Montag, 28. Juli 2014

Rezension: Das Herz ihrer Tochter (Jodi Picoult)


Piper
Hardcover mit Schutzumschlag, 464 Seiten
ISBN: 978-3-492-05300-6
19,95 €
Taschenbuch, 504 Seiten
ISBN: 978-3-492-26376-4
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Als June Nealon 1996 hochschwanger den Handwerker Shay Bourne engagiert, das neue Kinderzimmer fertigzustellen, ahnte sie nicht, dass sie wenig später den Tod ihres zweiten Mannes und ihrer Tochter Elizabeth verkraften muss, die von eben jenem unscheinbaren Handwerker umgebracht worden sein sollen. 11 Jahre später kämpft auch ihre zweite Tochter Claire aufgrund einer Herzkrankheit um ihr Leben. Ausgerechnet der auf seine Hinrichtung wartende Shay will der kleinen Claire sein Herz spenden, doch wird June dieses Angebot annehmen?

Bewertung

Ich kann mir kaum ein schlimmeres Schicksal als das beschriebene für eine Mutter vorstellen. Jodi Picoult schafft es aber, nicht zu sehr ins Sentimentale abzudriften, sondern dieses schwierige Thema zwar sehr gefühlvoll, aber auch spannend und mysteriös zu erzählen.
Die Autorin verwendet dabei einen Aufbau, der die Geschichte nicht geradlinig voranbringt, sondern diese wird aus der Sicht folgender Personen erzählt: June Nealon, Lucius - dem Zellennachbar von Shay, Maggie - Shay's Anwältin, die darum kämpft, dass die Todesstrafe verboten wird, Father Michael - der in der Jury saß, die Shay zum Tode verurteilt hat, und auch Claire Nealon selbst.
Der Titel lässt vermuten, dass June und ihre todkranke Tochter Claire im Mittelpunkt stehen. Dem ist aber nicht so. Vielmehr geht Jodi Picoult hauptsächlich auf religiöse Überzeugungen ein. Nicht umsonst heißt der Protagonist Isaiah Matthew (Shay) Bourne, kurz I. M. Bourne, was - ausgesprochen - so klingt wie „I am born“. Diese Anspielung auf Jesus Christus wird noch dadurch verstärkt, dass Shay ebenfalls Wunder vollbringen soll. Diese Dinge haben mich auch stark an den Charakter John Coffey - kurz: J. C. - aus „The Green Mile“ von Stephen King erinnert. Manches erscheint regelrecht wie eine Nacherzählung, andere Wendungen hätten der Geschichte durchaus gutgetan.
Es ist aber faszinierend, Picoults Abhandlung über die gnostischen Evangelien zu lesen, und mit den Themen Organtransplantation, Kindesmissbrauch und Ablehnung der Todesstrafe kehrt der Roman auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Am Ende gibt die Autorin auch noch eine kleine Abhandlung zu ihrer Recherche, die wirklich sehr interessant ist.

Fazit

Jodi Picoult vermischt hier gekonnt mehrere Themen zu einer einfühlsamen und spannenden Geschichte, die zwischen den Zeilen viel mehr versteckt, als nur das Offensichtliche. Gerade Eltern sollten sich diverse Hinweise zu Herzen nehmen und diesen Roman aufmerksam lesen.

4 von 5 Punkten

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