Dienstag, 28. Oktober 2014

Rezension: Alles bleibt anders (Siegfried Langer)

Siegfried Langer
eBook, 0,99 €*
ISBN: 9786050323610


Ein kurzer Einblick

Frank Miller: Gedächtnis verloren, für tot erklärt - und doch am Leben. Sein Leben verwandelt sich in ein Rätsel. Seine Verlobte Claire will ihn nicht wiedererkennen. Die Erinnerungsbrocken passen nicht in diese Welt. Eine Realität offenbart sich ihm, die ihn Schauern lässt, ein Drittes Reich des Schreckens. Nazi-Deutschland regiert über Europa! Mit zurückkehrenden Erinnerungen nimmt Frank den Kampf gegen das verhasste Regime auf.

Bewertung

Ein mäßiger Auftakt
Frank Miller steht am Görlitzer Bahnhof auf den Gleisen und kann sich an nichts erinnern. Geschrieben wird das Jahr 2008. Pferdegezogene Droschken fahren durch die Straßen. Das Reich wird vom Kaiser regiert, die Fahnen der preußischen Regierung flattern im Wind. Disziplin und Ordnung zeichnet das Beamtentun aus. Millers plötzliches auftauchen, bringt das Beamtentum durcheinander. Vor drei Jahren war er für tot erklärt worden. Unfall: Erfasst von einem Zug am Görlitzer Bahnhof.
Hieß es im Klappentext nicht, dass das Dritte Reich das Jahr 1945 überlebt hat, und dass das Hakenkreuz Flaggen ganz Europas ziert? Wie passt da die Monarchie hinein? Ich bin verwirrt. Frank Miller ist verwirrt. Hätte der Kerl doch bloß seine Erinnerung behalten! Aber halt, mühsam erinnert er sich seines alten Wohnortes ... und auch an ein Hakenkreuz vermag er sich zu besinnen. Das ist ein willkommener Ansatz. Franks Suche nach seiner Identität führt ihn quer durch die Reichshauptstadt. Seine Mutter ist froh ihren Sohn zurückzuhaben. Seine ehemals Verlobte Claire glaubt nicht so recht, dass er es tatsächlich ist. Ihr jetziger Ehemann führt etwas im Schilde? Etwas, das mit Franks Identität zu hat?

Eine packende Story
Die ersten Seiten konnten mich nicht so wirklich packen. Schwierig war es mich in die Geschichte einzufinden. Vermutlich lag es am irreführenden Klappentext. Ich hatte jedenfalls anderes erwartet. Später sollte ich noch eines Besseren belehrt werden, denn so ganz Unrecht hat die Inhaltszusammenfassung dann nicht. Die Geschichte wird zunehmen spannender, es macht irren Spaß zu versuchen die Rätselteile zusammenzusetzen. Wer ist der Typ, der versucht Frank zu überfallen? Was hat es mit dem Amulett auf sich? Siegfried Langer gelingt es bravourös die Entwicklung weiterzuspinnen - trotz eines vergleichsweise trockenen Schreibstils, der die Handlung eher beschreibt, als erzählt. So wirkt die Handlung auch eher konstruiert, als natürlich. Die Folge ist, dass ich den Roman distanziert las, losgelöst von Figuren und Tiefgang. Der Spannung tut das keinen Abbruch. Ich freute mich sogar auf jedes neue Detail, das Aufschlüsse zu des Rätsels Lösung geben kann.

Ein tolles Zusammenspiel der Romanteile
Im zweiten Teil des Romans wird endlich, endlich deutlich, warum eben jener Klappentext gewählt worden ist. Diesmal schreiben wir das Jahr 2004. Die Nazis haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Im Geheimen werden skrupellose Experimente durchgeführt, um die Rassentheorie zu beweisen. Deutschland, Deutschland über alles, heißt es. Germania, die deutsche Hauptstadt, ist nach den Entwürfen Hitlers und Speers entworfen. Monumentale Bauwerke übertrumpfen die der verhassten Amerikaner. Pompös und als Herren der Welt treten die Nazis auf. Beängstigend und furchteinflößend baut der Autor ein Hitler-Deutschland auf. Doch zurück zu Frank Miller: Dieser kehrt aus dem Krieg zurück und lernt an der Universität einen Professor kennen, der den Nationalsozialismus ungeschehen machen will.
Moment mal: der Frank Miller aus dem Jahr 2008 der preußischen Zucht und Ordnung? Seine Träume würde das erklären, aber das Jahr? Wie sollte man in der Zukunft etwas rückgängig machen, was niemals geschah? Die Rätsel werden einfach nicht kleiner. Und mit diesen Worten möchte ich dich, lieber Leser, entlassen. Wer neugierig geworden ist, die Auflösung steht im Roman.

Fazit
»Alles bleibt anders« ist ein Zeitreise-Parallelwelt-Science-Fiction Roman, der den Alptraum eines nationalsozialistischen Deutschlands heraufbeschwört, das den Zweiten Weltkrieg gewann. Der Schreibstil zieht nicht tief in die Geschichte hinein, die Story hingegen vermag problemlos zu fesseln. Gebt »Alles bleibt anders« eine Chance.

3 von 5 Punkten


* Der eBook Preis bezieht sich auf den Preis, als die Rezension online gestellt wurde.

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