Sonntag, 21. September 2014

Rezension: Zombies (Olivier Peru)

Splitter
Hardcover, 48 Seiten
ISBN: 978-3-86869-463-5
13,80 €

Ein kurzer Einblick

Die Pandemie breitet sich aus. Die Seuche verschlingt den Erdball in wenigen Umdrehungen. Die Welt vergeht in einem Kollaps. Hysterie und Panik brechen aus. Die Industrieländer unterschätzen das Risiko. LaPointe - Horrorschauspieler in B-Movies - muss sich der Realität stellen: Attrappen, Kunstblut und Special Effects haben den lebenden Toten nichts entgegenzusetzen. Sams Smith & Wesson steht zwischen Leben und Tod. Seine Tochter, der Hoffnungsschimmer sie zu finden, hält ihn vom Abdrücken ab. Unaufhörlich marschieren die Horden der Untoten über die Kontinente hinweg. Blut, Verwesung, Hoffnungslosigkeit. Die Armee steht den Zombies fassungslos gegenüber. Der Virus ist nicht einzudämmen. Der Überlebenskampf beginnt.

Bewertung
»Weißt du, wie viel zwischen uns und dem Ende der Welt liegt, Baby?«
»Nein, Rick ...«
»Neun Millimeter ... Neun verfluchte Millimeter, um eine Grenze zwischen Leben und Tod zu ziehen ...«
Tristesse, Hoffnungslosigkeit, Überlebenswillen. Allein ist das Leben ein Überlebenskampf. In der Gruppe ist das Leben ein Kampf um das Überleben der anderen. Und doch: Einsam ist es, allein und in der Gruppe. Das Leben hat sich gewandelt, die Welt hat sich verändert. Tochter und Sohn sind einem die Nächsten, Freunde helfende Unterstützung. Ein Biss vom Zombie, eine Unaufmerksamkeit, marodierende Banden ... der Tod lauert im Schatten. Zusammenhalt und Raffinesse sichern nicht das Überleben, erhöhen aber die Überlebenschance. Vielleicht nur um Tage, Wochen oder Jahre? Zeit spielt keine Rolle, wenn der kommende Tag der letzte sein könnte. Die Suche nach Geborgenheit, nach Verwandten oder einem Unterschlupf für die Nacht in einer menschenleeren Welt, ist wie das Stochern nach einer Nadel im Heuhaufen.

Die Zeichner (Band 0: Lucio Alberto Leoni, Band 1-3: Sophian Cholet) setzen eine zurückhaltende Farbgebung hauptsächlich erdiger, verwaschener Braun-, Grün- und Grautöne ein. Farbtupfer hoffnungsvoller Passagen stechen umso intensiver heraus, nur um zurück in die schmutzige Welt düsterer Aussichten, kalten Wetters und mattem Sonnenschein zurückzufallen. Die Atmosphäre lebt, die Szenerien tragen Botschaften und sagen mehr aus, als die Geschichte zu erzählen hat. Der Stil mag reduziert sein (opulente Szenen gibt es nicht), sind aber der Atmosphäre angepasst. 50-60 Seiten beinhalten trotz des großformatigen Hardcovers wenig Platz, um ausufernde Storys unterzubringen. Auf seitenfüllende Grafiken wird daher verzichtet, stattdessen dominiert eine Vielzahl an Panels. In Kamerafahrten strukturiert, wähnt man sich fast in einem Film. Perspektivwechsel bauen neben der Farbgebung eine beängstigende Stimmung auf.

Die Story ist simpel und bekannt. Die Story ist indes auch lesenswert und spannend. Auf wenigen Seiten erreicht Peru einen beachtlichen Tiefgang, gespickt mit ein paar charakterlichen Abschweifungen. Wie die Geschichte, so die Figuren: Authentisch und glaubwürdig laden sie zum Überlebenskampf ein, überraschen unterdessen sogar, aber nicht mit Eigenheiten. Die Szenen sind kurz und knackig auf den Punkt gebracht. Und doch: Einfach mag die Story sein, aber unversehene Wendungen und Unvorhersehbarkeiten sind selten, nichtsdestotrotz eingestreut.

Fazit

»Zombies« begeistert weniger wegen einer überragenden Handlung, sondern mehr aufgrund der atemberaubenden Szenerien. Wären die Lücken zwischen den Bildern gefüllt, wäre ein atmosphärisch, blutiger Zombiestreifen mit solider Story entstanden. Die Panels tragen die Geschichte, die Geschichte füllt die Szenerien. Lesenswert!

4 von 5 Punkten


Die weiteren Bände der Reihe (Splitter)

Die göttliche Komödie
Von der Kürze des Lebens
Handbuch der Verwesung

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