenthalts kann man auch heute noch das Land und seine Leute besser verstehen lernen, ohne mit unnötig vielen Zahlen über die Historie und die wirtschaftliche Situation konfrontiert zu werden. Es werden 18 Episoden erzählt, die sich mit einem Teil Irlands, etwa dem Regen, der Armut oder dem Trinken auseinandersetzen.
Heinrich Böll beschreibt nicht nur die wirtschaftliche Situation Irlands zwischen den Zeilen, indem er mehrfach auf die vielen Auswanderer und über die Welt zerstreute Familien zu sprechen kommt sowie immer wieder das Symbol der Stecknadel bedient. Er demonstriert auch die Bedeutung der Kirche, in dem er die fast absurde Geschichte der Familienväter erzählt, die um die Sperrstunde zu entgehen, die nur für Einheimische zählt, ins nächste Dorf laufen, um dort ihr Guinness genießen zu können. So wird dem Leser nicht nur eindringlich die Bedeutung der Religion für die Iren verdeutlicht, sondern zugleich lässt sich nachempfinden, warum bis in die jetzige Zeit eine für Deutsche wohl sehr frühe Sperrstunde existiert. Nicht zuletzt, dass sogar bei Kinovorstellungen wie selbstverständlich auf die Priester gewartet wird, demonstriert die bis heute hohe Religiosität der Iren.
Zugleich gelingt es Heinrich Böll eindrücklich, das Temperament der Iren einzufangen. Er beschreibt ein ruhiges, entspanntes und zugleich hilfsbereites Volk. Dabei demonstriert er, dass die Iren sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen und die Dinge nehmen, wie sie sind, sogar bei der Verkehrskontrolle. In Irland ist man trotz aller Einfachheit optimistisch, denn es kann immer noch schlimmer kommen. In diesen und anderen Fällen, wie dem Kredit durch die Eisenbahngesellschaft, zeigt Heinrich Böll immer wieder Vergleiche zu Deutschland auf, die die „grüne Insel“ überaus liebeswert erscheinen lassen.

Fazit

Heinrich Böll ist es in „Irisches Tagebuch“ gelungen, die Mentalität der Iren und die Verhältnisse in Irland eindringlich einzufangen. Seine Aufzeichnungen wirken wie eine Liebeserklärung an die grüne Insel und bieten für den Leser eine gute Möglichkeit, sich in Irland ein zu denken.

4 von 5 Punkten

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