Montag, 5. Mai 2014

Gastrezension: Bob, der Streuner (James Bowen)

Bastei-Lübbe
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-404-60693-1
8,99

Ein kurzer Einblick

Eine bewegende Geschichte, wie nur das Leben sie schreiben kann: James Bowen ist auf Drogenentzug und Straßenmusiker im bekannten Londoner Covent Garden. Eines Abends begegnet er einem verletzten roten Kater auf der Fußmatte eines Nachbarn. Da sich nach einigen Tagen noch immer niemand des kläglich jammernden Tieres angenommen hat und es immer offensichtlicher wird, dass der Kater keinen Besitzer hat, nimmt James den Minitiger bei sich auf und pflegt ihn wieder gesund. Sein Ziel: das Tier nach vollständiger Genesung wieder in die Freiheit entlassen. Doch „Rotpelzchen“, wie er den Kater liebevoll nennt, hat anderes im Sinn.

Bewertung

Ich habe das Buch innerhalb eines Nachmittags regelrecht verschlungen. Die Geschichte liest sich nicht nur zügig dahin, sie fesselt und berührt gleichermaßen.
Das Buch erzählt schonungslos die wahre Lebensgeschichte des Autors. Die Sprache ist zwar einfach gehalten, sie gibt so aber ein authentisches Bild des Autors wieder. Dadurch bekommt der Leser sehr gut vor Augen geführt, was es heißt, in der heutigen Zeit mittellos zu sein, ohne Schulabschluss und Berufsausbildung tagtäglich hart für seine Mahlzeiten ackern zu müssen und selbst dann noch finanziell weit unter der Armutsgrenze zu leben. Und trotzdem zeigt gerade dieser Mensch, der nichts hat, was er teilen oder entbehren könnte, Güte und gibt fast sein sprichwörtlich letztes Hemd her, um einem verletzten Tier in Not zu helfen.
Mir hat die unverschleierte Erzählweise des Autors gefallen, insbesondere wie er von der harten Realität eines Obdachlosen und Ex-Drogenabhängigen berichtet. Er zielt dabei aber nicht auf das Mitgefühl der Leute ab; er will auch nicht der Gesellschaft das Elend der Mittellosen vorhalten. Der Fokus der Geschichte liegt klar auf der Freundschaft und stetig wachsenden Liebe zwischen Mensch und Tier, die unter die Haut geht und dem Leser zeigt, wie eine Samtpfote das Leben eines Menschen nachhaltig verändern kann. Gemeinsam mit James bangt man, wenn es dem Kater schlecht geht, wird panisch, wenn das Tier vor Schreck Reißaus nimmt, und freut sich tierisch über jeden Moment gemeinsamen Glücks.
Beeindruckend fand ich, dass James bereit ist, sein Leben für Rotpelzchen auf den Kopf zu stellen. Ihm ist fortan nicht mehr wichtig, dass er selber genug Geld fürs Abendessen zusammenbekommt, sondern dass es dem Kater gutgeht und er feste Mahlzeiten zu fressen hat. Der Minitiger dankt es ihm auf seine Weise und wird sein steter Begleiter in der belebten Londoner Innenstadt, was sich wiederum positiv auf James auswirkt. Als Straßenmusiker hatte er es bisher nicht leicht, genügend Geld zum Überleben zu verdienen, doch mit Rotpelzchen an seiner Seite wird er innerhalb kürzester Zeit am Covent Garden zur Berühmtheit. Doch der Ruhm bringt auch seine Schattenseiten mit sich und James muss fortan sich und Bob, wie er den Kater tauft, gegen allerlei übles Gerede und Anschuldigungen verteidigen, was nicht immer glimpflich ausgeht. Doch mit Bob als seine neue treibende Kraft überwindet James auch solche Hürden und schafft es, sein Leben völlig umzukrempeln. Als Leser spürt man deutlich, dass James trotz der vielen Rück- und Tiefschläge im Leben nie die Hoffnung aufgibt, und gewinnt so selber die Zuversicht, schwierige Zeiten meistern zu können.
Das einzige, was mich ein wenig an dem Buch stört, ist der deutsche Titel. Im Original heißt das Buch „A Street Cat Named Bob“. Ins Deutsche wurde „street cat“ mit „Streuner“ übersetzt, was es aber nicht vollends trifft. Rotpelzchen mag anfangs ein Streuner gewesen sein, aber ich denke mit „street cat“ wird hier eher die Tatsache angesprochen, dass Bob seinem Herrchen als Straßenmusiker und später Straßenzeitungsverkäufer überall hin folgt und stets an seiner Seite auf den Straßen der Londoner Innenstadt unterwegs ist – eine Straßenkatze eben. Dieser Fehler in der Übersetzung tut der Story an sich aber absolut keinen Abbruch.

Fazit

Das Buch ist nicht nur für Katzenfans empfehlenswert, sondern für alle, die Liebe und Freundschaft zu schätzen wissen.

5 von 5 Punkten


Diese Rezension verfasste Luinrina für Legimus.

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