Donnerstag, 3. Juli 2014

Filmkritik: Harry Potter I - Harry Potter und der Stein der Weisen

  

Als großer Fan der Harry Potter-Bücher wollte ich mich nun einmal daran machen, auch die acht Verfilmungen für euch zu bewerten, die in den folgenden Wochen nacheinander kommen werden. Der erste Film, bei dem genauso wie beim zweiten Chris Columbus Regie führte, behandelt, wie sicherlich alle wissen, das erste Buch der Reihe, wie auch alle anderen Nachfolgebände in jeweils einem Film dargestellt wurden, bis auf den letzten, der auf zwei Filme verteilt wurde. Zu Beginn begegnen wir dem noch 10jährigen Waisenjungen Harry, der erst an seinem 11. Geburtstag erfährt, dass er ein Zauberer ist und von nun an an die Zaubererschule Hogwarts gehen soll, wo er in Ron und Hermine schnell zwei gute Freunde findet, ganz viel Zauberei lernt, viele Abenteuer erlebt und bereits gegen das Böse in Form von Lord Voldemort kämpfen muss…

Was die Verfilmung des ersten Bandes (wie auch des zweiten) kennzeichnet, ist die sehr genaue Orientierung an der Buchvorlage, was auch durch die verhältnismäßige Kürze beider Bücher im Vergleich zu den Bänden 3 – 7 zu erklären ist. Es musste nicht sehr viel von der Handlung geändert werden, um zu kürzen. Bei einigen Szenen wurde es jedoch trotzdem getan, etwa beim Anfang des Filmes, der direkt mit Harrys Ankunft bei den Dursleys, seinen letzten Verwandten, einsetzt und nicht wie im Buch mit einem Tag aus dem Leben des Dursleys, was ich aber für eine stimmige Änderung zum Buch halte, setzt der Film doch den Fokus auf Harrys Geschichte, der gerade nach dem Tod seiner Eltern nun bei den Menschen ankommt, die die nächsten 10 Jahre seines Lebens entscheidend beeinflussen werden. Eine andere größere Änderung betrifft Hagrids Drachengeschichte, die zum Nachsitzen (zumindest im Buch) von Harry, Hermine, Neville und Malfoy im Verbotenen Wald führt. Im Buch helfen sie Hagrid, den Drachen loszuwerden, im Film verpetzt Malfoy bloß Harry, Ron und Hermine, als diese nachts Hagrid besuchen, Neville taucht im Film in dieser Geschichte gar nicht auf. Auch hier geschah dies schließlich aus Kürzungserwägungen, die ich auch nicht kritisieren möchte, da ich auch die Geschichte im Buch ein wenig weit hergeholt fand, so dass es mich nicht störte, dass dieser Handlungsstrang nicht mehr auftauchte. Der Weg zum Stein der Weisen wurde ebenso etwas verkürzt, die Rätsel bzw. Gegner von Snape und Quirrell fehlen komplett. Zumindest Snapes Rätsel hätte ich mir im Film gewünscht, ohne es wird das Überwinden der Hindernisse zu sehr auf Harrys Fähigkeiten reduziert und auch sein alleiniges Weitergehen ohne Hermine nicht schlüssig gemacht. Insgesamt bedeuten die Änderungen zur Buchvorlage aber keine wesentliche Veränderung der Aussagen des Buches, wenn auch durch das Weglassen bzw. der Duellsituation mit Malfoy die drei Freunde etwas braver als im Buch daherkommen. Was mich aber wirklich störte, war zu Beginn der Moment, als Hagrid Harry erzählt, dass er ein Zauberer ist und dass seine Eltern nicht bei einem Autounfall gestorben sind. Er sagt es ihm ganz feierlich, im nächsten Moment regt er sich aber auf, dass die Dursleys dies Harry immer verschwiegen haben. Man fragt sich, warum er im ersten Moment Harry diese Tatsache wie eine Neuigkeit präsentiert, im nächsten Moment aber überrascht ist, dass Harry dies noch gar nicht wusste. Da ist dem Drehbuchautoren irgendwie ein Denkfehler unterlaufen, der offensichtlich auch sonst niemandem aufgefallen ist, dies hätte geglättet werden können, ansonsten kann ich an den Änderungen nicht wirklich etwas aussetzen.
Was diesem ersten Film ansonsten herausragend gelingt, das ist das Ins Leben rufen dieser Phantasiewelt von Joanne K. Rowling, was in meinen Augen besser nicht hätte getan werden können. Tolle Kulissen und Kostüme wurden angefertigt, im Verhältnis zu den späteren Filmen auch noch sehr viel auf Location und nicht im Studio gedreht, wie etwa viele mittelalterliche englische Klöster und Colleges für Teile von Hogwarts genutzt wurden, was diese fast 1000jährige Schule sehr realistisch wirken ließ. Auch die Musikauswahl passte gut zum Film, vor allem die Hauptmelodie, die mittlerweile sicherlich fast jeder mit Harry Potter assoziiert. Auch die Schauspieler konnten weitestgehend überzeugen. Nicht alle Kinder waren sehr überzeugend, auch wenn man durchaus bedenken muss, dass dieser Film für die meisten ihre erste professionelle schauspielerische Arbeit darstellte. Emma Watson und Rupert Grint als Hermine und Ron fand ich von den Kinderschauspielern sicherlich am besten, Daniel Radcliffe als Harry konnte mich nicht immer komplett überzeugen, war aber in meinen Augen auch nicht so schlecht, wie oftmals behauptet wird. Von den Erwachsenen überzeugten mich allen voran Richard Harris als Dumbledore, der für mich nicht besser hätte verkörpert werden können, und natürlich Alan Rickman als Snape, der durchweg in allen Filmen Snape dermaßen überzeugend spielt, dass man wirklich das Gefühl hat, dieser sei aus den Buchseiten herausgestiegen.
Generell kann man diesen ersten Film als guten Anfang der Harry Potter-Filmreihe bewerten, der wie das Buch in diese Welt einführt, die Orte und Personen vorstellt und den Konflikt zwischen Harry und Lord Voldemort einleitet. Man merkt ihm an, dass er wie auch die Buchvorlage noch eher für Kinder geschaffen wurde, die Handlung ist nicht sonderlich komplex und geht nicht wirklich tief, Langeweile taucht aber auch nicht trotz einer Filmlänge von zweieinhalb Stunden auf. Allerdings fehlt dem Film doch ein wenig die Emotionalität des Buches, was ich als größten Schwachpunkt des Films ansehen würde.

Fazit

Eine gelungene Verfilmung des ersten Bandes der Harry Potter-Reihe, der sich stark (vielleicht ab und zu zu stark) am Buch orientiert und somit wenig eigene Akzente setzt, vielmehr die Handlung des Buches meist nur nach und nach abarbeitet. Das Realisieren und auf die Leinwand bringen dieser phantasievollen Welt von Rowling gelingt aber beeindruckend. Wie das Buch führt uns der Film in diese Welt und ihre Protagonisten ein, bietet nette, wenn auch nicht tiefgehende Unterhaltung, aber stellt durchaus eine passende Einleitung in die Geschichte um Harry und Voldemort dar.

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