Sonntag, 7. September 2014

Filmkritik: Harry Potter VI - Harry Potter und der Halbblutprinz


Auch bei der Verfilmung des sechsten Harry Potter-Bandes führte wie schon beim fünften Teil David Yates Regie, der sich in diesem Film stark auf die verschiedenen Liebeleien zwischen den Hogwarts-Schülern fokussiert, aber auch die besondere Bedrohung, unter der die Zaubererwelt steht, hervorhebt. Denn nach der Rückkehr von Voldemort in die Öffentlichkeit ist niemand mehr wirklich sicher, die meisten Zauberer und Hexen verlassen nur noch ungern ihr sicheres Zuhause und auch Hogwarts wird noch stärker bewacht. Um Harry auf seinen bevorstehenden Kampf gegen Voldemort vorzubereiten, erforscht Dumbledore mit ihm Voldemorts Vergangenheit, bis sie einen Weg finden, ihn zu besiegen. Gleichzeitig liegt wie noch in keinem anderen Teil Romantik in der Luft, als sich allerhand Verliebtheiten unter den Schülern anbahnen. Ron findet seine erste Freundin, Hermine platzt beinahe vor Eifersucht, Harry verguckt sich derweil in Ginny, die aber bereits mit Dean zusammen ist. Doch neben seinen Stunden bei Dumbledore und seinen aufkeimenden Gefühlen muss sich Harry noch mit Draco Malfoy herumplagen, der irgendetwas in der Schule plant. Hilfe erhält er durch sein neues gebrauchtes Zaubertrankbuch, das früher einmal dem Halbblutprinzen gehörte, dessen Identität Harry aber lange nicht herausfinden kann…

