Mittwoch, 27. August 2014

Filmkritik: Harry Potter V - Harry Potter und der Orden des Phönix


Bei der Verfilmung des fünften Harry Potter-Bandes führte zum ersten Mal David Yates Regie, der schließlich für die restlichen drei Filme auch die Regie übernahm. Mit der Rückkehr von Lord Voldemort am Ende des vierten Buchs/Films ist der fünfte Teil durch eine deutlich düstere Atmosphäre geprägt. Nicht so sehr dessen Wiederkehr, sondern vielmehr die Weigerung des Zaubereiministeriums, Voldemorts Rückkehr als wahr anzuerkennen, beeinflussen Harrys Leben zunächst, startet das Ministerium doch unter Führung des Zaubereiministers Cornelius Fudge eine Hetzkampagne gegen Harry und Dumbledore, die die Öffentlichkeit über die Rückkehr von Voldemort aufklären wollen. Harry wird beinahe der Schule verwiesen, Dumbledore redet plötzlich nicht mehr mit ihm und, als er endlich in Hogwarts ankommt, muss er miterleben, wie die neue Lehrerin Dolores Umbridge, die eine Vertraute von Fudge ist, die Schule nach und nach komplett unter ihre Kontrolle bringt. Mit der zusätzlich drohenden Gefahr, die von Voldemort ausgeht und die wie eine dunkle Wolke über Harry schwebt, wird dieses das bisher härteste Schuljahr für Harry und seine Freunde…

Wie auch bei den vorherigen Filmen musste selbstverständlich auch bei der fünften Verfilmung einiges aus dem Buch gekürzt oder gestrichen werden, war der fünfte Band doch sogar noch ein wenig umfangreicher als der lange vierte Band. Trotzdem gelang es den Filmemachern deutlich besser als beim vierten Film, die Handlung des Buches darzustellen, was auch damit zusammenhing, dass diese besser als die des vierten Buches zusammengefasst werden konnte. Was ein wenig kurz kam, waren zum einen die Handlungen in Sirius´ Haus, das als Hauptquartier des Orden des Phönix dient, so dass ein paar Hinweise für spätere Ereignisse unter den Tisch fielen. Zum anderen spielte der Orden des Phönix, den Dumbledore für den Kampf gegen Voldemort wieder gegründet hatte, eine zu geringe Rolle. Immerhin hieß der fünfte Band nach ihm, so dass diese Gruppierung und ihre Arbeit meiner Meinung nach einen größeren Anteil am Film hätte haben sollen. Außerdem wurden die verschiedenen Anweisungen von Umbridge in Hogwarts, mit denen sie die Schule immer mehr kontrollierte, in mehreren aufeinander folgenden Szenen zusammengefasst und nicht zeitlich versetzt wie im Buch dargestellt, was ich aber für ein gelungenes filmisches Element halte, da es diese beklemmende Atmosphäre, in der die Schüler und Lehrer sich durch immer mehr Verbote befinden, sehr gut einfängt. Es fehlen zwar etwa die Unterrichtsinspektionen bei McGonagall und Hagrid und auch die komplette Überwachung aller Kommunikationswege aus der Schule heraus wird nur am Rande erwähnt, doch die generell sehr bedrückende Stimmung wird sehr deutlich, was auch einen wichtigen Aspekt des Buches darstellte. Harry fühlt sich zum ersten Mal für lange Zeit nicht mehr zu Hause in Hogwarts, was der Film sehr gut herausarbeitet. Die Geschehnisse am Ende des Films im Ministerium wurden zum Teil auch anders dargestellt, es wurde ein wenig gekürzt, was aber auch notwendig war, so fehlen etwa ein paar Räume, Harry hört direkt die Prophezeiung, nicht erst später in Dumbledores Büro, doch die wichtigsten Szenen wurden angemessen wiedergegeben. Das Ende von Dumbledores und Voldemorts Kampf, als Harry von Voldemort besessen war, gelang deutlich rührender als im Buch. Harry sieht seine Freunde und erinnert sich an alte Erlebnisse mit ihnen, was ihn vor Voldemort schützt und was wirklich gefühlvoll dargestellt wird. Drei Veränderungen möchte ich aber noch negativ hervorheben: Die Behandlung von Harrys Angst, von Voldemort besessen zu sein, wurde zu stark verkürzt, auch ziemlich versimpelt und von Sirius nur lapidar abgetan. Außerdem wurde Harrys Gespräch mit Dumbledore über die Prophezeiung, was im Buch eines der wichtigsten Kapitel überhaupt ist, sehr schlecht und viel zu kurz wiedergegeben, was dem Film mal wieder wie bei seinen Vorgängern einiges an Tiefe nimmt. Sehr schlecht fand ich auch die Änderung zum Buch, als Sirius und Harry gegen Todesser kämpfen und Sirius Harry mit „James“ anredet, was suggeriert, dass Harry für Sirius nur Ersatz für James war, was ihrer Beziehung in meinen Augen nicht gerecht wird.
Generell ist dieser fünfte Teil viel besser gelungen als der vierte Film, die Änderungen waren oftmals überzeugend und angemessen und nahmen der Verfilmung nicht so viel an Tiefe wie bei seinem Vorgänger. Auch wurde sich glücklicherweise nicht auf Kosten der Darstellung der wesentlichen Elemente des Buches zu sehr auf Liebesgeschichten fokussiert. Die Übergänge zwischen einzelnen Szenen wurden sehr gut durch oftmals eingeblendete Zeitungsartikel vorgenommen, was mir sehr gut gefiel und was deutlicher die Bedeutung der Ereignisse um Voldemort für die gesamte Zaubererwelt hervorhob und die Kampagne gegen Harry und Dumbledore auch bildlich demonstrierte. An den Schauspielern kann ich mittlerweile so gut wie gar nichts mehr aussetzen, vor allem Gary Oldman als Sirius, Imelda Staunton als Umbridge, Michael Gambon als Dumbledore, Maggie Smith als McGonagall und wie immer Alan Rickman als Snape zeigen innerhalb der begrenzten Szenen, in denen sie (bis auf Staunton) auftauchen, ihr wirkliches Können und auch die Jungschauspieler verbessern sich sukzessive, insbesondere Daniel Radcliffe gefällt mir immer besser als Harry und liefert im fünften Film seine bisher beste Leistung ab.

Fazit

Insgesamt konnte mich diese fünfte Verfilmung der Harry Potter-Reihe überzeugen. Viele der wesentlichen Elemente des Buches, wie die düstere Stimmung in Hogwarts durch Umbridge und das Ministerium, die drohende Gefahr durch den wiedergekehrten Voldemort und der Kampf gegen ihn durch den Orden des Phönix (der aber zu wenig auftaucht) und Dumbledores Armee, die die Schüler unter Harrys Führung selbst organisieren, werden angemessen herausgearbeitet. Was dagegen ein wenig abfällt, ist die Schilderung von Harrys Sorgen und Ängsten. Die Sorge, seine Freunde zu gefährden, geht eher unter, die Angst, von Voldemort besessen zu sein, taucht nur am Rande auf, was man besser hätte darstellen können. Das sehr wichtige Element des Buches, die Prophezeiung, dass nur Harry derjenige ist, der Voldemort besiegen kann, und ihre Bedeutung für Harrys weiteres Leben spielen eine untergeordnete Rolle, was ich als größte Schwäche der Verfilmung bezeichnen würde. Alles in allem kann der Film aber gut und spannend unterhalten und erreicht deutlich mehr Tiefe als der vierte Film.

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