Montag, 4. August 2014

Rezension: Der Herr der Moore (Kealan Patrick Burke)

Voodoo Press
Taschenbuch, 308 Seiten
ISBN: 978-3-902802-15-6
12,95 €

eBook, € 4,99
ISBN: 978-3-902802-56-9


Ein kurzer Einblick

1888. Brent Prior, Dartmoore, England. Fern abseits der Großstädte. Eine ländliche idyllische Atmosphäre. Der morastige Duft zieht von den Mooren her durch das Dorf. Schreie durchdringen die Nacht. Das Moor gibt die Toten nicht mehr her. Ein Fluch ward über Brent Prior gesprochen, der 16 Jahre später den Herrn der Moore sein Erbe einfordern lässt. Eine neue Macht entsteigt dem dunkel der Nacht.

Bewertung

16 Jahre ist es her, dass dem Dorf Brent Prior ein schreckliches Übel wiederfuhr. Doch das Leben ging weiter, nur wenige der Einwohner plagen noch Alpträume und fürchten das Kommende. Kealan Patrick Burke beginnt den Roman mit einem Stimmungs-Knaller. Nebel und Gefahr ziehen in Schwaden über das Moor hinweg. Grusel und finstere Geheimnisse umschleichen das Dorf. Nächtliche Moorwanderer kehren zuweil nicht zurück. Der Heer der Moore, so munkelt man, sei das Joch aller Gräuel. Die einen glauben an die entstehende Legende, die anderen winken es als Spuk ab. Was ist wirklich geschehen, damals vor 16 Jahren? Welch Schrecken ist Master Mansfield widerfahren, dass er all die Jahre im Koma liegt und silbernes Blut durch seine Adern fließt?

Das Geschwisterpaar Kate Mansfield und ihr blinder Bruder Neil ahnen nichts von dem Unheil, das ihre Familie heimsucht. Doch sie sind es, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen.Kate will ihrem Bruder nur das Beste. Blind, wie er ist, braucht er ihre Unterstützung. Hilfsbereit und liebevoll achtet sie auf ihn. Neil ist es leid stets Hilfe zu bedürfen und reagiert ruppig, ist insgeheim meist jedoch dankbar. Für ihn ist das Leben in dem Dorf besonders schwer, denn das Moor ist nah. Ein Schritt zu weit ... Langsam baut der Autor die Figuren auf, um den Grundstein für spätere Beweggründe zu legen und der Story eine tiefe Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Handlung selbst schwebt in einem unwissen Grad der Schwerelosigkeit. Nur allmählich wird diese fortgeführt und den Charakteren die Geschwindigkeit überlassen. Damit erweist sich die erste Hälfte des Romans als erstklassiger Gruselroman ...

... bevor sie in der zweiten Hälfte Fahrt aufnimmt und zum Horrorroman mutiert. Anfangs ist es noch ganz spannend, als der mysteriöse Fremde mit den Bandagen im Gesicht im Dorf auftaucht. Manchen verspricht er Erlösung, andere spannt er in seine Pläne ein. Urplötzlich kippt die Geschichte. Die Spannung bleibt. Der Grusel offenbart sich als zu offensichtliches Grauen. Zu gewöhnlich entpuppt sich der Fluch, als dass der tiefgreifende Nervenkitzel erhalten bleibt. Vielleicht büßt der Roman seine Wirkung ein, weil ich anderes erwartet habe, vielleicht aber hätte Kealan Patrick Burke das Grausen lieber als dunklen Schemen weiterhin im Hintergrund agieren lassen sollen. Zudem verliert sich der Autor zu oft in Gesprächen, die das Rätsel auflösen sollen. Er versucht die abrupten Stopps geschickt zu kaschieren, in die Handlung einzubetten, aber spätesten beim obligatorischen Geplänkel zwischen Opfer/Gejagden und Bösewicht bricht die Spannung ein. Trotz allem wartet »Der Heer der Moore« mit einer reizvollen Lösung auf.

Fazit

Obwohl der Roman nicht vollends begeistern konnte, ist »Der Heer der Moore« ein stimmiger Gruselroman altbewährten Horrors. Die ländliche Idylle ist stimmungsvoll gezeichnet, die Charaktere hervorragend in Szene gesetzt. Die Geschichte über das Verlangen, des Unrechts und der Rache sei jedem empfohlen, der vor den modernen Vampir- oder Werwolf-Storys zurückschreckt.

3 von 5 Punkten

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