Sonntag, 6. Juli 2014

Rezension: Große Ärsche auf kleinen Stühlen (Benni-Mama)


Fischer Taschenbuch
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-596-19716-3
8,99 €



Ein kurzer Einblick

Wo kann man sich als Eltern so richtig austoben? Ausgiebig streiten und seine Meinung versuchen durchzusetzen? Richtig: Im Kindergarten. Der kleine Ben ist mit seinen Eltern in der Elterninitiativ-Kita „Wilde Schlümpfe“ gelandet und da geht es so richtig ab. Von Kopfläusen, Hexenverbrennungen am Wandertag bis zum ewigen Duell, ob Jungs oder Mädels die besseren Kinder sind, erlebt Benni-Mama Heiteres und Unmögliches, welches sie in vielen kurzen Kapiteln erzählt.

Bewertung

Die Kleinstadt in der ich wohne scheint eine Ausnahme im System der Krippenanmeldungen zu sein. Wenn man sein Kind vor der Geburt anmelden will, wird man prompt nach Hause geschickt mit den Worten, man solle erst wiederkommen, wenn der oder das Kleine geboren ist. Und dann füllt man auch nur einen knappen Anmeldebogen aus mit zwei Wunschalternativen und bekommt irgendwann viel später Bescheid, wohin die Stadt einen gesteckt hat. Benni-Mama hatte nicht so ein Glück. Ellenlange Wartelisten bis in den dreistelligen Bereich, Bettel- und Bestechungsorgien und regelrechte Bewerbungsgespräche um diese begehrten Plätze waren für sie an der Tagesordnung. Aus Gesprächen mit Freunden weiß ich, dass das leider wirklich Alltag in Deutschland ist. Das ist echt deprimierend und da ist es auch kein Wunder, wenn frischgebackene Mütter und Väter schon kurz nach der Geburt heillos überfordert sind und die Zeit nicht richtig genießen können.
Benni-Mama schwingt mit diesem Buch jedoch nicht den Zeigefinger, sondern bringt diese Missstände auf witzige und sarkastische Weise rüber. Eine sehr elegante Methode wie ich finde, denn ansonsten müsste man bei dem Thema einfach nur heulen. Insgesamt ist Humor bei dieser Lektüre angesagt. Durch ihren witzigen Schreibstil kann man es sehr schnell lesen und auch die x-te Episode verliert nicht ihren Unterhaltungswert.
Auf überspitzte Art und Weise werden auch sechs Persönlichkeiten vorgestellt, denen man als Elternteil (wohl oder übel) irgendwann über den Weg läuft und mit denen man sich arrangieren muss: Da haben wir zum Einen die übervorsichtige Mutti, die ihren Sohn z.B. auf keinen Fall nach draußen lässt, wenn es regnet. Oder den Vati, der den Durchblick bei den neuen Medien hat und stets auf seinem Smartphone rumwischt. Der alleinerziehende Vati, der von allen bewundert wird für das, was er auf die Reihe bekommt, nur nicht von der alleinerziehenden Mutti - die sich um alles kümmert, was sonst keiner machen will - denn bei ihr schert sich keiner drum. Dann haben wir noch die kreative Mutti, die immer mit neuen Ideen kommt, welche meist ignoriert werden, und eine, die natürlich auf keinen Fall fehlen darf: Bio-Bärbel. Der Name sagt, denke ich, alles. Und während die Kinder stets normal miteinander umgehen, führen die Eltern Streitgespräche, einen ständigen Konkurrenzkampf, wer die tolleren Partys schmeißt, oder das bessere Kind hat, und leben eine Doppelmoral aus, über die man als Leser echt nur den Kopf schütteln kann. Da kommt man wirklich zu der Erkenntnis, welche bereits auf den Buchrücken verewigt wurde: „Die einzig vernünftigen Menschen in einem Kindergarten sind die Kinder.“

Fazit

Dieses Buch spiegelt sehr schön den Kampf junger Eltern in unserer Gesellschaft. Wie will man seine Kinder erziehen? Nimmt man lieber Biowaren oder begnügt man sich mit denen aus den Discountern? Benni-Mama hat es auf spritzige Art und Weise geschafft, eine lustige Lektüre aus diesen unter Eltern und Experten viel diskutierten Themen zu machen. Für alle, die entweder schon Kinder haben oder bekommen wollen, aber auch für die, die Gründe suchen, keine Kinder zu bekommen, lohnen sich diese 240 Seiten. Zum Lesen, Lachen und Nachdenken.

4 von 5 Punkten

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