Montag, 2. Juni 2014

Rezension: A Game of Thrones (George R.R. Martin)

Bantam Books
Taschenbuch, 856 Seiten
ISBN: 978-0-553-57340-4
19,95 €


Ein kurzer Einblick

Als Jon Arryn stirbt, soll Eddard – Ned – Stark, langjähriger Freund von König Robert Baratheon und Herr von Winterfell, dessen Nachfolger als Hand des Königs werden. Obwohl dieser aus dem hohen Norden nicht weg will, nimmt er die Verpflichtung schlussendlich doch an und lässt seine Frau Catelyn und die Kinder Robb, Rickon und notgedrungen auch Bran – der aufgrund eines Sturzes im Koma liegt – zurück. Mit seinen Töchtern Sansa – welche den Thronfolger Joffrey ehelichen soll – und Arya macht er sich mit dem königlichen Gefolge auf den Weg in den Süden. Doch bereits auf den Weg zur Hauptstadt kommt es aufgrund der beiden Wölfe, welche die Stark Töchter ihr Eigen nennen, zu Streitereien zwischen den Starks und der Königin Cersei, welche dem stolzen Haus der Lannister entstammt. Und immer mehr gerät Ned Stark in die Intrigen des Hofes, als er versucht, den Wahrheitsgehalt der brodelnden Gerüchteküche herauszufinden: Haben die Lannisters etwas mit dem plötzlichen Tod von Jon Arryn zu tun? Planen sie sogar den Tod von König Robert? Wem von den königlichen Ratsmitgliedern kann man trauen? Und neben all diesen Kabalen schleicht sich auch noch eine andere Wahrheit heran… Der Winter naht!

Bewertung

Zu diesem Buch bin ich über die HBO-Verfilmung gekommen, doch da die deutschen Bände für mich einfach zu viele waren (je zwei deutsche Bände entsprechen einem englischen bei derzeit 5 veröffentlichten Bänden), hatte ich mich entschlossen, das englische Original zu lesen. Ich muss sagen, ich habe es nicht bereut! Denn obwohl es einige Unterschiede zum gelernten Schulenglisch gibt (z.B. „on the morrow“ statt „tomorrow“), war es sehr flüssig zu lesen und auch die typischen Begrifflichkeiten einer mittelalterlich geprägten Welt hat man sich schnell erlesen.
George R.R. Martin hat mit seinem Lied von Eis und Feuer eine Welt erschaffen, dessen Dreh und Angelpunkt in diesem ersten Band die Adelshäuser Baratheon, Lannister und Stark, ihre Beziehungen und Feindschaften zueinander sind. Martin hat dabei eine wahrlich komplexe Welt erschaffen: Im Großen beginnt es mit der Geographie dieser Welt, den klimatischen Bedingungen und Religionen und endet im Detail mit jeder einzelnen handelnden Person. Das Leben erstreckt sich dabei über die Hauptkontinente Westeros und Essos. Der häufigste Handlungsort ist dabei Westeros, über welchen sich die sieben Königreiche erstrecken, die von den jeweiligen Adelshäusern unter der Regentschaft des Königs in der Hauptstadt Königsmund regiert werden. Hoch im Norden von Westeros und nördlich von Winterfell trennt eine gewaltige Mauer die ewig schneebedeckten und eiskalten Lande vom Rest des Königreiches. Die Mauer ist gleichzeitig die Heimat der Nachtwache, eine ganz in Schwarz gekleidete Bruderschaft, die dafür sorgen, dass die jenseits der Mauer lebenden Wildlinge und andere Kreaturen sich nicht zu weit nach Süden vorwagen.
Ich habe schon lange nicht mehr solch ein großangelegtes und ausgeklügeltes Fantasyepos gelesen. Es macht einfach Freude, nach und nach immer mehr von dieser Welt zu entdecken, die Mythen und Legenden zu erfahren und mit den einzelnen Figuren ihren Weg zu gehen. Man merkt sofort, dass der Autor einen sehr großen Wert auf eine ausführliche Charakterzeichnung legt, denn wahrlich keine Figur ist entweder typisch Held oder Bösewicht. Besonders hat mir hier Sansa Stark gefallen: Das elfjährige hochwohlgeborene Mädchen ist zu Beginn der Geschichte nichts weiter als ein naives kleines Ding mit ihren Träumereien von alten Heldengeschichten über edle Ritter und ihrer Schwärmerei für den gut aussehenden Thronfolger Joffrey, dessen Frau sie werden soll. Doch all die (zumeist schlimmen) Ereignisse im Laufe der Geschichte öffnen ihr langsam die Augen und sie macht eine Entwicklung durch, die mich allein ihretwegen zu Band zwei greifen lässt.
Aber auch eine enorme Spannung fesselt einen regelrecht ans Buch, denn schnell ist klar, dass man entgegen der gängigen Buch- und auch Filmpraxis nicht damit rechnen darf, dass liebgewonnene Hauptcharaktere am Leben bleiben. Das ist zwar überaus verstörend, aber auch ein genialer Schachzug vom Autor. Denn was bindet einen Leser besser an ein Buch als die ständige Furcht, auf der nächsten Seite lesen zu müssen, dass gerade der- oder diejenige, welche man gerade ins Herz geschlossen hat, das Zeitliche segnen musste?
Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, war, dass Martin jedes Kapitel von einer anderen Figur erleben lässt. Für die Haupterzählung verfolgt der Leser abwechselnd die Geschichte, wo die folgenden Figuren im Mittelpunkt stehen: Eddard Stark, seine Frau Catelyn und die Kinder Bran, Sansa und Arya. Dazu kommt noch Tyrion Lannister, der als Kleinwüchsiger kein leichtes Leben hat und nicht recht zu seinen Geschwistern Cercei und Jamie passen will. Zwei weitere Handlungsstränge werden von den Geschicken um Jon Snow, welcher sich als unehelicher Sohn von Eddard Stark der Nachtwache anschließt, und Daenerys Targaryen getragen.
Daenerys gehört wie ihr großer Bruder Viserys dem alten Herrschaftsgeschlecht an, welches vor Robert Baratheon über Generationen hinweg Westeros regiert hat und schon immer eine enge Beziehung zu Drachen hatte. Dank der Gier Viserys nach dem Eisernen Thron und einer Armee, um diesen zurückzuerobern, wird Daenerys mit dem Dothraki Khal Drogo zwangsverheiratet. Doch nach und nach wendet sich das Blatt, und Viserys muss einsehen, dass nicht er der letzte Drache ist, der im großen Kontinent Essos dem Exil entfliehen will…
Auf den Leser warten ganz zu Beginn und am Schluss dieser Ausgabe noch ein besonderes Schmankerl: eine Karte von Westeros und am Ende die Stammbäume und kurze Beschreibungen der Häuser Baratheon, Stark, Lannister, Arryn, Tully, Tyrell, Greyjoy, Martell und Targaryen.

Fazit

Inzucht, Lügen, Intrigen, Gewalt, Kriege, Machtgier, aber auch Ehre, Aufopferung und Liebe findet man in diesem gewaltigen Epos, das nicht nur mit jeder einzelnen Figur glänzt, sondern mit der gesamten erschaffenen Welt. Ein Hoch auf George R.R. Martin!

5 von 5 Punkten

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