Montag, 20. Oktober 2014

Rezension: Atemnot (Ilsa J. Bick)

Ink
Gebunden, 352 Seiten
ISBN: 978-3-86396-064-3
14,99 € 

Ein kurzer Einblick

Eine richtig glückliche Kindheit hatte Jenna Lord bisher nicht. Ihr Vater ist ein Kontroll-Freak und ihre Mutter ertränkt ihren Kummer in Alkohol. Ihr einziger Halt, ihr Bruder Matt, ist zur Armee gegangen und im Irak. Vor ein paar Jahren wäre Jenna fast bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Es ist Zeit, neu anzufangen... Jennas Eltern ziehen um und an der neuen Schule lernt sie den charismatischen Lehrer Mr. Anderson kennen. Wendet sich ihr Leben zum Guten oder schlittert die nächste Katastrophe auf Jenna zu?


Bewertung

Die Geschichte fängt eigentlich ganz harmlos an. Eine zerrüttete Familie, die mit ziemlich vielen Problemen zu kämpfen hat: der Sohn im Irak, die Tochter nach einem Brand mit Narben auf der Haut und auf der Seele. Es scheint für den Leser um einen Neuanfang zu gehen, bis man sich immer mehr und mehr in die Geschichte hineinliest und merkt, dass es hier um ganz andere Fragen geht.
Die Geschichte fängt mit dem Ende an. Jenna bekommt ein Diktiergerät in die Hand gedrückt und soll ihre Geschichte erzählen. Das tut sie dann auch und so wird der Leser nach und nach in ihr Leben eingeführt. Als Charakter ist Jenna sehr angenehm. Durch diese Art der Erzählform bekommt man einen guten Einblick in ihr Leben und ihre Gefühle. Zusammen mit ihr lernt der Leser den charismatischen Mitch Anderson kennen, der eigentlich Jennas Chemielehrer ist, aber auch immer zur Stelle, wenn Jenna jemanden braucht.
Der Gesamtfokus liegt auf Jennas Familie. Schnell wird dem Leser klar, dass es in dieser Familie so viele Probleme gibt, die auch noch für eine andere Geschichte gereicht hätten. Ihr Chemielehrer wirkt wie der rettende Held. Doch wenn man den Klappentext des Romans gelesen hat, wird einem schnell klar, dass man keinem Charakter zu schnell vertrauen sollte. Somit spielt der Roman gekonnt mit den Gefühlen des Lesers, heizt Spekulationen an, verwirrt  und am Ende ist eh alles anders, als man sich es ausgemalt hat.
Die Szenen sind gut beschrieben, sie sind melodisch, melancholisch und für den Leser spürbar. Der Roman zieht einen vollkommen in seinem Bann und lässt einen erst wieder los, wenn man die letzte Seite zu Ende gelesen hat.
Die ganze Geschichte ist nicht wirklich vorhersehbar. Am Ende bleibt der Leser zwar mit offenen Fragen zurück, aber bei dieser Geschichte wirkt das Ende trotzdem ziemlich schlüssig. Der Leser kann sich selbst die Geschichte weiterspinnen oder es einfach so hinnehmen, wie der Roman endet. Ich persönlich nehme das Ende jedenfalls einfach so hin.

Fazit

Ilsa J. Bick hat einen Roman geschrieben, der den Leser auch nach der letzten Seite nicht los lässt und über den man auch noch etwas länger nachdenkt. Die Protagonisten haben alle ihre Probleme. Manchmal ist es etwas viel für die Geschichte, aber dadurch bleibt der Roman auch spannend und wirkt wie ein Sog auf den Leser.
Wer keine Romane mit offenem Ende mag, der sollte allerdings die Finger von diesem hier lassen.

4 von 5 Punkten

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