Sonntag, 4. Mai 2014

Rezension: Grim 3. Die Flamme der Nacht (Gesa Schwartz)

Egmont LYX
Hardcover, 768 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8460-2
19,95 €


Ein kurzer Einblick

Ein rätselhafter Nebel raubt der Welt die Menschen. Ohne die Träume der Menschen können die Gargoyles nicht überleben. Grim und Mia begeben sich auf die Suche der Ursache des Phänomens und decken die Pläne eines Dämons auf, der über die Zeitalter der Welt hinweg die Rückkehr der Dämonen plante. Durch feurige Abgründe, verführerische Traumwelten und uralte Stollen dräuender Gefahren macht Grim sich auf die Suche nach einem Zauber, der ihn befähigt die Dämonen aufzuhalten.

Bewertung
»Remis seufzte tief. ‚Mythen hier, Mythen da‘, murmelte er. ‚So interessant sie am Anfang immer klingen - am Ende sind sie doch immer nur eines: saugefährlich.‘« (S. 387)
Saugefährlich ist auch das letzte Abenteuer Mias und Grims, das in einem feurigen Finale gipfelt, als hätte Peter Jackson alle Fabelwesen in einer gewaltigen Schlacht zusammentreffen lassen. Schwarzes Dämonenfeuer hüllt Prag in einen tödlichen Mantel. Gargoyles und Dämonen ringen zwischen berstenden Bauwerken und einstürzenden Kirchen miteinander. Die diabolischen Kreaturen der Dunkelheit fluten mit einer schieren Übermacht die Straßen, die Gargoyles halten mit einer verbissenen Standhaftigkeit dagegen. Das Zeitalter der Dämonen, die Herrschaft der Fürsten der Finsternis aus den ersten Tagen dämmert herauf, um die Welt in ein ewiges Chaos zu stürzen. 57 Kapitel lang entführt Gesa Schwartz den Leser in ein Kopfkino epischer Ausmaße. Noch Minuten nach dem letzten Satz saß ich geflasht da und musste den Roman, die Wortgewalt, das Finale verdauen. Während ich die Rezension schreibe, geistern bewegende Bilder, furchteinflößende Kreaturen und in unbekannten Dimensionen geschmiedete Pläne durch meinen Kopf. Gesa Schwartz‘ Trilogie »Grim« ist eine der bisher beeindruckendsten Geschichten, die ich bis dato lesen durfte. Dafür kann ich der Autorin nur danken!

Gesa Schwartz beherrscht einen poetischen Schreibstil, der malerische Welten mühelos erschafft, Märchen und Mythen zum Leben erweckt, eine Geschichte erzählt, der man die Liebe zu Charakteren und Szenerien anmerkt. Die Sätze sind voller Doppeldeutigkeiten, die Sinnhaftigkeit mancher Aussagen liegt irgendwo zwischen den Zeilen verborgen. Einerseits kreiert die Autorin mit der Art des Erzählens eine tiefe Atmosphäre, andererseits ziehen sich die Beschreibungen oftmals sehr in die Länge. Gerade der Mittelteil des Romans wird durch die Ausmalungen der Anderwelt und vielerlei phantastischer Ortsbeschreibungen gestreckt. Das liest sich atemberaubend, führt die Welt und die Vergangenheit der einzelnen Völker der Anderwelt näher an den Leser heran, entzaubert aber auch geringfügig den Lesespaß. Ein flotteres Tempo hätte durch das Straffen einiger ausschweifender, blumig erzählter Passagen dem Roman hervorragend zu Gesicht gestanden. Trotz oder vielleicht gerade wegen des kleinen erzählerischen Missgeschicks erschuf Gesa Schwartz eine schillernde Imagination unvergesslicher Szenen. »Die Flamme der Nacht« ist ein Schatz epischer Schlachten, überwältigender Bilder und Geschehnissen erster Tage, die genossen werden müssen.

Der Gare du Nord in Paris versinkt im Nebel. Menschen verschwinden spurlos. Ein Minotaur steckt hinter den Schrecknissen, ein Minotaur, dem Grim machtlos gegenübersteht. Ein uraltes dämonisches Artefakt verleiht ihm ungeahnte Kräfte. Als es den Gargoyles gelingt die Identität des Minotauren aufzudecken ist es zu spät: Der schrecklichste aller Dämonen entkommt seinem Gefängnis, um die Erde in ein Dämonenparadies zu verwandeln. Remis, Lyskian, Mia und Grim reisen nach Prag. Dort hoffen sie, auf einen Zauber zu stoßen, um die Dämonen zurückzuschlagen. Ureigenste Alpträume, Wünsche und Ängste treiben sie in ihre selbst erschaffenen Abgründe, in die Finsternis ihrer Seele. Sie sind die Helden der Anderwelt. Doch nicht aus Vorherbestimmung, sondern aus der eigenen Entscheidung heraus. Das Böse dürstet danach sie zu verzehren wie auch im Bösen ein Funken des Guten begraben liegt. Ihre Motivation, ihre Schwächen und Stärken lassen sie straucheln, um gestärkt aus der Willensprüfung wie ein Phönix aus der Asche aufzustehen. Nicht nur die Helden des Romans sind vielschichtig gezeichnet, auch den Dämonen wird ein Charakter zugesprochen. Diese mögen das Böse sein, das Chaos in die Welt bringen, aber ihre Beweggründe werden verständlich herübergebracht. Sie gehören in die Anderwelt, wie Grim, Remis oder jede andere phantastische Kreatur.

Am Anfang stand ein übermächtiger Minotaur. Am Ende steht ein Dämon der ersten Zeit mit der Macht der Götter in den Händen. Zu Anfang stand Grim dem Minotaur machtlos gegenüber. Zum Ende steht Grim dem schrecklichsten aller Dämonen ... machtlos gegenüber und schlägt ihn doch. Natürlich steht Grim im Endkampf nicht alleine an der Front und auch seine Kräfte haben sich gemehrt, dennoch ist das Kräfteverhältnis für einen Sieg unausgewogen. Ein Dämon, der das Antlitz der Erde vernichten könnte, verliert gegen einen Gargoyle und seine Freunde? Wenn Zwischengegner übermächtig sind, muss der Endgegner furchteinflößender, gewaltiger, mächtiger, grausamer, heimtückischer sein als jedweder andere Dämon. Der Erzählung nimmt das die Glaubwürdigkeit, dem phantastischen Abenteuer aber nicht den Reiz.

Fazit

Gesa Schwartz‘ »Grim«-Trilogie gipfelt in einem feurigen Finale, das viele denkwürdige Szenen zu einem würdigen Abschluss bringt. »Grim« ist eine der beeindruckendsten Buchreihen der letzten Jahre, die mühelos viele Fantasy-Trilogien und -Reihen hinter sich lässt. Eine Verfilmung durch Peter Jackson dürfte »Herr der Ringe« das Wasser reichen.

4,5 von 5 Punkten

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