Sonntag, 27. April 2014

Rezension: Fragmente – Partials II (Dan Wells)

Piper ivi
Gebunden mit Schutzumschlag, 576 Seiten
ISBN: 978-3-492-70283-6
19,99

Ein kurzer Einblick

Bisher konnte ein Neugeborenes gerettet werden. Die Menschen auf Long Island versuchen verzweifelt, dass Heilmittel zu synthetisieren, während Kira bei der ParaGen-Niederlassung in Manhattan nach Antworten sucht. Ist sie wirklich eine Partial? Wie kann man das Verfallsdatum der Partials stoppen? Und wer oder was ist der Trust, zu dem Kiras Ziehmutter sie am Ende vom ersten Band geschickt hat? Wird sie die nötigen Antworten finden und wenn ja, wird es noch rechtzeitig sein?

Bewertung

Wie in „Aufbruch“ durchlebt der Leser mit den Protagonisten eine recht lange Zeitspanne, wobei die Geschichte ruhig beginnt und sich immer mehr steigert. Das betrifft sowohl die Spannung an sich als auch die überraschenden Wendungen. Zwischendurch mag es dem einen oder anderen Leser vielleicht langweilig erscheinen, wenn sich Kira mit den beiden Partials Samm und Heron und dem ehemaligen ParaGen-Mitarbeiter Afa Richtung Denver zum ParaGen-Hauptsitz aufmacht. Denn Dan Wells hat zwar nicht jeden einzelnen Kilometer haarklein beschrieben, aber den Leser doch sehr gut ins Bild gesetzt, wie die Landschaft und die verfallenen Städte und Brücken 12 Jahre nach dem Untergang der Menschheit aussehen. Dazu kamen die Schwierigkeiten beim Auffinden genießbarer Lebensmittel, dem Überqueren eines Flusses und der Überlebenskampf der kleinen Truppe in der weiten Ödnis, wenn die Wolken säurehaltigen Regen niedergehen lassen. All diese Beschreibungen finde ich aber sehr hilfreich: Im Allgemeinen um einen Gesamtüberblick über die schlimme Situation der Flora und Fauna zu bekommen und im Besonderen, um Samm, Kira und besonders Heron besser einschätzen und kennenlernen zu können. Denn wo zeigen „Menschen“ schon ihr wahres Gesicht, wenn nicht in Extremsituationen?
Dan Wells lässt den Leser aber nicht nur Kiras Wege verfolgen, sondern springt kapitelweise auch zu Kiras Freund Marcus auf Long Island, der sich mit den anderen Menschen der einfallenden Partialarmee unter der Führung von Dr. Morgan erwehren muss. Diese hatte im ersten Band festgestellt, dass Kira ebenfalls eine von ihnen ist und will ihrer nun wieder habhaft werden. Der stete Wechsel zwischen den Kämpfen, der Angst der Zivilisten entdeckt und umgebracht zu werden und die bange Vorahnung auf eine ungewisse Zukunft haben mich regelrecht an das Buch gefesselt.
Was wieder besonders auffällt, ist, dass alle Personen um Kira und Marcus sehr erwachsen handeln. Wenn ich die Altersangaben aus dem ersten Band nicht noch im Kopf gehabt hätte, dann hätte ich Kira und ihre Freunde auf mindestens 25 Jahre geschätzt. Kamen im ersten Band noch unbeschwerte Momente vor, müssen sich die Protagonisten in „Fragmente“ vor allem mit tiefgründigen Fragen auseinandersetzen – wie zum Beispiel, ob das Überleben Tausender Menschen das Leiden einiger weniger Partials rechtfertigt. Jeder Protagonist muss für sich selbst die Antwort finden und dadurch werden sie gezwungen sich zu entscheiden, wo sie stehen.
Eine kleine Ungereimtheit habe ich aber leider entdeckt und betrifft das Baby von einer Freundin von Kira, welches als halb Mensch, halb Partial geboren wird. Auch dieses Baby erkrankt an RM, allerdings in anderer Form, und es wird gesagt, dass solch ein Krankheitsfall noch nie vorgekommen ist. Allerdings gab es rückblickend gesehen bereits im ersten Band solch ein Baby, welches aber „normal“ an RM gestorben ist… Wenn ich das Glück habe, nochmals zu einer Lesung von Dan Wells zu kommen, werde ich ihn dahingehend befragen. Dem Lesevergnügen tat dieser Widerspruch aber keinen Abbruch.
Besonders gefallen hat mir dieses Mal auch wieder das Cover, welches in Anlehnung an die Skyline vom ersten Band jetzt eine überschwemmte Landschaft in kühlen Blautönen zeigt, passend zum Buchinhalt.

Fazit

„Fragmente“ ist ein Band mit schweren Entscheidungen, einigen gelösten Rätseln und sehr ungewöhnlichen Wendungen. Mit seinem grandiosen Schreibstil hat Dan Wells somit eine dramatische Fortsetzung zu „Aufbruch“ geschaffen, die definitiv Lust auf den finalen Band macht, welcher – laut einem Interview – wunderbarerweise bereits im Oktober 2014 herauskommen soll.

5 von 5 Punkten


Wir danken Piper ivi für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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