Donnerstag, 5. Juni 2014

Rezension: Muss ich das alles lesen, Frau Professor? (Alix Both)

Ullstein Buchverlage
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-54837-485-7
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Nach Studium, Promotion und Habilitation erhält Alix Both mit nur 38 Jahren ihre erste Vertretungsprofessur. Ein Semester lang soll sie eine bekannte Geschlechterforscherin vertreten. Voller Elan und Idealismus stürzt sie sich in diese Aufgabe. Doch es dauert nicht lange, bis sie merkt, dass der Uni-Alltag nicht so funktioniert, wie sie es sich vorgestellt hat. Mal könnte sie lachen, mal ist sie geschockt, doch immer verwundert, über manches Verhalten und bestimmte universitäre Abläufe…

Bewertung

Hält man „Muss ich das alles lesen, Frau Professor?“ mit dem Untertitel „Unerhörtes aus dem Uni-Alltag“ in den Händen, erwartet man einen Roman, der sich mit dem unterschiedlichen Verständnis von Universitätslehrkräften und Studierenden darüber, wie sich wer beim Zusammentreffen in Veranstaltungen oder Sprechstunden verhalten sollte, auseinandersetzt. Doch die Titel suggerieren hier eine falsche Vorstellung. Zwar behandelt der Roman auch diese Facetten des Uni-Alltags, doch steht mehr der berufliche Alltag einer Vertretungsprofessorin in Mittelpunkt, bei dem die Lehre eben nur einen Teil ausmacht.
Vielmehr werden die schwierige berufliche Situation von sogenannten Nachwuchswissenschaftlern, Probleme mit der Sekretärin und studentischen Hilfskräften sowie das Miteinander von Wissenschaftlern behandelt. Diese Anekdoten sind keineswegs humorlos erzählt, doch trägt der Fokus des Romans wohl dazu bei, dass er eher für Wissenschaftler eine amüsierende Unterhaltung bietet als für Studierende.
Lässt man sich auf den Roman ein, erhält man über angenehm leichte Anekdoten jede Menge Einblicke, welche Hierarchien zwischen Wissenschaftlern bestehen, in welch unsicherer sozialer sowie finanzieller Lage sich diejenigen befinden, die es noch nicht zu einer Professur geschafft haben und welche Auswirkungen diese beruflichen Positionen auf das private Leben besitzen. Zudem bietet der Roman einige Einblicke, wie universitäre Lehrkräfte die Arbeitsbereitschaft der Studierenden empfinden. Die sogenannten „Lektionen“ der Romans sind flüssig erzählt, so dass man die etwas mehr als 200 Seiten des Romans schnell herunterlesen kann.
Trotz allem Humor des Romans, der niemals übertrieben wirkt, vermittelt er doch einige wichtige Erkenntnisse. Er zeigt, dass einige Studierende mit falschen Einstellungen und Vorstellungen ihr Studium beginnen und dass es Menschen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, alles andere als leicht haben. Zudem wird eindringlich dargestellt, dass man bei diesem arbeitsintensiven und unsicheren Berufsweg auf keine allzu große Unterstützung hoffen kann.

Fazit

Auf humorvolle, jedoch nicht übertriebene Art und Weise bringt der Roman dem Leser das Leben sogenannter Nachwuchswissenschaftler näher. Deren arbeitsintensiver und zugleich prekärer Alltag ist gut herausgearbeitet und damit vor allem für Wissenschaftler und solche, die gerne in der Wissenschaft tätig wären, interessant. Anders als die Titel vorgeben, hält der Roman für Studierende jedoch wenig Erzählungen bereit, in denen sie erlebte Situationen aus ihrem Uni-Alltag wiederfinden könnten.

3 von 5 Punkten

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