Freitag, 9. Mai 2014

Rezension: Unterwegs (Jack Kerouac)

Rowohlt Verlag
Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-499-22225-2
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Mit „Unterwegs“ lieferte Jack Kerouac eins der wichtigsten Werke der so genannten „Beat Generation“ und erzählt sehr autobiographisch die Erlebnisse mehrerer Reisen mit Neal Cassady (im Buch Dean Moriarty), die beide in den 1940er und frühen 1950er Jahren durch die USA und Mexiko unternahmen. Im Zentrum steht ihre Suche nach Freiheit und Abenteuer, mit sehr begrenzten Mitteln trampen sie durch die USA, nutzen Fernbusse oder auch gestohlene Autos, sie lernen unzählige Menschen kennen, feiern wilde Partys, treffen viele Frauen, werden aber auch immer wieder von den bürgerlichen Aspekten des menschlichen Lebens eingeholt…

Bewertung

Kerouacs Buch ist in fünf Teile gegliedert, die jeweils eine Reise durch die USA und im vierten Abschnitt einen Trip nach Mexiko schildern, im letzten Kapitel wird noch kurz darauf eingegangen, was nach Mexiko mit den beiden Hauptfiguren Dean Moriarty und Sal Paradise (der Jack Kerouac nachempfunden ist) passiert. Der dritte und der fünfte Teil, der zudem noch sehr kurz ist, konnten mich einigermaßen unterhalten, ich erlebte mit Interesse Deans und Sals Reise durch die USA mit, sah, wie sie sich allmählich ein wenig veränderten, man erfährt mehr über ihre Gedanken über das Leben im Allgemeinen und sieht sie wachsen. Die Kapitel davor und auch das in Mexiko waren über weite Strecken schlichtweg langweilig, ich habe oftmals seitenlang den Text nur überflogen und war viele Male kurz vorm Abbrechen der Lektüre, versuchte mich dann aber immer weiter durch das Buch durchzukämpfen. Hätte ich nicht schon hier bei Legimus angekündigt, dass ich eine Rezension zum Buch schreiben würde, hätte ich es sicherlich nicht zu Ende gelesen. Es fühlt sich etwas seltsam an, diesen Klassiker der „Beat Generation“ so stark zu kritisieren, doch er konnte mich leider überhaupt nicht begeistern, meist fühlte es sich nur nach einem langweiligen „zuerst reisten wir da hin, dann dort hin, dort haben wir dies gemacht, am nächsten Ort jenes“ an. Es passierte einfach sehr wenig, ich fragte mich immer mehr, was Kerouac mir mit diesem Werk sagen wollte, außer eine Lebensweise, die gegen die Gesellschaft gerichtet ist, ein wenig zu beschreiben. Außerdem kamen einfach unzählige Personen vor, alte Bekannte von Sal, dann eben Unmengen an Reisebekanntschaften, die ich kaum auseinander halten konnte. Dass Carlo Marx Allen Ginsberg darstellte, wusste ich bereits vor der Lektüre, auch ein paar andere Figuren konnte ich ihren realen Vorbildern zuordnen, doch den Rest verwechselte ich immer wieder. Ständig tauchten neue Charaktere auf, so dass man sehr schnell durcheinander kommt. Dies machte die Lektüre des Buches natürlich auch nicht angenehmer.
Immerhin zeugte das Werk von keiner abgehobenen, schwer zu folgenden Sprache, sondern war gut verständlich geschrieben. Außerdem lernt man die USA wirklich gut kennen. Insbesondere erhält man durch die Schilderung der verschiedenen Reisen ein gutes Gefühl für die Größe des Landes. Man sieht, wie unendlich lange Sal und Dean unterwegs sind, um vom Osten in den Westen des Landes zu gelangen und welche verschiedenen klimatischen Bedingungen sie dabei erleben, was im Verhältnis zu Deutschland doch wirklich Welten sind. Ich bekam durchaus Lust, auch einmal quer durch die USA zu reisen und die verschiedenen Orte zu erleben. Doch mit diesem „alternativen“ Lebensstil, der sich in weiten Teilen komplett gegen die bürgerliche Norm richtete, konnte ich nicht so viel anfangen. Man erlebt ihn intensiv mit, kann ihm durchaus auch einiges abgewinnen und erfährt interessante Aspekten, wenn etwa im Buch allgemein über verschiedene Lebensweisen nachgedacht wird, was den dritten Teil des Buches eben besser als die anderen werden ließ. Doch irgendwann fehlte mir eine Reifung der beiden Hauptcharaktere. Dean bekommt mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen, heiratet mehrmals und lässt sich mehrmals wieder scheiden. Irgendwann hatte ich erwartet, dass sich beide Charaktere etwas erwachsener verhalten würden oder eben gar nicht versuchen, ein annähernd bürgerliches Leben zu führen.

Fazit

Insgesamt konnte mich Jack Kerouacs „Unterwegs“ kaum überzeugen. Ich hatte deutlich mehr von diesem Werk erwartet, wurde jedoch leider fast komplett enttäuscht. Der dritte und fünfte Teil ist recht lesenswert, ab und zu blitzen interessante Aspekte auf, wie der Kontrast der bürgerlichen Lebensweise und der freieren der „Beat Generation“. Doch empfehlen kann ich dieses Buch leider nicht wirklich, auch wer sich für Roadtrips interessiert, wird hier nach meiner Meinung nicht besonders gut unterhalten.

2,5 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Schade, dass es nicht wirklich gefallen hat. "Unterwegs" ist mein Lieblingsroman. Aber Geschmäcker sind ja verschieden. :) Mich hat das Buch sehr unterhalten, ich fand viele Szenen sehr inspirierend, ich bekam Sehnsucht beim Lesen und die locker-poetische Sprache hat mir sehr gut gefallen. Ich werde es irgendwann noch einmal lesen. Dann aber auf Englisch. :)

    Liebe Grüße

    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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