Dienstag, 8. April 2014

Rezension: Horror Factory 13. Epitaph (Michael Marrak)

Bastei-Lübbe Digital
eBook, 1,99 €
ISBN: 978-3-8387-4671-5

Bastei Lübbe Digital
Audio-Download, 1,49 €
ISBN: 978-3-8387-7294-3

Ein kurzer Einblick

Etwas lauert dort drüben. Etwas verbirgt sich in den Schatten. Etwas ist dort, in der Zwischenwelt, in die ihn die Ärzte geschickt haben. Einen bestialischen Mord soll er begangen haben. Niemand glaubt ihm, dass nicht er es war, sondern das Wesen, das allein er sehen kann. Der Epitaph wird seine Rettung sein ...

Bewertung

Unter der Schirmherrschaft von Uwe Voehl startete am 29.05.2013 im Bastei Lübbe-Verlag die “Horror Factory“. Die Novellen werden zeitgleich als eBook und als Audio-Download veröffentlicht. Die einzelnen Storys sind in sich abgeschlossen.

Zur »Horror Factory« gibt es aufgrund der Kürze keine ausführlichen Rezensionen, wohl aber kurze Meinungen, um Spoiler zu vermeiden. Ein Überblick über bisher bewertete Werke lässt sich unter dem Label »Horror Factory« finden.

»Epitaph« ist schwer zu fassen, grenzgenial, grotesk, faszinierend, bildgewaltig ... Ich könnte mit weiteren überschwänglichen, lobenden Adjektiven um mich schmeißen, doch will ich lieber ein paar umfassendere Worte verlieren. Der Erzähler hat seine Erinnerungen verloren und wird in einem speziellen Gefängnis festgehalten. Unter Psychopharmaka gesetzt dient er geheimen wissenschaftlichen Experimenten. Der Epitaph schickt ihn in fremde Welten. Die Ärzte wollen ein Wesen in einer der Zwischenwelten finden - doch ob das so gut für die Erde ist?

Michael Marrak ist ein Meister der Worte. Der Autor wirft mit vielen Namen und Begriffen um sich, die aus dem Zusammenhang meist einen vagen Sinn ergeben, zumeist aber gar nichts verraten. Um die volle Tragweite der Geschichte zu erfahren, müsste man sich mit dem Hinduismus beschäftigen. Obwohl mir das Hintergrundwissen fehlte, hatte ich niemals das Gefühl etwas äußerst Wichtiges zu verpassen, um die Story zu verstehen. Viel zu sehr nahm mich die Erzählung gefangen, zog mich mit in ihrem verstörenden Sog ins Jenseits (?).

Beunruhigende Bilder, groteske Kulissen und ein Gefängnis, das an verfluchte Irrenanstalten denken lässt, dient als Setting. Michael Marrak breitet keine eilig erzählte Geschichte aus, um so viel Stoff wie irgend möglich auf den wenigen Seiten unterzubringen, sondern schwelgt viel lieber in phantastischen Szenerien, mystischen Unterhaltungen und seltsamen Rätseln. »Epitaph« ist eine wahrlich schaurig schockierende Novelle mit blutigen Horroreinlagen.

Fazit

Nebulöser Horror verzaubert mit grotesken Schauplätzen, die zum Rätseln und Mystifizieren einladen. Michael Marraks Wortkunst verzaubert und lädt zum Verweilen in einer Welt ein, die so unsympathisch ist, dass man sie direkt verlassen möchte. Mit »Epitaph« hat der Autor einen der bisher besten Beiträge zur »Horror Factory« geleistet.

5 von 5 Punkten

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