Donnerstag, 8. Mai 2014

Gastrezension: Bob und wie er die Welt sieht (James Bowen)

Bastei-Lübbe
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-404-60802-7
8,99

Ein kurzer Einblick

Fortsetzung des Bestsellers „Bob, der Streuner“: Straßenzeitungsverkäufer James und sein kleiner Begleiter kämpfen sich Tag ein, Tag aus durch das harte Leben in Londons Innenstadt. Gemeinsam trotzen sie übelgelaunten Passanten, müssen sich gegen neidische Kollegen behaupten, überwinden medizinische Rückschläge und stellen sich der scheinbar unüberwindbaren Herausforderung einer Buchveröffentlichung.

Bewertung

Auch dieses Buch habe ich kaum aus der Hand legen können, nachdem ich einmal mit Lesen angefangen hatte, denn wie schon im ersten Band fesselt die Geschichte vom ersten Moment an bis zum letzten Punkt und geht zu Herzen.
Gleich dem Vorgängerbuch offenbart der Autor in schlichter Erzählung seine unrühmliche Vergangenheit als Obdachloser und Drogenabhängiger. Die Geschichte knüpft nahtlos an „Bob, der Streuner“ an, aber man muss das erste Buch nicht gelesen haben, um „Bob und wie er die Welt sieht“ folgen und verstehen zu können. (Ich kann das erste Buch aber jedem wärmstens empfehlen, denn die Geschichte von Bob und James berührt zutiefst und man hat echt was verpasst, wenn man das Buch nicht kennt.)
Anders als im Vorgängerband wird der Fokus jedoch weniger auf das Zusammentreffen von Mensch und Tier gelegt, sondern James‘ Weg vom erfolgreichen Drogenentzug in ein lebenswertes Dasein rückt in den Vordergrund. Dieser Weg ist nicht nur bestückt mit Geschichten über die katzentypischen Eigen- und Unarten von Bob, die den Leser manchmal mehr als nur schmunzeln lassen, er wird auch überschattet von James‘ Ängsten und Sorgen, die der oftmals lebensgefährliche Überlebenskampf auf der Straße mit sich bringt und dem Leser die Augen für die Not der Mittellosen öffnet.
Besonders schön fand ich, dass in diesem Buch stärker auf Bobs Sicht der Dinge eingegangen wird und der Leser – wie der Titel des Buches ja schon sagt – die Welt aus den Augen des Minitigers kennenlernt. Bob ist ein neugieriger und verspielter Kater und seine unvoreingenommene Einstellung gegenüber Unbekanntem hat viel Ähnlichkeit mit der Entdeckerfreudigkeit eines Kindes. James unterdessen sieht sich nicht nur als der Halter eines Haustiers, er fühlt sich als Bobs Vater und macht sich dementsprechend Sorgen um seinen Schützling, wenn der mal wieder aus der Wohnung verschwindet oder krank wird. Ein jeder, der selber eine Fellnase daheim hat, kann hier wunderbar mitfühlen, aber auch Leser ohne Haustier werden James‘ Gemüt nachvollziehen können.
Rührend bis hin zu tränenreich wird es zum Ende hin, als James‘ über die Entstehung des ersten Buches berichtet. Durch eigene Erfahrung weiß er, dass Bob beim Publikum äußerst beliebt ist und er die Menschen magisch anzieht. Doch wie wird er, James, dastehen? Wird er den Sprung in ein neues Leben schaffen? Er schildert schonungslos seine Selbstzweifel und die Angst, kläglich zu scheitern – Gedanken, mit denen sich jeder Leser in irgendeiner Form identifizieren kann, was den Autor wiederum nur noch authentischer macht. Dank der Unterstützung seiner Freunde und den Mitwirkenden am Buch wird ihm nicht nur der Rücken gestärkt, er kann daraus auch neue Hoffnung schöpfen, dass das Licht am Ende des Tunnels näher kommt. Das Buch macht dem Leser Mut, genauso wie James niemals aufzugeben und immer weiterzukämpfen, egal welche Steine einem in den Weg gelegt werden.

Fazit

Verdienter Bestseller, gelungene Fortsetzung des ersten Buches und ein absolutes Muss für jeden Bücherschrank! Die Fotos im Buch sorgen für ein zusätzliches Highlight.

5 von 5 Punkten


Diese Rezension verfasste Luinrina für Legimus.

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