Mittwoch, 21. Mai 2014

Filmkritik: North and South (2004)

  

Bewertet wird hier die vierteilige BBC-Miniserie aus dem Jahr 2004, in der Richard Armitage und Daniela Denby-Ashe die Hauptrollen übernahmen. Sie stellte damit die zweite Verfilmung von Elizabeth Gaskells Klassiker „North and South“ dar, der zur Mitte des 19. Jahrhunderts den industriellen Norden Englands dem ländlichen Süden gegenüberstellte, ausgedrückt vor allem durch die beiden Hauptcharaktere Margaret Hale und John Thornton. Margaret zieht mit ihren Eltern aus einer Kleinstadt im Süden von England in die Industriestadt Milton, in der John Thornton eine Baumwollfabrik betreibt. Ihre verschiedenen Ansichten darüber, wie Fabrikbesitzer mit ihren Arbeitern umzugehen haben, behindern aufkeimende Gefühle der beiden füreinander… 

Wie die meisten der BBC-Verfilmungen, die ich kenne, hält sich auch diese sehr getreu an die Buchvorlage. Drei gröbere Veränderungen zum Buch betreffen zum einen die erste Begegnung von Margaret und Mister Thornton, die etwas dramatischer gestaltet wurde und stärker auf ihren Konflikt, was ihre Ansichten zur Arbeitersituation angeht, abzielt. Dies mag an sich stimmig sein, zu drastisch empfand die Veränderung aber doch, Thornton wird viel zu gewalttätig dargestellt, was generell überhaupt nicht zu seinem Charakter passt. Zum anderen wurden einige Ereignisse in London, die sich eher zum Schluss des Buches zutragen, etwas vorverlegt und mit der Londoner Weltausstellung des Jahres 1851 verbunden, was ich zwar auch nicht als besonders gelungene Änderung zur Buchvorlage empfand, stören taten die neuen Szenen allerdings auch nicht. Daraus ergaben sich auch einige Änderungen, was das Ende anbelangt, das nicht in London, sondern auf einem Bahnhof statt fand. Ohne zu viel verraten zu wollen, es fiel deutlich leidenschaftlicher als im Buch aus, im Buch war es jedoch auch überaus schwach. Im Film wurde es jetzt, wenn man die damalige Zeit und ihre Sitten bedenkt, ein wenig übertrieben, sehr unpassend fand ich es aber auch nicht. Alles andere wurde sehr nah am Buch umgesetzt, dessen Thematik generell wirklich überzeugend dargestellt wird.
Der Klassenkonflikt wird ähnlich wie im Roman sehr abgewogen, beide Seiten verstehend behandelt und auch der Kontrast zwischen ländlichem Süden und industriellem Norden gut herausgearbeitet. Außerdem wird die Entwicklung der Beziehung zwischen Margaret und Mister Thornton gelungen gezeichnet, was auch an den wirklich überzeugenden Hauptdarstellern liegt, beiden kauft man ihre Rolle jederzeit zu 100 Prozent ab. Auch die Handlungsorte und Kulissen gefielen mir sehr gut, insbesondere die Fabrik Thorntons, die, soweit ich dies beurteilen kann, sehr authentisch nachgebaut wurde. Was dem Film sogar besser als dem Buch gelingt, ist der Aufbau einer ganz besonderen melancholischen Atmosphäre, die im Buch steckte, aber durch den Film noch stärker herausgestellt wurde. Dabei half auch die sehr gelungene, passende Musik, die dazu beitrug, dass ich als Zuschauer vom Film nicht mehr losgelassen wurde. Trotz seiner fast vierstündigen Laufzeit habe ich ihn in einem Rutsch geguckt, die Geschichte von Margaret und Mister Thornton ließ mich nicht mehr los, obwohl ich durch die vorherige Lektüre des Buches bereits das Ende kannte. Doch diese Verfilmung war derart gefühlvoll, rührend und vor allem auch spannend, dass ich schlichtweg nicht aufhören konnte, sie anzusehen, und wirklich traurig war, als sie schließlich doch zu Ende ging.

Fazit

Für mich eine wirklich sehr gute Verfilmung des viktorianischen Klassikers, was ich meist bei BBC-Produktionen sagen kann. Die Thematik des Buches wird gelungen und nah am Original wiedergegeben, die Hauptdarsteller überzeugen auf ganzer Linie und einige Teile des Films gefielen mir sogar besser als im Buch, was man in meinen Augen wirklich selten über eine Buchverfilmung sagen kann. Doch dieser Film lebt einfach von seiner gefühlvollen, melancholischen Atmosphäre, die den Zuschauer mehr berührt als das Buch. Ich kann somit diese Verfilmung nur jedem wärmstens weiterempfehlen. Wer sie gern auf Deutsch sehen möchte, sollte beachten, dass es auch eine gekürzte Version gibt, wobei ich die längere empfehlen würde.

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