Samstag, 27. September 2014

Filmkritik: Harry Potter VIII - Harry Potter und die Heiligtümer des Todes II


Der achte und damit letzte Film zur Harry Potter-Reihe behandelte wie schon Film 7 die Handlungen des siebten Buches, wofür wie bereits bei den drei Filmen zuvor David Yates die Regie übernahm. Nachdem der siebte Film mit dem Finden des Elderstabs, des mächtigsten Zauberstabs der Welt, durch Voldemort geendet hatte, setzt die Geschichte nun in Shell Cottage wieder ein, dem Haus von Bill und Fleur, wo Harry, Ron und Hermine Unterschlupf gefunden haben. Sie versuchen herauszufinden, ob Voldemort über die Heiligtümer des Todes Bescheid weiß oder ob er nur den Elderstab kennt. Außerdem vermutet Harry im Verlies der Lestranges in Gringotts einen weiteren Horkrux, so dass die drei gemeinsam mit dem Kobold Griphook, der bei Gringotts arbeitete, einen Plan ausarbeiten, um in Gringotts einzubrechen. Mit viel Glück gelingt ihr Versuch sogar, doch nun weiß auch Voldemort, dass sie über seine Horkruxe Bescheid wissen und will Harry, bewaffnet mit dem mächtigsten Zauberstab der Welt, endlich stellen, so dass es zum großen Showdown in Hogwarts kommt…

