Freitag, 5. September 2014

Rezension: Die geheimen Memoiren der Jane Austen (Syrie James)

Aufbau Verlag
Taschenbuch, 412 Seiten
ISBN: 978-3-7466-2729-8
9,99 €

Ein kurzer Einblick

In der literaturwissenschaftlichen Forschung wurde immer wieder darüber diskutiert, ob und wie Jane Austen, die unverheiratet blieb, je ihre Erfahrungen in Sachen Liebe gemacht hat, über die sie in all ihren bekannten Werken ausführlich schrieb. Syrie James nimmt eine geäußerte Vermutung von Janes Schwester Cassandra zum Anlass, eine Liebesgeschichte für Jane Austen zu entwickeln, die sie in die Zeit zwischen 1809 bis 1811 verlegt, zu der wir über keinerlei Quellen zu Janes Leben während dieses Zeitraums verfügen. Im Roman trifft Jane im Seebad Lyme einen Mr. Ashford, in den sie sich sofort verliebt, doch er hat ein Geheimnis, das einem gemeinsamen Leben der beiden im Wege steht…

Bewertung

Nachdem ich das sehr gute Buch von Syrie James über Charlotte Brontë vor einiger Zeit gelesen hatte, reizte mich ebenso ihr Roman über Jane Austens fiktive Liebesgeschichte. Diese wird in Form von selbst verfassten Memoiren von Jane Austen erzählt, die auf dem Dachboden eines der Häuser, das einmal einem von Janes Brüdern gehörte, in einer Kiste gefunden wurden und nun der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden sollen. Diese angeblichen Memoiren imitiert die Autorin sehr gelungen, es werden von ihr als angebliche Herausgeberin übliche Erläuterungen im Text angeboten und auch sonst alles dafür getan, dass man als Leser wirklich glaubt, eine von Jane Austen verfasste Schilderung ihrer einzigen Liebe zu lesen, wenn ich auch die Nachahmung des Schreibstils von Jane Austen nicht gänzlich überzeugen fand. Dies stellt sicherlich jeden Autoren vor eine sehr schwierige Aufgabe, doch wenn man diese bewusst annimmt, hätte man es auch besser machen können.
So brauchte ich auch eine Zeit lang, um mich ein wenig in das Buch hinein zu fühlen, finde es meist eher seltsam, wenn heutige Autoren alte, bekannte wie eben Jane Austen und ihren Schreibstil zu kopieren versuchen. Beim Roman über Charlotte Brontë, der auch so angelegt ist, dass Charlotte den Text angeblich selber schreibt, störte mich dies deutlich weniger, doch in diesem Roman hatte ich viel weniger das Gefühl, dass hier Jane Austen zu mir spricht. Was im Buch sehr gut gelungen ist, ist die Schilderung der Lebensumstände von Jane, die sehr realitätsnah dargestellt und in die die fiktiven Elemente des Romans sehr gut eingebettet werden. Man merkt, wie gut und mit welchem Aufwand James für ihr Buch recherchiert hat. So bekommt man wirklich das Gefühl, zurück im frühen 19. Jahrhundert zu sein, und versinkt schlichtweg in dieser Zeit, die sehr bildlich dargestellt wird. Weniger gut gefiel mir dann allerdings der fiktive Teil rund um Mr. Ashford, der mir zwar direkt sympathisch war und den ich mir durchaus als einen für Jane Austen ebenbürtigen Mann hätte vorstellen können, doch zum einen war die Liebesgeschichte oftmals zu sehr an Geschehnisse aus Janes Büchern angelehnt, was ich wenig originell fand, und zum anderen driftete die Liebesgeschichte ziemlich ins Kitschige ab, was dazu beitrug, dass ich mir noch schlechter Jane Austen als Verfasserin dieses Textes vorstellen konnte. Immerhin fesselte die Handlung aber nach einem etwas langweiligen Beginn enorm, auch das Ende der Liebesbeziehung war wirklich rührend geschrieben, aber man hat eben immer im Kopf, dies ist sowieso nicht wahr. Bei Charlotte Brontë wurden immerhin wahre Geschehnisse geschildert, die an einigen Stellen, wo die Quellen dazu fehlen, zwar etwas ausgeschmückt wurden, aber die Handlung an sich war nichts rein Fiktives, was man bei Jane Austens Liebesgeschichte eben nicht behaupten kann, was mir diesmal nicht besonders gut gefiel.
Neben dem eigentlichen Text bietet das Buch noch einige weiterführende Informationen: einige Anmerkungen der Autorin, was im Buch genau der Realität entspricht und was eben nur fiktiv ist, eine Zeittafel zu Jane Austens Leben, viele Zitate von ihr zu den verschiedensten Themenbereichen, ein paar Interviewfragen an Syrie James etwa, wie sie zur Thematik des Buches kam, wie sie dafür recherchierte und wie sie Mr. Ashford entwickelte, einige Diskussionspunkte für Lesekreise und ein Stammbaum der großen Familie Austen, so dass man bis auf weiterführende Literaturtipps sehr viele nützliche Anmerkungen zum Roman erhält.

Fazit

Wenn man das Buch als das nimmt, was es vermutlich sein sollte, eine rührende Schilderung einer Liebesbeziehung von Jane Austen, die ihr sicherlich all ihre Leser herzlich gewünscht hätten, dann lässt sich der Roman mit der Zeit sehr spannend und gefühlvoll lesen. Mir gelang es allerdings nicht, sei es auch nur für kurze Zeit, zu vergessen, dass all dies bloß fiktiv ist, was neben der eher kitschigen Liebesgeschichte dazu beitrug, dass ich nach der Lektüre eher enttäuscht war.

3 von 5 Punkten

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