Sonntag, 25. Mai 2014

Rezension: Dantes Göttliche Komödie (Seymour Chwast)

Knesebeck Verlag
Hardcover, 128 Seiten
ISBN: 978-3-86873-339-6
19,95 €


Ein kurzer Einblick

In dieser Adaption der Göttlichen Komödie Dantes reist Dante selbst durch die drei Reiche des Jenseits, die Hölle, das Paradies und den Läuterungsberg. Begleitet wird er dabei zunächst von dem Dichter Vergil. Später geht seine verstorbene Geliebte Beatrice mit ihm des Weges. Während dieser Reise trifft Dante auf die verschiedensten historischen Persönlichkeiten…

Bewertung

Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ gilt als die bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur. Allerdings ist das im 14. Jahrhundert geschriebene Werk, das auf seinen über 500 Seiten komplett in Versform geschrieben ist, alles andere als leicht verständlich. Da im Laufe der Jahrhunderte wohl schon viele Leser an diesem Werk, das die italienische Schriftsprache begründete, gescheitert sind, hat Seymour Chwast eine gekürzte Fassung des Werkes als Graphic Novel adaptiert. Ihm ist es gelungen, Dantes Werk in moderne Sprache zu übersetzen und mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu illustrieren.
Als Reisenden durch die drei Reiche des Jenseits lässt er dabei Dante selbst auftreten. Dieser spiegelt jedoch nicht die mittelalterliche Zeit, deren Jenseitsvorstellungen die Göttliche Komödie transportiert, wider, sondern ist als Pfeife rauchender Detektiv dargestellt. Sein Begleiter Vergil trägt eine Melone und auch Beatrice einen neumodischen Hut. Im Gegensatz dazu tragen die historischen Persönlichkeiten, denen Dante auf seiner Reise begegnet, allerdings zum Teil historische Gewände, zum Teil aber eben auch nicht. Hier hätte eine stilechte Umsetzung des Werkes dessen Charakter wohl eher unterstrichen.
Die Zeichnungen dagegen sind mehr als gelungen. Besonders ihre Schlichtheit begünstigt, dass es vor allem die Inhalte sind, die für sich sprechen. Trotzdem gelingt es, mit den auf das Essentielle beschränkten Abbildungen, die Szenen und Handlungsabläufe deutlich herauszuarbeiten. Was in den einzelnen Kreisen der Hölle und Bereichen des Vorpurgatoriums geschieht, ist mehr als deutlich dargestellt, so dass man zum Teil eine farbige Darstellung gar nicht hätte sehen wollen.
Die Grundgedanken der Handlung sind gut nachvollziehbar und deutlich herausgearbeitet. Besonders bei den Treffen Dantes mit historischen Persönlichkeiten, die in dieser Adaption natürlich nur begrenzt dargestellt werden können, wird der Leser immer wieder zum Grübeln darüber angeregt, warum sich diese Person nun etwa in diesem Höllenkreis befindet.

Fazit

Die Graphic Novel zu Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ bietet eine grundständige und leicht zugängliche Einführung in dieses schwierige Werk. Obwohl die Zeichnungen einfach gehalten sind, ist alles Essentielle gut illustriert und verständlich wiedergegeben. Für alle, die sich nicht an Dantes Werk herantrauen, ist diese Graphic Novel eine sichere und gut gewählte Alternative.

4 von 5 Punkten

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