Sonntag, 27. Juli 2014

Rezension: Es wird keine Helden geben (Anna Seidl)

Oetinger Verlag
Gebunden, 256 Seiten
ISBN: 978-3-7891-4746-3
14,95 €

Ein kurzer Einblick

Der Schultag beginnt wie eh und je, doch endet er für Miriam und alle anderen in einer Katastrophe. Ein Amokläufer schießt wahllos Schüler nieder. Miriam und ihre Freundin verstecken sich auf dem Jungenklo. Als sie sich dort hinaus traut, entdeckt sie ihren Freund Tobi schwer verletzt im Flur liegen...

Bewertung

Romane, die einen Amoklauf beschreiben und die Geschehnisse der Menschen hinterher aufzeichnen, lese ich immer mit einem gemischten Gefühl. Das Thema ist mehr als heikel und kann schnell misslingen. Anna Seidl hält mit ihrem Roman aber die Balance und zeigt gut das Seelenleben ihrer Hauptprotagonistin Miriam, wie auch der Nebenfiguren, und driftet nicht zu sehr in klischeehafte Vorstellungen ab.
Aber eine Sache gab es dennoch, mit der ich nicht klargekommen bin. Miriam erscheint mir nicht wie eine 15-Jährige. Von ihren Erzählungen her und was sie so getan hat, kommt sie mir eher wie eine 17-Jährige vor.
Die emotionalen Zusammenbrüche, die Verwirrung, die Frage nach dem Sinn unseres Daseins sind von der Autorin Anna Seidl ganz gut beschrieben worden. Miriam kann man in vielen Sachen verstehen, manche kann man besser nachvollziehen als andere, aber dennoch bleibt sie immer irgendwie authentisch. Wie es einem Hinterbliebenen nach einem Amoklauf wirklich geht, kann kein Roman der Welt wirklich nachvollziehen, aber man merkt, dass Anna Seidl sich bei diesem Roman schon Mühe gegeben hat, in die Welt der Hinterbliebenen vorzudringen. Ein bisschen stereotypisch sind die Charaktere trotzdem. Eine Freundin von Miriam zieht sich total zurück, eine andere versucht ihren Schmerz mit illegalen Rauschmitteln zu betäuben. Natürlich sind dies alles Verhaltensmuster, die nach einem traumatischen Erlebnis auftreten können, aber alle in die Clique von Miriam zu pressen, ist dann doch übertrieben.
Miriam selbst mag ich als Charakter. Ihre zurückkehrende Mutter gefällt mir als Charakter auch gut. Dies gibt dem Roman einerseits noch einmal Würze, da von Miriam nicht nur der Amoklauf verarbeitet werden muss, sondern auch das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter.
Den Blickwinkel auf den Amokläufer finde ich auch sehr gut getroffen und es gibt innerhalb des Romans ein Umdenken bei Miriam. Dies ist nicht neu, aber wurde auch hier nett von der Autorin aufgegriffen und in die Geschichte mit eingeflochten.

Fazit

Ein schwieriges Thema wurde von Anna Seidl gut aufgegriffen und zu einem Roman verarbeitet. Kleine Schwächen sind vorzufinden, aber fallen beim Lesen nicht wirklich ins Gewicht. 

4 von 5 Punkten

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