Freitag, 18. April 2014

Rezension: Pulp (Charles Bukowski)

Kiepenheuer & Witsch Verlag
Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-462-04313-6
7,99 €

Ein kurzer Einblick

In Charles Bukowskis letztem Buch steht erstmals nicht sein Alter Ego Henry „Hank“ Chinaski im Zentrum der Geschichte, sondern der recht erfolglose Privatdetektiv Nick Belane, der sich plötzlich vor Aufträgen kaum retten kann. Die geheimnisvolle Lady Death will, dass er herausfindet, ob der französische Autor Celine noch lebt, der eigentlich längst tot sein sollte. Ein Beerdigungsunternehmer fühlt sich von einer Außerirdischen verfolgt, ein Mann will, dass Belane seine Frau beschattet, und zusätzlich soll er den Red Sparrow finden, von dem er nicht einmal weiß, ob er wirklich existiert. Die Fälle scheinen irgendwie miteinander in Verbindung zu stehen, doch Belane verzweifelt beinahe an ihrer Aufklärung…

Bewertung

Sein letzter Roman, den er kurz vor seinem Tod vollendete, handelt im Unterschied zu seinen anderen Büchern nicht von Charles Bukowskis eigener Lebensgeschichte, die er etwas abgewandelt anhand seines Alter Egos Chinaski darstellte. Allerdings findet Hank im Buch immerhin eine Erwähnung und die Hauptperson Belane hat doch einige Parallelen mit Bukowski/Chinaski aufzuweisen. Belane ist ähnlich wie Bukowski zu Beginn seiner Karriere recht erfolglos in seinem Beruf, er trinkt sehr viel und treibt sich in Bars und Kneipen herum. Die sehr typischen Bukowski-Themen wie Gewalt, Pferderennen und Sex tauchen auch wieder zuhauf auf, wobei im Gegensatz zu seinen anderen Werken keine Frauengeschichten vorkommen. So bekommt man auf der einen Seite wieder den Bukowski, den zumindest ich so liebe, den derben, die harte Wahrheit aussprechenden Autor, der wirklich kein Blatt vor den Mund nimmt. Er lässt Belane auch immer wieder über den Lauf seines Lebens nachgrübeln und sein verkorkstes Leben analysieren, kommt dabei zu allgemein gültigen, interessanten und ehrlichen Ergebnissen, die den Leser zum Nachdenken anregen, vor allem wenn man ähnlich erfolglose Phasen in seinem Leben hatte und sich in Selbstzweifeln verlor. So wird man als Leser zumindest mit dem Hauptcharakter Belane warm, der eben viele Züge von Bukowski selbst aufweist und somit „Pulp“ um die Elemente erweitert, die mich in den anderen Büchern so begeistern konnten.
Auf der anderen Seite konnte mich die Handlung an sich wenig überzeugen. Die Dialoge sind immerhin noch im typischen Bukowski-Stil, witzig, vulgär und unterhaltsam, doch die Charaktere gehen für meinen Geschmack zu sehr ins Absurde und Unsinnige, ebenso wie die Geschichte in weiten Teilen. So langweilte mich das Buch die meiste Zeit ein wenig und es kam keine wirkliche Lust auf, weiterzulesen oder endlich das Ende erfahren zu wollen. So schleppt man sich ein wenig durch die Geschichte hindurch und ist auch relativ froh, wenn man endlich das Ende erreicht hat, was ich noch bei keinem anderen Bukowski-Roman erlebt habe. Viel mehr kann ich leider zu dem Buch auch nicht sagen. Man muss wohl ein sehr großer Bukowski-Verehrer sein, um „Pulp“ wirklich zu mögen. Ich halte es für den schwächsten seiner Romane, der aber immerhin aufgrund seiner Kürze noch recht gut zu lesen ist.

Fazit

Zum Abschluss konnte mich der „dirty old man“ leider mit seinem letzten Roman nicht mehr so überzeugen wie mit seinen sonstigen Werken. Wer auf etwas skurrile Detektivgeschichten steht, kann dem Buch vielleicht noch einiges abgewinnen, wobei die Krimielemente auch eher kurz kommen. Ich würde Bukowski-Interessierten eher seine fünf anderen Romane empfehlen, da lohnt sich die Lektüre wirklich.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen