Montag, 7. Juli 2014

Rezension: Verachtung - Der vierte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q (Jussi Adler-Olsen)


dtv
Taschenbuch, 560 Seiten
ISBN: 978-3-423-19900-1
14,90 €



Ein kurzer Einblick

Anfang September 1987 verschwanden fünf Menschen, die nie wieder aufgetaucht sind. Die Akte einer der Vermissten landet 2010 im Sonderdezernat Q und schnell stellt sich heraus, dass diese alte Geschichte, in der eine gewisse Nete Hermansen im Mittelpunkt steht, auch in der Gegenwart noch gefährliche Kreise um Carl Mørck und seine Assistenten zieht. Doch nicht nur diesen Fall gilt es zu lösen…


Bewertung

Man sollte meinen, dass sich Mørck, Rose und Assad nach dieser langen Zeitspanne (der erste Band spielte 2007) mittlerweile eingespielt haben, doch das Gefühl hatte ich nicht. Bis ihn das „Jagdfieber“ bei diesem neuen Fall gepackt hat, ist Mørck noch immer der arbeitsscheue Typ, der seine beiden Assistenten gerne alleine arbeiten lässt und kaum Interesse für seine Mitarbeiter zeigt. Das familiäre Informationen über die einzelnen Figuren nur häppchenweise an die Leser weitergegeben werden finde ich sehr gut, doch dass Mørck noch immer nicht weiß, wo Assad eigentlich wirklich wohnt, ist doch recht beschämend für einen Leiter eines Sonderdezernates. Hier sollte im nächsten Band dahingehend mal eine charakterliche Weiterentwicklung stattfinden. Über Assad erfährt der Leser dementsprechend leider nicht viel neues, einzig über Roses Persönlichkeitsstörung wird etwas Licht ins Dunkel gebracht.
Was es letztlich wieder herausreißt, ist der Erzählstil von Adler-Olsen, der mir wahnsinnig gut gefällt. Er baut im Laufe der Geschichte immer mehr Spannung auf und es schwingt auch eine gewisse Vorahnung der kommenden Geschehnisse darin mit, die einen immer weiterlesen lassen.
Wer die ersten drei Bände über das Sonderdezernat Q gelesen hat, wird inhaltlich auch nicht überrascht sein: In guter alter Manier bleibt sich Adler-Olsen treu und lässt den Leser abwechselnd zwischen der Gegenwart (November 2010) und 1987 hin und her wechseln. Und auch hier spürt man wieder ganz stark den Kontrast zwischen dem Humor und der Leichtigkeit, welche Mørck und seine beiden Assistenten versprühen – und manchmal geradezu groteske Züge annimmt, wie bei dem Disput über die Nutzung der Toilette – und der Ernsthaftigkeit des Themas. Adler-Olsen hat hier ein brisantes politisches Thema aufgegriffen: die Zwangssterilisierungen von Frauen in den 50er-Jahren auf der dänischen Insel Sprogø nach der damals geltenden Rassenhygiene. Er verbindet dieses Thema sehr gut mit der Gegenwart und zeigt, wie aktuell und auch gefährlich das damalige Gedankengut in manchen Köpfen noch immer ist.

Fazit

Mit einer charakterlichen Weiterentwicklung der Hauptcharaktere kann Adler-Olsen in diesem vierten Band zwar nicht gerade glänzen, doch führt er seine Thriller-Reihe in gewohnt spannender Weise mit einem brisanten Thema fort, der auch wieder Lust auf den nächsten Band macht.

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen