Donnerstag, 12. Juni 2014

Filmkritik: Der Herr der Ringe I - Die Gefährten


Bewertet wird hier die Special Extended Edition zum ersten Teil der Herr der Ringe-Trilogie von Regisseur Peter Jackson, der Ende 2001 weltweit in die Kinos kam. Diese Edition verfügt über einen etwa um 30 Minuten im Vergleich zur Kinoversion verlängerten Film, der um einige neue und auch erweiterte Szenen ergänzt wurde und den ich generell (auch für die beiden anderen Filme) empfehlen würde, klärt er doch einige Ungereimtheiten aufgrund von in der Kinoversion vorgenommenen Kürzungen auf. Zur sicherlich hinlänglich bekannten Handlung des Films muss nicht mehr viel gesagt werden: Der Hobbit Frodo erhält zu Beginn den Ring der Macht des dunklen Herrschers Sauron von seinem Onkel Bilbo (wie dieser an den Ring kam, siehe dazu den Vorgängerroman „Der Hobbit“). Der Zauberer Gandalf erkennt, dass dieser im Auenland nicht sicher ist, da der wiedergekehrte Sauron seine Ringgeister auf die Suche nach ihm geschickt hat. Frodo macht sich also mit drei Freunden daran, seine Heimat zu verlassen, und schafft es, mit Hilfe des Menschen Aragorn, den Ring sicher zu den Elben zu bringen, wo ein einberufener Rat von Menschen, Elben und Zwergen entscheidet, dass der Ring zerstört werden soll, was jedoch bloß in Mordor, Saurons Reich, geschehen kann, so dass sich Frodo mit acht Gefährten auf den Weg dorthin macht…

Die Verfilmung folgt dabei im Großen und Ganzen sehr getreu der Buchvorlage von Tolkien, durch die Aufteilung in drei Filme war schließlich auch genug Platz vorhanden, die meisten Handlungsstränge zu übernehmen. Wichtige Änderungen im Vergleich zum Buch betreffen zum einen den Beginn des Films, in dem die Elbin Galadriel in einer Art Vorspann die Geschichte des Rings erzählt, was im Buch nicht gemacht wird. Ich halte diese Änderung jedoch für absolut gelungen und sinnig, führt sie schließlich auch nicht so mit Tolkiens Werk bewanderte Zuschauer gut in die Geschichte ein. Zum anderen wurde der Handlungsstrang mit Tom Bombadil, der zu Beginn des Buches auftaucht, komplett weggelassen, was ich wiederum absolut begrüßen kann. Denn im Grunde genommen hat diese Geschichte überhaupt keine Bedeutung für die Handlung des Buches und wirkte für mich im Buch völlig fehl am Platz. Außerdem wurden die Hobbits Merry und Pippin im Film viel stärker zu Unruhestiftern, vor allem Pippin mit seiner Neugierde und Tollpatschigkeit verursacht am laufenden Band Ärger. Dadurch erhielt die Geschichte aber auch einige humorvolle Aspekte, so dass ich diese Veränderung ebenfalls als gelungen einstufen würde. Eine weitere deutliche Veränderung zur Buchvorlage stellt die Figur der Arwen dar, in die Aragorn verliebt ist. Ihr wurde im Film (wie auch in den beiden weiteren Filmen) viel mehr Raum gegeben. Sie rettet Frodo vor den Ringgeistern und bringt ihn nach Bruchtal, und auch ihre Liebesgeschichte mit Aragorn wird stärker thematisiert. Auch diese Änderung störte mich nicht wirklich. Ich wäre zwar auch gut und gerne ohne diese Liebesgeschichte ausgekommen, die im Buch längst nicht so ausführlich behandelt wird, doch das moderne Kino scheint ohne Liebe und Drama nicht wirklich auszukommen, das muss man vermutlich schlichtweg akzeptieren. Sie stört immerhin auch nicht und findet ihre Grundlage im Buch, so dass ich mich mit ihr anfreunden konnte.
An den Veränderungen zur Buchvorlage konnte ich somit nicht wirklich etwas aussetzen und auch sonst fällt es mir wirklich schwer, den Film in irgendeiner Weise zu kritisieren. Ich halte ihn für eine überaus gelungene Verfilmung, der auch in der längeren Version einfach keine Längen aufweist und spannend bis zum Schluss ist. Er zieht den Zuschauer mit seinen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen in seinen Bann, die vor allem in Neuseeland aufgenommen wurden, und erreicht eine sehr einzigartige Atmosphäre, die durch die tolle Filmmusik noch verstärkt wird, die immer passend zu Wesen und Orten eingespielt wird und auf diese abgestimmt ist. Man fühlt sich wirklich in Mittelerde, was ich mir nicht besser aufgebaut vorstellen kann, vor allem die Heimat von Frodo, Hobbingen, empfand ich als einen der am besten gelungenen Handlungsorte überhaupt, der mit so viel Liebe zum Detail auf die Leinwand gebracht wurde.
Auch die schauspielerischen Leistungen konnten mich fast komplett überzeugen. Ian McKellen als Gandalf gefiel mir persönlich am besten, doch auch die Darstellung der Figuren Pippin (vor allem die humoristischen Elemente), Sam (der für mich sowieso der heimliche Held der Geschichte ist) und Gimli empfand ich als absolut gelungen. Orlando Bloom als Legolas konnte mich nicht komplett überzeugen, was aber auch an der Rolle an sich liegen mag. Den Schauspielern gelang es aber durchweg, das Wesentliche ihres Charakters herauszuarbeiten und somit auch die Handlung des Buches angemessen darzustellen. Wie gesagt, die Veränderungen zur Buchvorlage waren in sich stimmig, doch trotzdem ist man Tolkiens Werk in meinen Augen treu geblieben und hat das Wesentliche der Geschichte der neun Gefährten herausgestellt, die vom Ring der Macht in ihrer Mitte von innen heraus zerfressen werden, bis Frodo sich eingestehen muss, dass er allein einen Weg nach Mordor finden muss, was von Elijah Wood sehr überzeugend gespielt wird.

Fazit

Ich kann mich nur wiederholen: eine überaus gelungene Verfilmung des ersten Teils der Herr der Ringe-Geschichte, die sogar in weiten Teilen mit dem Buch mithalten kann, was ich wirklich so gut wie nie einem Film attestiere. Doch diesmal kann ich nichts an diesem Werk von Peter Jackson aussetzen, ihm ist es überzeugend gelungen, Tolkiens Monumentalwerk auf die Leinwand zu bringen und dabei das Wesentliche der Geschichte nicht zu verlieren, sie sogar noch mit einer ganz eigenen Atmosphäre auszustücken, von der alle drei Filme leben. Wirklich großes Kino!

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