Dienstag, 19. August 2014

Filmkritik: Harry Potter IV - Harry Potter und der Feuerkelch


Bei der Verfilmung des vierten Harry Potter-Bandes wurde zum ersten Mal überlegt, das bisher umfangreichste Buch auf zwei Filme aufzuteilen, wogegen sich jedoch der neu verpflichtete Regisseur Mike Newell aussprach, so dass der Film allerhand Kürzungen und Änderungen des Inhalts im Vergleich zum Buch aufweist. Im vierten Teil steht die Zaubererwelt ganz im Zeichen der drohenden Wiederkehr von Lord Voldemort, auch wenn dies bisher kaum jemand wahrnimmt. Harry hat plötzlich seltsame Träume von Lord Voldemort und seinem Anhänger Wurmschwanz, die seinen Tod planen. Bei der Quidditchweltmeisterschaft vor dem neuen Schuljahr erscheint Voldemorts Zeichen am Himmel und einige Todesser, seine Anhänger, treten erstmals seit Jahren wieder in Erscheinung. Wäre dies noch nicht Aufregung genug, findet in Hogwarts das gefährliche Trimagische Turnier zwischen den drei größten europäischen Zauberschulen statt, in das Harry unter seltsamen Umständen gerät und sich zahlreichen riskanten Aufgaben stellen muss, bis er am Ende tatsächlich auf Lord Voldemort trifft…

Bei diesem Film wurden im Vergleich zu seinen drei Vorgängern die größten Veränderungen zur Buchvorlage vorgenommen. Der Fokus wurde eindeutig auf Harrys Geschichte und seinen bevorstehenden Kampf gegen Voldemort und das Trimagische Turnier gelegt auf Kosten von Erläuterungen vieler für die Handlung wichtiger Nebenhandlungen und –personen und deren Geschichte. Man ging vermutlich davon aus, dass die meisten Kinobesucher sowieso die Bücher gelesen haben und demnach auch so der Handlung folgen konnten, doch ohne die Lektüre der Bücher ist dieser Film leider oftmals eher unverständlich, was man den drei anderen vor ihm nicht vorwerfen kann. Man hätte auch durchaus noch Platz für mehr Erläuterungen haben können, wenn man dafür die Liebeleien der Teenager, die im Vergleich zum Buch im Film noch ausgeweitet wurden, gekürzt hätte (es gibt z. B. eine komplett neue Szene mit Tanzstunden vor dem Weihnachtsball) und weniger auf Dramatik gesetzt hätte. So wurde die erste Aufgabe im Trimagischen Turnier, der Kampf gegen einen Drachen, total übertrieben in die Länge gezogen, aber ohne viel Action und Liebesgeschichten geht es anscheinend einfach nicht im modernen Kino, da wird man sich mit abfinden müssen. Dies trug aber eben auch zu den erheblichen Kürzungen bei, die vorgenommen wurden, so fehlen etwa komplett die Ferien bei den Dursleys, die Quidditchweltmeisterschaft ist extrem verkürzt worden, die Figur des Ludo Bagman ist ganz gestrichen, die Hauselfen Dobby und Winky tauchen nicht auf, so dass auch die Geschichte des Turnierjurors Bartemius Crouch und seines Todessersohnes nicht erklärt wird, Crouchs Tod dadurch unlogisch und ungeklärt bleibt, wie Voldemort zurückkehren konnte und wie er vom Trimagischen Turnier erfahren hat, wird ebenso wenig erläutert und auch der Kontakt von Harry zu seinem Paten Sirius, der endlich eine Vaterfigur für ihn darstellt, wurde auf ein Gespräch reduziert. So hätten zumindest die Geschichten von Crouch und Voldemort Erwähnung finden können, um den Film sinniger zu machen, und auch Sirius hätte meiner Meinung nach häufiger auftauchen können, stellt er doch in Harrys Leben mittlerweile eine sehr wichtige Person dar, die ihn immer unterstützt, was im Film fast komplett untergeht.
Was positiv zu erwähnen ist, ist die Entwicklung der jungen Schauspieler, denen man mittlerweile ausnahmslos ihre Rolle abnimmt, auch Daniel Radcliffe als Harry gefällt mir immer besser, wenn auch Rupert Grint als Ron in meinen Augen immer noch die beste schauspielerische Leistung der Jungschauspieler abliefert. Die weitere Ausgestaltung der phantasievollen Welt von Joanne K. Rowling wird in diesem Film hervorragend weitergeführt und diesmal stärker auf humorvolle Elemente gesetzt. An sich ist dieser vierte Film sicherlich der lustigste aller acht Verfilmungen, doch das Gleichgewicht zwischen Humor und jugendlicher Verliebtheit auf der einen und die größer werdende Bedrohung der Zaubererwelt auf der anderen Seite bleibt gewahrt. Was die Darstellung der wesentlichen Elemente der Buchhandlung angeht, kann der Film allerdings nicht immer überzeugen. Dass Voldemort immer stärker wird, wird noch ganz gut herausgearbeitet, ebenso damit einhergehend die größere Gefahr, in der Harry schwebt, und seine erwachsenere Herangehensweise, um schwierige Aufgaben und Probleme zu lösen. Die im vierten Buch so wichtige Internationalität der Zaubererwelt und auch Harrys neue elterliche Bezugsperson Sirius gehen aber durch die vielen Kürzungen ein wenig unter. Ihm fehlt dadurch irgendwie ein wenig an Atmosphäre, eigentlich werden fast bloß die wichtigsten Szenen aneinander gereiht, viel Zeit für Erklärungen und damit mehr Tiefe der Handlung bleibt einfach nicht. Demnach würde ich diesen Film nur als teilweise gelungen bezeichnen, er bietet natürlich schon lustige, spannende Unterhaltung, aber der Tiefgang fehlt mehr denn je und gerade im Vergleich zum guten dritten Film zuvor stinkt er schon etwas dagegen ab.

Fazit

An das sehr gute vierte Buch der Harry Potter-Serie kommt dieser Film leider überhaupt nicht heran. Ich würde ihn sogar im Vergleich zum Buch als bisher schwächsten Film bezeichnen, auch wenn er mir an sich besser als die ersten beiden gefällt, die noch zu sehr Kinderfilme waren. Sein größtes Problem ist eigentlich die zu umfangreiche Buchvorlage, die nicht angemessen mit den vorgenommenen Kürzungen in einem Film dargestellt werden konnte. Etwas weniger Fokus auf Liebesgeschichten und Action zugunsten von mehr Erläuterungen und damit mehr Tiefgang hätte dem Film sicherlich gut getan, so aber blieb ich etwas enttäuscht zurück.

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