Mittwoch, 17. September 2014

Filmkritik: Harry Potter VII - Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I


Der siebte und letzte Band der Harry Potter-Reihe wurde im Gegensatz zu den vorherigen Filmen auf zwei Filme aufgeteilt, wobei der Zeitpunkt, als Voldemort den Elderstab, den mächtigsten Zauberstab der Welt, an sich nimmt und somit unbesiegbar erscheint, als Cut zwischen den beiden Filmen dient. Für beide übernahm wieder David Yates die Regie. In diesem Teil kehren wir zum ersten Mal nicht mit Harry nach Hogwarts zurück, das mittlerweile unter der Kontrolle von Voldemort steht, der ebenso das Zaubereiministerium übernommen und einen von ihm kontrollierten neuen Zaubereiminister eingesetzt hat. Harry ist somit nirgends mehr sicher und begibt sich zusammen mit Ron und Hermine auf die Suche nach den fehlenden Horkruxen, verschiedene Gegenstände, in die Voldemort Teile seiner Seele eingeschlossen hat, die ihn solange unsterblich machen, bis sie alle zerstört wurden. Die drei Freunde reisen dabei quer durch Großbritannien, während die lange erfolglose Suche zusehends an ihrer Freundschaft nagt. Dann stoßen sie noch auf die sogenannten Heiligtümer des Todes, können diese im Kampf gegen Voldemort helfen?

