Sonntag, 13. Juli 2014

Rezension: Projekt Globaler Wegwerf-Wahnsinn (Michael Schieferstein)



Taschenbuch, 134 Seiten
ISBN: 978-3-000-41267-7
13,90 €

Ein kurzer Einblick

Er ist Küchenmeister, Ausbilder und u.a. auch als Sachverständiger im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestages tätig: Michael Schieferstein. Mit diesem Buch hat er eine Herzensangelegenheit von sich veröffentlicht und prangert mit Fakten, Rezepten und Hinweisen für jeden Ottonormalverbraucher die weltweite Lebensmittelverschwendung an.

Bewertung

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, als ich den Film „Taste The Waste“ von Valentin Thurn gesehen habe. Für einen – wie ich finde – akzeptablen Preis bekommt man dieses handliche Büchlein und man merkt beim Lesen schnell, dass Schieferstein hier über ein Thema spricht, dass ihm sehr am Herzen liegt und er darum kämpft, den Missstand der Lebensmittelverschwendung zu beenden. Er spricht offen und geradewegs aus, was er denkt, und hat seinem Buch damit eine sehr persönliche Note gegeben.
Michael Schieferstein will wachrütteln und stellt verschiedene Lösungsansätze vor. Um die Wertschätzung und Nachhaltigkeit von Lebensmitteln zu vermitteln, schlägt er u.a. vor, in den Schulen gezielt den sinnvollen Umgang mit Nahrungsmitteln zu unterrichten, damit die nächste Generation wieder bewusster Essen lernt. Er fordert auch die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD), denn dieses wird von den Produzenten in Eigenregie festgelegt und – dazu muss man nicht studiert haben, um diese einfache Rechnung zu begreifen – je schneller das MHD abläuft und die Produkte somit aus den Regalen in den Müll wandern, um mit neuen Produkten ersetzt zu werden, desto mehr verdienen die Hersteller. „Geiz ist geil“ eben… Aber auch bei den Verbrauchern führt diese Geiz-ist-geil-Mentalität dazu, dass bei speziellen Supermarktangeboten mehr eingekauft wird, als mal zuhause benötigt und wenn dann wieder das MHD greift, schmeißen viele Leute die Lebensmittel weg, obwohl sie vielleicht noch voll und ganz genießbar sind.
Schieferstein spricht aber auch ein anderes grundlegendes Problem an: „Das Schönheitsideal unserer Gesellschaft macht vor den Lebensmitteln nicht Halt.“ (Seite 115) Würden wir komisch aussehendes oder nicht normgerechtes Obst und Gemüse kaufen, wenn es im Supermarkt ausliegt? Die Verantwortlichen in den Märkten denken nein und deshalb werden bei Lieferungen diese bereits aussortiert und landen – sofern es nicht an eine Tafel etc. abgegeben wird – im Müll.
Wenn man als Privatperson etwas gegen diese Missstände unternehmen will, sollte man nicht auf das große Ganze schauen, denn das führt meist zu Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts des gigantischen Ausmaßes. Es ist vielmehr wichtig, dass man bei sich im Kleinen anfängt. Schieferstein gibt hier praxisnah Tipps zum Einkauf und Lagerung von Lebensmitteln und der saisonalen Verfügbarkeit von Obst und Gemüse. Er hat auch 40!! Rezepte in sein Buch aufgenommen, die vom grundlegenden Gemüsefond über Kartoffel-Brokkoli-Auflauf bis hin zu Vitamin-Cocktails reichen.
Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, war insgesamt die Aufteilung des Buches. Im Hauptteil reihen sich die Rezepte Reih an Glied, so dass ich mich teilweise fast wie erschlagen fühlte. Einige hätten sicherlich auch zwischen der Stellungnahme im Mainzer Landtag und dem darauffolgenden beantworteten Fragenkatalog hingepasst.

Fazit

Der Frontmann der FoodFighters hat mit diesem Buch einen Mix aus Fakten, Lösungsvorschlägen und sehr persönlicher Meinung herausgebracht. Ob man den Aufbau des Inhaltes gut findet oder nicht, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall ist es gut, immer wieder über solch wichtige Themen zu berichten, denn nur wo Druck gemacht wird, kann sich auch was bewegen. Von daher habe ich höchsten Respekt vor dem Engagement, den Michael Schieferstein an den Tag legt, immer wieder Zeichen gegen diese Wegwerfmentalität von Lebensmitteln zu setzen.



4,5 von 5 Punkten

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