Wie auch beim ersten Film zum siebten Buch hatte Yates auch in diesem durch die Aufteilung auf zwei Filme viel bessere Möglichkeiten, die Handlung des Buches angemessen wiederzugeben. So bleibt die Verfilmung wieder recht nah an der Buchvorlage, wenn auch einige Kampfszenen im Film mit viel mehr Action dargestellt wurden als im Buch, wie es wohl einfach typisch für modernes Kino ist. Ein paar Änderungen zur Handlung wurden aber auch vorgenommen. In Bezug auf die Horkruxe wurden zwei gröbere Änderungen im Film gemacht: zum einen kann Harry sie spüren bzw. hören, was einerseits ein Ergebnis der sehr schwachen Horkruxdarstellung im sechsten Film ist, denn sie mussten für Harry ja irgendwie auffindbar sein, da er nicht weiß (im Gegensatz zum Buch), wie diese aussehen. Andererseits geben sie auch einen Hinweis auf spätere Ereignisse und Harrys Rolle als Horkrux, so dass ich diese Änderung nicht als völlig unsinnig bezeichnen möchte. Zum anderen wurde die Geschichte der Grauen Dame extrem verkürzt und ihre Informationen über einen weiteren Horkrux komplett verhunzt und völlig unlogisch wiedergegeben. Harry will sie überzeugen, dass er wissen muss, wo sich dieser Horkrux (ein Diadem) befindet, um ihn zu zerstören, woraufhin die Graue Dame erwidert, dass bereits schon einmal jemand geschworen habe, das Diadem zu zerstören (gemeint ist Voldemort), doch warum hätte er es zerstören wollen oder die Graue Dame daran ein Interesse haben? Da war das Diadem ja noch gar kein Horkrux, weshalb die gesamte Unterhaltung eher eine schwache Änderung zum Buch darstellt. Ansonsten wurde sich, wie auch in den anderen Filmen, in erster Linie auf Harrys Geschichte konzentriert, so erfahren wir durch Dumbledores Bruder kaum etwas über die Ereignisse der Kindheit der Brüder und ihrer Schwester und auch Snapes Erinnerungen wurden stark verkürzt und er taucht auf einmal am Abend des Mordes an Harrys Eltern im Haus der Potters auf und beweint die tote Lily, was seiner Geschichte zwar mehr Gefühl und Rührung gibt, aber doch etwas übertrieben wirkt und auch eher unklar lässt, wie er dann das weinende Baby einfach allein zurücklassen konnte. Weitere neue Szenen zeigen z. B. Ron und Hermine in der Kammer des Schreckens, was im Buch nur erwähnt wird, wohin auch ihr erster Kuss verlagert wird, was ich als gut dargestellt empfand, außerdem eine neue Szene in der Großen Halle, wo sich Harry und der Orden des Phönix vor Snape zu erkennen geben, die ich für völlig übertrieben hielt, aber diese pompösen, dramatischen Auftritte findet man leider ständig in aktuellen Filmen. Auch verabschiedet sich Harry anders als in der Buchvorlage von Ron und Hermine, als er sich Voldemort stellen will, was ich für eine gelungene Änderung halte, die mehr Gefühl in den Film bringt. Des Weiteren wurde der Endkampf zwischen Harry und Voldemort – wie zu erwarten war – ziemlich ausgeweitet und mit viel mehr Action als im Buch unterlegt. Sie kämpfen sich quasi einmal durch ganz Hogwarts, was ich ebenfalls für ziemlich übertrieben hielt. Am Ende sind sie im Innenhof ohne Zuschauer und anstatt beide wenigstens die in den Büchern so wichtigen Zaubersprüche „Expelliarmus“ und „Avada Kedavra“ sagen zu lassen, um zu zeigen, dass Voldemort von seinem zurückprallenden Spruch getötet wird, Harry somit kein Mörder ist, was eine enorm wichtige Rolle in den Büchern spielte, wird nur Wert auf Action und Effekte gelegt, so dass auch diese Änderung mich nicht überzeugen konnte.
Somit konnte ich mich zwar mit einigen Änderungen nicht anfreunden, mir gefiel auch wieder das Verhältnis zwischen Action und Erklärungen nicht, die einfach zu kurz kommen und den Film mal wieder versimpeln, ansonsten finde ich die Verfilmung aber gelungen, da mal abgesehen von den erwähnten Punkten alles Wesentliche des Buches im Film auftaucht. Einige Zauber wurden wieder filmisch sehr gut dargestellt wie etwa die Schutzzauber um Hogwarts, die die Lehrer hervorrufen, die sich wie eine Kuppel um das gesamte Schloss legen. Allerdings empfand ich die Verfilmung als deutlich weniger rührend als das Buch, so bleibt überhaupt keine Zeit, etwa die Toten zu bedauern, die Handlung ging viel zu schnell weiter. Auch die Kulissen muss ich einmal positiv erwähnen, sie tragen entscheidend dazu bei, dass man sich als Zuschauer wirklich nach Hogwarts transportiert fühlt, insbesondere die Änderungen im Schloss, die die Kontrolle der Todesser demonstrieren sollen wie z. B. die breiten, langen Treppen, die sich nicht mehr bewegen, fand ich filmisch sehr gut umgesetzt. Da auch die Schauspieler wieder überzeugen, ist diese Verfilmung insgesamt gelungen und zählt eindeutig zu den besseren Filmen der Harry Potter-Reihe.

Fazit

Ein würdiger Abschluss der acht Harry Potter-Filme, der uns ein letztes Mal in diese phantasievolle Zaubererwelt entführt. Er kommt wie alle anderen Filme nicht an die Buchvorlagen heran, dafür wurde in allen Filmen zu viel Wert auf Action oder Liebeleien gelegt und dafür zu viel bei die Handlung tiefergehend erklärenden Elementen gekürzt, was allen Verfilmungen deutlich an Tiefe im Vergleich zu den Büchern nahm. Was die Ausgestaltung der Phantasiewelt Joanne K. Rowlings angeht, kann man die Filme in keinem Punkt kritisieren, diese ist herausragend gelungen, auch die meisten Besetzungen für die vielen unterschiedlichen Figuren in den Büchern konnten sich sehen lassen, spielten schließlich auch fast alle Größen der britischen Kinowelt in den acht Filmen mit. Die Komplexität der Geschichte wird aber in keinem Film angemessen dargestellt, so dass ich jedem immer noch in erster Linie zur Lektüre der wirklich tollen Bücher raten würde. Damit macht man garantiert gar nichts falsch!

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