Aufgrund der Aufteilung der Handlung des Buches auf zwei Filme hatten die Filmemacher endlich wieder eine deutliche bessere Möglichkeit, die wesentlichen Aspekte des Buches angemessen wiederzugeben und nicht zu viel aus dem Buch zu kürzen. Somit sind sowohl dieser siebte Teil als auch der folgende achte wieder deutlich näher am Buch, wenn auch trotzdem noch einige Änderungen zur Buchvorlage vorgenommen wurden. Einige Szenen, die im Buch nur erwähnt wurden, wurden in den Film übernommen und einige Aspekte nicht so sehr nah am Buch wiedergegeben, sondern eher durch filmische Elemente versucht darzustellen. Zu Beginn etwa erlebt man mit, wie Hermine das Gedächtnis ihrer Eltern verändert und ihr Haus verlässt, was sie im Buch nur im Nachhinein Harry und Ron erzählt. Ebenso sieht man Harry den Auszug der Dursleys aus dem Ligusterweg beobachten und Ron nachdenklich vor seinem Haus stehen, was viel stärker als im Buch das Abschiednehmen der drei von ihrem früheren Leben verdeutlicht, wo man hingegen im Buch nur Harry bei den Dursleys erlebt. Was die drei und insbesondere Ron und Hermine aufopfern, um Harry mit den Horkruxen zu helfen, wird somit bereits zu Beginn des Films überdeutlich und auch im Vergleich zum Buch sehr gut umgesetzt. Einige Zauber und die bedrohliche Stimmung, unter der die Zaubererwelt durch Voldemort und seine Todesser leidet, werden zum Teil durch neue Szenen (etwa Harrys und Hermines Treffen auf die Greifer, die die Freunde und ihr Zelt aufgrund der Schutzzauber nicht sehen, aber Hermines Parfüm riechen können) und die stärkere Nutzung von Symbolen verdeutlicht, etwa das vermehrt schlechte Wetter, die trostlosen Orte, an denen die drei vor allem zum Beginn zelten, oder ein ausgebrannter Campingplatz. Außerdem gibt es eine komplett neue Szene nach Rons Weggang, als Harry versucht, Hermine mit einem Tanz aufzumuntern, was ich wie auch die zuvor erwähnten Szenen als eine stimmige Ergänzung empfand, da Harry in meinen Augen im Buch ein wenig zu passiv nach Rons Weggang war, was wiederum aber auch die Ohnmacht, die Harry und Hermine befällt, sobald Ron nicht mehr bei ihnen ist, darstellt. Leider wurden aber auch einige Szenen, die nicht so stark um die eigentliche Horkrux- und Heiligtümergeschichte kreisten, stark gekürzt, so dass einige Aspekte im Film unklar blieben. Die Geschichte um den ersten Horkrux, den die drei finden, die Rolle, die dabei Sirius´ Bruder Regulus und der Hauself Kreacher spielten, wurden enorm gekürzt, so dass diese Handlung im Film nicht klar wird. Außerdem wurde die Dumbledoregeschichte ebenso extrem gekürzt und somit auch Harrys Zweifel, ob er ihn wirklich kannte und ob er ihm vertrauen kann. Weiterhin blieb unklar, wie Snape von Harrys und Hermines Aufenthalt wissen konnte, als er ihnen das Schwert von Gryffindor zukommen lassen will. Diese Änderungen tragen wie auch schon in den vorherigen Filmen dazu bei, dass die Handlung versimpelt wird, einige Aspekte nicht erklärt werden und somit unklar bleiben, wenn man die Bücher nicht kennt.
Insgesamt kann der siebte Film aber wieder deutlich mehr überzeugen als seine Vorgänger, eben auch, da er die Handlung des Buches angemessener darstellen konnte, dabei aber nicht bloß die Geschichte nacherzählt, sondern auch eigene filmische Akzente setzt, durch die die beschwerliche lange Reise der drei, das verzweifelte, lange Zeit erfolglose Suchen nach den Horkruxen und auch die Auswirkungen auf ihre Freundschaft sehr deutlich gemacht werden. Dadurch wirkt der Film zwischendurch etwas träge und ein wenig langatmig, was mich persönlich nicht störte, eher sehr an das Buch erinnerte und in meinen Augen zur Verdeutlichung der Handlung auch vonnöten war. Es hilft vor allem, die allgegenwärtige Bedrohung hervorzuheben, was dem Film herausragend gelingt, die sehr düstere, hoffnungslose Stimmung des Buches wurde eindrucksvoll umgesetzt und auch die wesentlichen Elemente des Buches wiedergegeben, was man nicht allen Filmen attestieren kann. Die Handlung um die Heiligtümer des Todes wurde sehr nah am Buch dargestellt, die Horkruxgeschichte etwas schwächer, da dazu die Kreachergeschichte zu sehr gekürzt und auch schon im sechsten Film versäumt wurde, auf die Gegenstände, die zu Horkruxen wurden, einzugehen, für die Dumbledore im Buch einige Ideen hatte, die sich auch als wahr erweisen sollten. Die Schwierigkeiten und die Trostlosigkeit ihrer Suche wird aber ebenso gut verdeutlicht, genau wie die Konflikte, die dadurch zwischen den drei Freunden entstehen, die unter der Todesgefahr, die immer über ihnen schwebt, und der erfolglosen Suche beinahe zu zerbrechen drohen. Der Teil zu Dumbledore und Harrys Zweifel an ihm wurden wie gesagt durch die vorgenommenen Kürzungen nicht so gut wie im Buch geschildert, insgesamt gesehen war aber alles Wichtige aus der Buchvorlage auch im Film zu finden.
Aufgrund der Handlung, die sich stark auf Harry, Ron und Hermine fokussierte, standen auch vor allem die drei Hauptdarsteller im Zentrum, alle anderen Schauspieler waren in diesem Film eigentlich nur Randerscheinungen. Alle drei liefern in meinen Augen ihre bisher beste schauspielerische Leistung ab, man sieht deutlich, wie sie sich im Laufe der Jahre als Schauspieler weiterentwickelt haben. So gefielen mir auch vor allem die Szenen, die sich auf die drei Freunde beschränkten und die Dynamik ihrer Freundschaft verdeutlichten, eindeutig am besten im gesamten Film, der somit insgesamt viel stärker als seine Vorgänger überzeugen kann.

Fazit

Alles in allem endlich wieder ein überzeugender Film aus der Harry Potter-Reihe, dem eine gute Mischung aus Nähe zum Buch und dem Setzen von eigenen filmischen Akzenten gelingt. Die Handlung des Buches wurde weitestgehend angemessen wiedergegeben, wenn auch vor allem die Kreacher- und Dumbledoregeschichte besser hätte dargestellt werden können und somit wieder einmal etwas Tiefe des Buches im Film verloren geht. Ansonsten konnte mich der Film aber vollends überzeugen, wenn auch einigen sicherlich die zwischendurch nicht ganz so spannende Handlung weniger gut gefiel, die mich aber nicht störte. Ich fand es vielmehr interessant zu beobachten, wie sich die Freundschaft der drei Hauptfiguren im Zuge der erfolglosen Suche entwickelte und kann dafür gut und gerne auch mal auf ein wenig Action verzichten, die ja im zweiten Teil der Verfilmung des siebten Buches nicht zu kurz kommen wird.

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