Im Vergleich zum Buch wurden einige größere Veränderungen vorgenommen, wie bereits erwähnt wurden die jugendlichen Liebesgeschichten stark ausgeweitet auf Kosten der Geschichte rund um Voldemorts Vergangenheit, die allerdings für die weitere Handlung enorm wichtig ist, so dass ich mich mit einigen Änderungen wenig anfreunden konnte. Es fehlen sehr viele Erinnerungen zu Voldemort, die sich Dumbledore und Harry gemeinsam ansehen, nur die, als Dumbledore Voldemort als Kind zum ersten Mal trifft, und die mit dem Zaubertränkelehrer Slughorn, durch die man erfährt, warum Voldemort nicht beim Angriff auf Harry starb und wie man ihn töten kann, wurden mit in den Film genommen. Die Szene, als man lernt, dass Voldemort Teile seiner Seele in verschiedenen Objekten (sogenannte Horkruxe) verschlossen hat und so lange weiterlebt, bis all die Objekte vernichtet wurden, wurde zudem noch ziemlich verhunzt. Dumbledore stellt es im Film so dar, als könnten diese Horkruxe x-beliebige, unbedeutende Dinge sein, wenn doch im Buch lang und weit betont wird, dass Voldemort doch niemals Teile seiner für ihn wertvollen Seele in wertlose Gegenstände verschließen, sondern vielmehr spezielle magische Objekte dafür auserkoren würde. Außerdem hat Dumbledore im Buch allerhand Vermutungen, was diese Objekte sein könnten, im Film erscheint er völlig ahnungslos, was sich auch auf die nächsten beiden Filme noch ziemlich auswirken wird und wirklich besser hätte dargestellt werden können. Sehr schwach fand ich auch die komplett neue Szene, als Bellatrix und Greyback in den Weihnachtsferien den Fuchsbau angreifen. Sie soll zwar Harrys und Ginnys stärkere Gefühle füreinander und Harrys Hass auf Bellatrix wegen Sirius´ Tod verdeutlichen, doch der gesamte Angriff spricht gegen alles, was die bedrohte Zaubererwelt noch ausmacht, die alle Schutzzauber um ihre Häuser haben, damit keine Todesser in diese eindringen können. Sonst wäre es ja auch Voldemort möglich gewesen, zum Fuchsbau zu kommen und sich Harry dort zu holen. Damit wurde in meinen Augen eine der schwächsten Szenen aller Filme überhaupt abgeliefert. Filmisch sehr gut umgesetzt fand ich aber wiederum die Reaktion der Lehrkräfte und Schüler nach Dumbledores Tod, die mit ihren Zauberstäben ein helles Licht erzeugen, das Voldemorts Zeichen, das Dunkle Mal, am Himmel vertreibt, was ich als sehr rührend empfand und was mir ein starkes Gefühl von Hoffnung gab. Auch Malfoys Versuch, das Verschwindekabinett zu reparieren, wurde gut filmisch dargestellt.
Wenn ich auch mit vielen Veränderungen nicht einverstanden bin, mag ich den Film an sich sehr, wie mir generell die späteren Filme einfach dadurch besser gefallen, da die Protagonisten älter und erwachsener werden und ihre Herangehensweise, Probleme zu lösen, komplexer wird. Dem Film gelingt auch ein guter Kompromiss zwischen humorvollen Elementen, die vor allem durch die Liebesgeschichten hervorgerufen werden, endlich gönnt man Harry auch einmal ein paar normale Teenagererfahrungen, und eben den ernsten Aspekten, die sich durch die Bedrohung der Zaubererwelt durch Voldemort und seine Anhänger ergeben, die wirklich durch den gesamten Film spürbar ist. Doch leider wurde die Voldemortgeschichte ziemlich verhunzt, da man den Liebeleien zu viel Platz eingeräumt hat, weshalb ich den sechsten Film, wenn ich ihn mit dem Buch vergleiche, eigentlich als den schwächsten aller acht Filme bezeichnen muss, was die Herausstellung der wesentlichen Elemente des Buches angeht. Neben der schlecht dargestellten Voldemortgeschichte werden auch Harrys Sorgen und Zweifel an Snape und Malfoy und seine Vorbereitung auf den Kampf mit Voldemort nicht angemessen gewürdigt. Man hätte sich mehr darauf fokussieren können, denn so bleibt auch dieser Film wieder einmal zu sehr an der Oberfläche und erreicht nicht die Tiefe der Handlung des Buches.
Immerhin gelingt die Herausarbeitung der düsteren Stimmung, in der sich die Zaubererwelt befindet, sehr gut und auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen. Allen voran Alan Rickman liefert wieder einmal eine herausragende Leistung ab, der leider viel zu selten im Film auftaucht, auch Rupert Grint kann an seine sehr guten Leistungen aus den vorherigen Filmen anknüpfen und sorgt für unzählige Lacher. Auch Emma Watson gefiel mir in diesem Film sehr gut, wie auch meistens Daniel Radcliffe, vor allem seine Darstellung von Harry unter dem Einfluss von Felix Felicis, die ebenso wirklich lustig war. Jim Broadbent als der neue Lehrer Horace Slughorn sorgt genauso für viele humorvolle Elemente und Tom Felton bekommt endlich einmal die Gelegenheit, seinen Malfoy von der zerbrechlichen Seite zu zeigen, was ihm sehr überzeugend gelingt.

Fazit

Meine Meinung über diese Verfilmung ist ein wenig zwiegespalten, die Umsetzung der wesentlichen Aspekte des Buches gelingt leider nicht immer, vor allem die Voldemortgeschichte und auch die Handlung um den Halbblutprinzen hätte ausgeweitet werden, dafür auf einige Liebesszenen verzichtet werden können, die aber wiederum dem Film auch seine lustigen Szenen geben und somit gehörig zur Unterhaltung beitragen. Wer demnach in erster Linie nach recht simpler Unterhaltung sucht, wird mit diesem Film nichts falsch machen. Wer eher die Tiefe der Handlung des Buches annähernd erwartet, wird enttäuscht werden, kann sich aber immerhin auf die letzten beiden Filme freuen, die die Buchhandlung wieder deutlich besser umsetzen konnten, da sie schließlich auf zwei Filme aufgeteilt wurde.

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