Montag, 25. August 2014

Filmkritik: Die Säulen der Erde


Eine Verfilmung von Ken Folletts 1990 erschienenen Weltbestseller „Die Säulen der Erde“ ließ lange Zeit auf sich warten. 2010 kam dann eine vierteilige Miniserie von etwa 400 Minuten Länge heraus, bei der Sergio Mimica-Gezzan Regie führte und in der Matthew Macfadyen (Philip), Eddie Redmayne (Jack), Rufus Sewell (Tom) und Ian McShane (Waleran) die Hauptrollen übernahmen. Die Handlung spielt im England des Hochmittelalters zur Zeit der so genannten „Anarchy“, einem 20jährigen Bürgerkrieg um die Thronfolge zwischen der Tochter des verstorbenen Königs Mathilde und seinem Neffen Stephan. Derweil versucht der Baumeister Tom Builder zusammen mit seinem Sohn Alfred und seinem Stiefsohn Jack, den Bau einer eindrucksvollen Kathedrale im maroden Kloster von Kingsbridge anzuleiten, das der neue Prior Philip in Stand setzen will, was jedoch immer wieder von den wechselnden politischen Verhältnissen beeinflusst wird…

Der Film hielt sich nur grob an die Buchvorlage, kann also eher als Anlehnung an den Roman gesehen werden. Generell wurden viele Handlungsstränge verkürzt und versimpelt, dafür aber eher dramatischere Elemente in die Serie gepackt, die oftmals schon ein wenig an so etwas wie eine Seifenoper erinnern. Das wichtige Element des Romans, nämlich die Entwicklung der Baukunst in der damaligen Zeit, tritt demgegenüber ziemlich in den Hintergrund. Die unzähligen Änderungen sind gar nicht angemessen darzustellen, daher nur ein paar kurze Beispiele: in der Serie spielten die Geschehnisse in Lincoln, als Philip zum König Stephan reiste, eine weitaus größere und dramatischere Rolle als im Buch. In der Verfilmung wird Philip von Jack begleitet und beide sterben beinahe. Jack wird sogar für eine Zeit als tot dargestellt und Philip wird ganz kurz vor dem Erhängen noch gerettet, was die Handlung vollkommen dramatisiert und ins Absurde abdriften lässt. Auch wurde die Vorgeschichte mit dem Tod des eigentlichen Thronfolgers, aus dem erst der lange Bürgerkrieg zwischen Mathilde und Stephan resultierte, stark geändert, sehr übertrieben melodramatisch dargestellt, ebenso die damit verbundene Geschichte von Jacks Mutter und Vater. Auch gegen Ende der Serie wurde mit einer Gerichtsverhandlung gegen Jack die Handlung noch einmal völlig dramatisiert und übertrieben, infolgedessen stürzt auch Bischof Waleran, der langjährige Gegner der Kathedrale, vom Dach der Kathedrale, anstatt entmachtet wie im Buch weiterzuleben. Somit ist den Machern der Serie generell eher keine glückliche Änderung zur Buchvorlage gelungen. Da Ken Follett an der Produktion beteiligt war und sogar eine kleine Rolle übernahm, scheint er wohl mit den Änderungen einverstanden zu sein, was ich nicht nachvollziehen kann.
Was der Serie sehr gut gelingt, ist das Aufleben lassen der mittelalterlichen Welt, in die man wirklich über 400 Minuten versetzt wird und die meistens akkurat dargestellt ist. Auch die Willkür, der die einfachen Menschen durch den Adel ausgesetzt waren, was im Buch sehr deutlich gemacht wird, wird sehr gut herausgearbeitet, weniger leider wie erwähnt die spannende Darstellung der architektonischen Entwicklung, die das Buch erst zu dem macht, was es ist. Da dies ein wesentliches Element des Romans war, hätte ich mir eine genauere, detaillierte Behandlung dieser Thematik mehr als gewünscht. Hier wurde abermals die Chance vertan, der Serie mehr Tiefe zu verleihen. Die Schauspieler liefern im Großen und Ganzen solide Leistungen ab, vor allem die Darsteller von Philip, Tom und Jack würde ich deutlich positiv hervorheben. Generell wirkten einige Rollen viel zu übertrieben und oftmals schmalzig, was natürlich auch größtenteils am Drehbuch lag. Leider gelang am Ende, als einige Jahre übersprungen wurden, um die fast fertige Kathedrale zu zeigen, die Alterung der Charaktere nicht besonders gut, die leider ein wenig lächerlich aussahen oder scheinbar gar nicht gealtert waren.

Fazit

Insgesamt für mich keine überzeugende Verfilmung von Folletts Bestseller, dafür weist die Serie zu viele Mängel auf. Die Änderungen sind oftmals kaum gelungen und trugen bloß zur Versimplung der Handlung bei, so dass auch die überzeugenden Leistungen von Matthew Macfadyen, Rufus Sewell und Eddie Redmayne das Niveau nicht entscheidend heben konnten. Wer auf recht seichte, aber immerhin spannende Unterhaltung steht, wird mit der Serie zufrieden sein. Ich würde auch nicht komplett vom Gucken abraten, euch aber viel eher die Lektüre des guten Buches empfehlen, da hat man deutlich mehr von.

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