Mittwoch, 28. Mai 2014

Filmkritik: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand


Als Jonas Jonasson im Jahr 2009 seinen Debütroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ veröffentlichte, wurde dieser binnen kurzer Zeit zunächst in Schweden und im Anschluss weltweit zum gefeierten Bestseller. Schnell wurden nicht nur die Stimmen nach weiteren Werken aus der Feder von Jonas Jonasson, sondern zugleich nach einer Verfilmung des humorvollen Werkes laut. In diesem Jahr wurde nun beides präsentiert. Fünf Jahre nach der Veröffentlichung von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ brachte der Schwede Felix Herngren den Roman in die Kinos. Darin erzählt er den Roadtrip eines besonderen Hundertjährigen, dem es im Altenheim zu langweilig wurde...

Stilechter hätte wohl auch Jonas Jonasson selbst seinen Stoff nicht umsetzen können. Die unmittelbare Nähe zum Buch ist über den gesamten Film hin ersichtlich, so dass der Zuschauer kein Detail des Buches vermissen muss. Die Kulissen lassen keinen Zweifel daran, in welcher Region der Welt die Handlung spielt und auch die Schauspieler wurden stilecht mit Schweden besetzt. Sie sind dabei so gut getroffen, dass man sie sich anders wohl auch beim Lesen nicht ausgemalt hätte. Sogar die Verwandlungen Robert Gustafssons in unterschiedlich alte Versionen Allan Karlssons sind gut gelungen.
Die Handlung hält all jene Spitzen und Geschehnisse bereit, über die man bereits beim Lesen des Buches herzhaft lachen konnte. Besonders der trockene Humor Allan Karlssons wird in den Erzählungen über sein Leben gut herausgearbeitet. Diese historischen Rückblendungen sind insgesamt hervorragend in die Handlung des Films eingebunden. Nach und nach decken sich Allans Leben und seine Liebe zum Dynamit auf und mit ihnen der Verlauf des 20. Jahrhunderts. Diese Rückblenden sind immer für einen Lacher gut. So ist es nicht nur der Tanzabend bei Stalin, der den Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr herauslässt. Zwar tauchen hier ein paar der im Buch erwähnten Treffen mit historischen Persönlichkeiten nicht auf, doch da diese für die Handlung wenig essentiell sind, ist dies schon bald wieder vergessen.
Vereinzelt überlädt die Verfilmung den Humor des Romans und auch die Verfolgung durch den Kommissar ist etwas kurz geraten, doch dies alles tut der Verfilmung keinen Abbruch. Auch wenn das Ende im Vergleich zum Roman etwas kurz geraten ist, überwiegt doch die exzellente Umsetzung der Handlung, auch wenn diese insgesamt mit etwas weniger Längen hätte auskommen können. Die Idee der Freundschaft zwischen völlig unterschiedlichen Personen konnte leider im Film zudem nicht so gut herausgearbeitet werden wie im Roman.

Fazit

Die Verfilmung von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ kann ohne Abstriche als gelungen bezeichnet werden. Handlung, Darsteller und Kulisse geben den Roman so hervorragend wieder, dass man es sich als Leser gar nicht anders hätte vorstellen können. Auch wenn im Vergleich zum Roman bei der Handlung Abstriche gemacht werden mussten, ist dies jedoch eine Verfilmung, die durch ihre Nähe zum Buch besticht und ohne hollywoodmäßige Ausschlachtungen der Handlung auskommt.

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