Mittwoch, 13. August 2014

Filmkritik: Harry Potter III - Harry Potter und der Gefangene von Askaban


Bei der Verfilmung des dritten Buches der Harry Potter-Serie führte zum ersten Mal nicht Chris Columbus, sondern der Mexikaner Alfonso Cuarón Regie, der mit seinem Film das Kinderfilmgenre verließ und den Film der Thematik seiner Buchvorlage entsprechend wesentlich düsterer gestaltete. Denn die Zaubererwelt sieht sich einer fast Voldemortähnlichen Bedrohung ausgesetzt: der gefürchtete Mörder Sirius Black, Anhänger von Lord Voldemort, ist aus dem Zauberergefängnis Askaban ausgebrochen, was zuvor noch niemandem gelungen ist, und hat es auf Harry abgesehen. Zum Schutz der Schüler werden einige Dementoren (furchterregende Kreaturen, die all die guten Gefühle und Erinnerungen aus Menschen saugen) um Hogwarts postiert, für die Harry besonders anfällig zu sein scheint. Doch er erhält Hilfe vom neuen Lehrer Remus Lupin, der während seiner Schulzeit mit Harrys Eltern befreundet war, über deren Leben und die Umstände ihres Todes Harry somit immer mehr erfährt, bis plötzlich Sirius Black in Hogwarts auftaucht…

Aufgrund des schmaleren Umfangs der ersten beiden Bände kennzeichnete die Vorgängerfilme eine meist sehr genaue Umsetzung der Buchvorlage, was im dritten Film nicht mehr so stark aufrecht erhalten wurde. Einerseits mag dies am längeren Buch liegen, andererseits scheint Cuarón bewusst neue filmische Akzente gesetzt zu haben und nicht nur eine sehr getreue Buchverfilmung im Sinn gehabt zu haben. Er arbeitet sehr stark mit Symbolen wie etwa Uhren und Raben, um Hinweise auf die für die Handlung wichtigen Themen Zeit und allmähliche Bedrohungen zu geben. Außerdem werden ein paar neue Szenen, die nicht im Buch vorkommen, gedreht, wie etwa zu Beginn des Schuljahrs die Szene im Schlafsaal der Jungs, als diese zusammen magische Süßigkeiten ausprobieren, was ich für eine gelungene Ergänzung halte, zeigt sie doch mal einen kleinen Aspekt des Lebens in Hogwarts und die Jungs stärker als Teenager und als Gruppe. Einige Handlungen aus dem Buch wurden natürlich auch gestrichen, wie Sirius Blacks Eindringen in den Gryffindorturm, der Streit zwischen Harry und Ron mit Hermine um Harrys neuen Besen, den er anders als im Buch erst am Schluss des Films bekommt, und auch die Geschichte um Harrys Vater und seine Freunde wurde fast komplett herausgestrichen, was ich zusammen mit Blacks fehlendem Eindringen doch für nicht gelungene Änderungen halte, da dadurch die Handlung wieder einmal (wie auch schon in den Filmen zuvor) vereinfacht wird und die Bedrohung durch Black, der im Film nur einmal versucht, ins Schloss zu gelangen, auch nicht stark zur Geltung kommt. Außerdem wurden ein paar Aspekte, die für die Handlung (auch in späteren Filmen) von Bedeutung sind, falsch wiedergegeben. So zaubert Harry zu Beginn des Films bei den Dursleys, als er versucht, Hausaufgaben zu machen, obwohl sowohl im zweiten, als auch in diesem, wie auch im fünften Film bzw. Buch es von enormer Bedeutung für die Handlung ist, dass minderjährige Zauberer nicht außerhalb der Schule Magie anwenden dürfen. Außerdem dürfen auf einmal in das Wirtshaus „Drei Besen“ keine Minderjährigen mehr, was immerhin für die Handlung keine wirklichen Konsequenzen hat, und als Harry und Hermine am Ende in der Zeit zurückreisen, manipuliert Hermine aktiv das Geschehen, was man vielleicht noch akzeptieren kann, doch Dumbledore hilft den beiden bewusst, obwohl er noch gar nicht wissen kann, dass er sie zurück in die Vergangenheit schicken wird.
Mit einigen Änderungen zur Handlung des Buches bin ich also mal wieder nicht komplett einverstanden, kann aber nur die örtliche Ausgestaltung des Films loben. Das Schloss, das nun wesentlich düsterer wirkt (auch durch den häufigen Regen), und auch seine Umgebung wurden komplett geändert, Hagrids Hütte etwa viel weiter von Hogwarts entfernt aufgestellt, die Peitschende Weide ebenso verrückt und auch das verschneite Hogsmeade ist wirklich phantastisch gelungen. Dies trägt entscheidend dazu bei, diese Familienfilmstimmung der ersten beiden Filme von Chris Columbus hinter sich und den Film reifer und erwachsener wirken zu lassen. Die Figuren wie auch ihre Darsteller sind endgültig im Teenagerleben angekommen, was auch ihre etwas älter wirkende Kleidung verdeutlicht.
Vonseiten der Ausgestaltung kann man an der Verfilmung also nicht wirklich etwas kritisieren, doch sie muss sich schließlich auch immer mit der Buchvorlage darin messen, ob die wesentlichen Punkte der Handlung überzeugend dargestellt wurden. Diese stellen im dritten Harry Potter-Band zum einen die Geschichte von Harrys Eltern, ihrer Schulzeit, ihren Freunde und den Umständen, die zu ihrem Tode führten, dar und zum anderen die Einleitung des unausweichlichen Kampfes zwischen Harry und Voldemort. Dieser Aspekt ist sicherlich sehr gut im Film wiedergegeben worden, wenn auch durch die Kürzung der Geschichte von Harrys Eltern nicht alle Umstände komplett aufgeklärt werden konnten. Durch diese Kürzung fehlt dem Film aber auch weitestgehend der rührende Aspekt des Buches, von dem dieses schlichtweg lebt. In keinem anderen Buch wird der Verlust, den Harry erlitten hat, als seine Eltern ermordet wurden, deutlicher als im dritten, was im Film leider nicht so gelungen dargestellt wurde. Zwar wird die Beziehung zu Lupin, der zeitweise eine Art Vaterersatz für Harry wird, aufgegriffen, doch der Rest dieser im Buch so rührend erzählten Handlung kommt nicht stark zur Geltung, was ich als das größte Manko dieses ansonsten überzeugenden Films ansehe.

Fazit

Der oftmals als bester Film der Harry Potter-Reihe betitelte dritte Teil verdient dieses Lob sicherlich, was seine generelle Ausgestaltung, die dadurch gewonnene düstere Atmosphäre und die sich nur am Buch orientierende, aber eigene filmische Akzente setzende Herangehensweise angeht, und ist auf jeden Fall besser gelungen als seine zwei Vorgänger. Auch die wesentlichen Aspekte des Buches wurden meist überzeugend dargestellt, doch die Geschichte um Harrys Eltern und ihren Tod kommt eindeutig zu kurz und nimmt der Verfilmung die rührende Atmosphäre, die das Buch prägte. Absolut sehenswert ist der dritte Teil trotzdem, endlich nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf und verlässt endgültig das Kinderfilmgenre.

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