Mittwoch, 20. August 2014

Rezension: Emma (Jane Austen)

Fischer Verlage
Taschenbuch, 509 Seiten
ISBN: 978-3-596-90041-1
9,50 €

Ein kurzer Einblick

Emma meint, immer genau zu wissen, was andere wollen. Wohlwollend mischt sie sich daher in die Angelegenheiten ihrer Freunde ein und versucht, vor allem in Liebesangelegenheiten Amor zu spielen. Dabei ist sie jedoch nicht immer erfolgreich, denn in der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts sind beim Eingehen von Beziehungen häufig viele Dinge zu berücksichtigen. Außerdem erweist sich Emma auch in Bezug auf sich selbst nicht als besonders geschickt…

Bewertung

Wie alle Jane Austen-Romane verdeutlicht auch „Emma“ eindrücklich das Leben der englischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Der Roman vermittelt die Lebensumstände der gehobeneren Gesellschaft und stellt mittels verschiedenster Konstellationen Beziehungsgefüge dar. Es wird immer wieder darauf abgehoben, unter welchen Bedingungen Verbindungen möglich oder eben unmöglich sind. Dabei werden die verschiedensten Charaktere eingeführt, wie man sie sich tatsächlich in der damaligen Gesellschaft vorstellen kann.
Im Mittelpunkt dieses Gesellschaftsgefüges steht die junge Erwachsene, Emma. Sie scheint in all diesen Gepflogenheiten der damaligen englischen Gesellschaft so sicher, dass sie immer wieder versucht, Beziehungen zu beeinflussen. Im Laufe des Romans muss Emma jedoch immer häufiger feststellen, dass Verbindungen nicht so leicht zu durchschauen sind und häufig externe Ereignisse dazu führen können, dass sich das Blatt wendet. Jane Austen lässt Emma über den Roman hinweg immer wieder verschiedenste Erfahrungen machen und baut damit Emmas Charakter nach und nach auf. Somit ist „Emma“ vor allem eine Charakterstudie einer starken, jungen Frau, die in einigen Dinge jedoch nicht so souverän und erwachsen ist, wie sie meint.
Natürlich spielen dabei auch Emmas Liebesbeziehungen eine Rolle. Diese werden jedoch innerhalb des Romans sehr langsam aufgedeckt. Obwohl man leider schon ab Beginn des Romans vermuten kann, wie die Geschichte wohl für Emma ausgehen wird, passiert insgesamt doch recht wenig, was Emmas Liebesleben beeinflusst. Erst im letzten Fünftel des Romans gehen die Dinge schließlich etwas zügiger voran und die Handlung erhält etwas von einer Liebesgeschichte.
Leider ist der gesamte Roman jedoch dadurch geprägt, dass recht wenig geschieht. Hätte man sich anstatt auf die endlose Wiedergabe von Gesprächen und Geschehnissen, die die Handlung nicht wirklich voranbringen, auf die essentiellen Geschehnisse fokussiert, hätte die Geschichte auch auf der Hälfte der Seiten erzählt und dem Leser damit viele langwierige Passagen erspart werden können. Zwar braucht man Gespräche, um Charaktere deutlich zu machen, doch irgendwann werden sie leider zu viel und führen dazu, dass das Lesen des Romans hauptsächlich als zäh empfunden wird.

Fazit

Jane Austen gelingt mit „Emma“ eindrücklich die Wiedergabe der gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts in England und das gleichzeitige Aufzeigen von Charakterstudien. Leider wird beides jedoch von langwierigen Handlungssträngen mit Passagen, die die Geschichte wenig vorantreiben, begleitet, so dass der Leser einige Ausdauer benötigt, um den Roman nicht zur Seite zu legen.

2,5 von 5 Punkten

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