Mittwoch, 23. Juli 2014

Filmkritik: Harry Potter II - Harry Potter und die Kammer des Schreckens


Auch der zweite Film der Harry Potter-Reihe wurde wie bereits der erste Film von Chris Columbus gedreht und behandelt Harry Potters zweites Schuljahr in Hogwarts, das er beinahe gar nicht antreten kann. In den Schulferien bekommt er nämlich plötzlich Besuch von einem Hauselfen namens Dobby, der unbedingt verhindern will, dass Harry nach Hogwarts zurückkehrt, da dort im kommenden Schuljahr etwas Furchtbares geschehen soll. Dann kommen Ron und Harry auf einmal nicht mehr durch zum Hogwartsexpress und müssen mit dem Auto von Rons Vater nach Hogwarts fliegen, weshalb ihnen der Schulverweis droht. Letztendlich müssen sie zur Bestrafung bloß nachsitzen, doch die Freude darüber währt nicht lange, als die Katze des Hausmeisters versteinert aufgefunden wird. Dobbys Warnung scheint sich zu bewahrheiten, irgendein Ungeheuer treibt sein Unwesen in der Schule, das aus der Kammer des Schreckens stammen soll. Doch diese wurde niemals entdeckt, so dass sich Harry, Ron und Hermine daran machen, das Geheimnis um die Kammer des Schreckens zu lösen…

Wie auch schon die erste Verfilmung der Harry Potter-Serie ist auch diese relativ nah am Buch geblieben, was aufgrund des noch nicht so großen Umfangs der Buchvorlage recht leicht zu bewerkstelligen war. Einige größere Änderungen wurden jedoch dennoch vorgenommen, oftmals sicherlich aus Kürzungserwägungen. So fehlen z. B. die Todestagsfeier des Fast Kopflosen Nicks (einer der Geister von Hogwarts), was nicht weiter tragisch war, da diese Geschichte nicht viel Bedeutung für die Haupthandlung hat, und die Geschehnisse rund um den Valentinstag, die auch nicht so bedeutend für die Gesamtgeschichte sind, wenn auch dadurch einige lustige Szenen fehlen. Außerdem wurden die Kampfszenen in der Kammer des Schreckens im Verhältnis zum Buch stark ausgeweitet, dafür Harrys wichtiges Gespräch am Ende mit Dumbledore recht gekürzt, also wieder mehr Wert auf Action als auf die Tiefe der Handlung gelegt, was ich generell nicht befürworte und somit bei diesem Film kritisieren möchte. Die Legende um die Kammer des Schreckens wird im Film von der Lehrerin McGonagall erzählt, nicht wie im Buch vom Lehrer Binns, der in den Filmen schließlich überhaupt nicht auftaucht, was aber wieder für die Handlung nicht wirklich von Bedeutung ist. Außerdem wird Hermine vom Monster allein angegriffen und nicht wie im Buch zusammen mit einer anderen Schülerin, was aber wieder kaum Auswirkungen auf die Gesamthandlung hat. Wichtiger fand ich einige Ungenauigkeiten, die im Zusammenhang mit Zaubersprüchen auftraten: so zaubert zu Beginn des Films Hermine in der Winkelgasse, obwohl es minderjährigen Zauberern nicht erlaubt ist, außerhalb der Schule Magie anzuwenden. Da dieses Verbot im weiteren Verlauf noch von großer Bedeutung ist, hätte ich mir seine korrekte Wiedergabe im Film gewünscht, bereits im nächsten Film wird es richtig angewendet. Des Weiteren wird zum ersten Mal der für die gesamte Geschichte so enorm wichtige Entwaffnungszauber (Expelliarmus) beim Duellierclub gezeigt, aber falsch dargestellt. Snape wendet diesen gegen den neuen Lehrer Lockhart an, der aber bloß nach hinten fliegt und nicht seinen Zauberstab verliert, was der Zauberspruch eigentlich bewirkt. Da er für große Bedeutung für die Gesamthandlung im weiteren Verlauf ist, sollte er auch im Film richtig wiedergegeben werden, was hier leider versäumt wurde. Außerdem versucht Lucius Malfoy, der Vater von Draco Malfoy, am Ende des Films den Todeszauber (Avada Kedavra) gegen Harry anzuwenden, was die Handlung komplett dramatisiert, so als ob Malfoy wirklich innerhalb der Schule versuchen würde, Harry direkt unter Dumbledores Fittiche zu ermorden.
Somit bin ich zwar mit einigen Änderungen des Films nicht besonders einverstanden, kann ihn aber wieder nur für die Ausgestaltung dieser phantastischen Welt von Joanne K. Rowling loben, die toll zum Leben erweckt, ähnlich wie im Buch noch weiter entwickelt wird und auch die Einblicke, die das Buch in das Sozialgefüge der Zaubererwelt gibt, gelungen aufgreift. Neue Figuren wie Dobby, Lockhart und Malfoy werden überzeugend eingeführt, wobei vor allem Kenneth Branagh als der selbst verliebte, eitle, sich selbst überschätzende neue Lehrer Gilderoy Lockhart überzeugt und für allerlei Lacher sorgt. Neben ihm brilliert Alan Rickman abermals in seiner Rolle als Severus Snape und auch die Kinderschauspieler werden allmählich besser und geben ihren Rollen mehr Tiefe. Am besten gelingt dies wiederum Rupert Grint als Ron, der ähnlich wie Lockhart für viele Lacher sorgt.
Ähnlich wie der erste Film führt auch dieser uns somit in diese Welt um Hogwarts ein, bereitet die eigentliche Geschichte, die mit Film 3 erst richtig beginnt, noch vor und ist auch wie der erste noch eher als Kinderfilm zu sehen, was auch sein häufiges Verbleiben an der Oberfläche und sein fehlender Tiefgang zeigen. Da er sehr nah noch am Buch geblieben ist, ist auch das Wesentliche der Buchvorlage drin, wenn auch insbesondere Harrys Zweifel, was seine Herkunft und seine potentielle Verwandtschaft mit Slytherin angehen, nicht so deutlich werden wie im Buch. Man hat sicherlich in einem Film weniger Platz dafür, solche Entwicklungen angemessen darzustellen, doch dadurch fehlt ihm eben auch im Vergleich zum Buch einige Wärme und die oftmals nun erwähnte Tiefe. Trotzdem ist diese Verfilmung spannend und unterhaltsam bis zum Schluss, ihre zweieinhalb Stunden merkt man ihr keineswegs an und man sitzt während des Abspanns nicht enttäuscht vorm Fernseher, aber auch nicht begeistert.

Fazit

Die zweite Verfilmung zur Harry Potter-Reihe kann mit der ersten mithalten, setzt deren Entwicklung der Zaubererwelt fort und bietet spannende und solide Unterhaltung, ohne den Zuschauer komplett zu begeistern. Die erneute Realisierung der Phantasiewelt von Rowling gelingt wieder beeindruckend und auch einige Schauspieler wie Kenneth Branagh, Alan Rickman und Rupert Grint können komplett überzeugen und sorgen für viele Lacher. Das Wesentliche der Buchhandlung wird wiedergegeben, wobei auch dieser Film sich vielleicht zu stark am Buch orientiert und zu wenig eigene Akzente setzt, was jedoch mit dem kommenden dritten Film nun sein Ende finden wird, was sich dann hoffentlich auch auf die Qualität der nächsten Verfilmungen auswirken wird…

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